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Treue zahlt sich nicht aus

Gerade habe ich aus Interesse mal Preise für unsere KFZ-Versicherung eingeholt. Dabei hab ich – rein aus Spaß – auch bei unserer aktuellen Versicherung den Tarifrechner bemüht. Das Resultat ist mal wieder kaum zu glauben. Als Neukunde würde ich im Quartal (!) über 60 Euro weniger bezahlen. Die Konditionen sind dabei nicht schlechter, ich habe eine höherer Kilometerlaufleistung und andere Mitfahrer angegeben. Ist ja klar, als Bestandskunde ist man der letzte Arsch, für Neukunden geben die Versicherungen das letzte Hemd.

Was kann man also tun? Pünktlich zum Jahresende die Versicherung wechseln und das am besten jedes Jahr. Denn leider ist das kein Einzelfall. Ist zwar aufwändig, aber für über 20 Euro im Monat mache ich mir diese Arbeit gerne. Ich bin heilfroh, dass ich dieser Branche vor langer Zeit den Rücken zugedreht habe.

Junior hat Mist gebaut

Es war einer dieser Tage, wo man mit dem Kopf auf die Tischplatte schlagen könnte. Ich war gerade extrem tief in meine Arbeit versunken, als die Bürotür aufging und mich Missy bat, in die Küche zu kommen. Während ich aus der Stimme eine mir unbekannte Stimme hörte, murmelte Missy was von „Wohnwagen“ und „kaputt“. In der Küche angekommen, erkannte ich einen Nachbarn aus der Straße. Neben ihm stand Junior in seinem Superman-Kostüm.

Was war passiert? Der Nachbar hatte in einer Wiese neben seinem Grundstück seinen Wohnwagen abgestellt. Junior und sein Freund hatten ein paar Tage zuvor mit etwa handgroßen Steinen auf den Wohnwagen geworfen und neben zahlreichen nicht gerade unsichtbaren Dellen auch ein Loch hinterlassen. In meinem Kopf hörte ich eine alte Registrierkasse rattern und klingeln. Aber nun wollte ich Juniors Version der Geschichte hören.

Sie waren zu viert dort und hielten den Wohnwagen für alt und ohnehin schon kaputt. Die Vier überlegten, was wohl drin sei und versuchten, mit einem Stock die Tür aufzuhebeln. Dies ging natürlich nicht. Zwei verließen das Szenario, einer davon wollte eine Brechstange von zu hause holen, kam jedoch nie wieder. Junior und sein Kumpel entschlossen sich dazu, mit Steinen den Wohnwagen in die Knie und zur Aufgabe zu zwingen. Aber der blieb ungewöhnlich hartnäckig.

Inzwischen habe ich den Wohnwagen gesehen. Er sieht aus, als hätte er in einer belebten Gasse in Beirut gestanden. Neben den Dellen ist mitten auf der Seitenwand der Aufkleber eines Freizeitparks, der notdürftig das Loch verdeckt. Der Nachbar blieb sehr ruhig und war ausgesprochen freundlich. Junior schlug altklug vor, dass man das Loch ja einfach kleben könnte und außerdem wäre der Wohnwagen ja auch nicht mehr der neueste.

Was nun überlegte ich. Wild rumschreien? Tracht Prügel? Drakonische Strafen? Ich blieb erstaunlich ruhig und wir schickten Junior erstmal in sein Zimmer, um in Ruhe alles mit dem Nachbarn zu klären. Danach saßen wir dann zu dritt am Tisch und besprachen genau, was passiert war. Mir war es wichtig, ihm zu erklären, was er da genau gemacht hat. Es ging dabei um Werte, wie man sich gegenüber fremden Eigentum zu verhalten hat. Er sollte erkennen, was für Folgen so ein Blödsinn haben kann (einerseits für ihn selbst aber auch für die in diesem Fall Geschädigten). Er sollte auch erkennen, dass es alles andere als gut ist, unser Vertrauen zu enttäuschen. Er hat im Moment viele Freiheiten, was Verabredungen usw. angeht. Die kann er jedoch nur behalten, wenn man ihm im Gegenzug vertrauen kann.

Am Tag darauf sprachen wir auch noch in großer Runde mit Juniors Freund und seiner Mutter. Auch hier ging es eher darum, das Verhalten der beiden zu hinterfragen und zu erklären, warum das so nicht geht. Mein Vorschlag war es, dass die beiden sich noch beim Nachbarn entschuldigen müssen und sich überlegen müssen, wie ihm eine Freude machen können. Und ich weiß, dass so ein Canossa-Gang alles andere als einfach ist. Insgesamt war es dann schon sehr angenehm, dass diese ganze Diskussion deutlich mehr gebracht hat als wildes Rumschreien. Hoffen wir, dass es was gebracht hat und sämtliche Fahrzeuge der Nachbarschaft nun aufatmen können.