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Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr

Im Grunde steckt ja unheimlich viel Wahrheit in dem obigen Sprichwort. Man muss ja nur mal nachmittags den Fernseher einschalten und das ganze Ausmaß der Tragödie macht sich bemerkbar. Ist man jedoch mit einem Mindestmaß an Verantwortung ausgestattet wie der Autor dieser Zeilen, dann stellt sich das komplett anders dar.

Für mich war eigentlich immer klar, dass ich mal Vater werden will. Meine „Mädchen sind doof“-Phase hatte ich aus dem Grunde schon schnell hinter mir gelassen. Noch heute wird sich mit einer gewissen Ehrfurcht die Geschichte erzählt, wie ich in der Grundschule auf einem Geburtstag bei einem Mädchen – ach was sage ich – DEM Mädchen eingeladen war und meine Mutter aufforderte, mir eine rote Rose als passendes Geschenk mitzubringen. Vielleicht ist hier auch die Ursache dafür zu finden, dass ich mehr verschiedene Unterhosen als Frauen in meinem Leben hatte, weil ich beim ersten Casting schon darauf achtete, ob sie für die Hauptrolle als Mutter meiner zukünftigen Kinder für einen Oscar in Frage kämen.

Wäre ich nicht jung und naiv gewesen, hätte ich vermutlich sowohl eine Hochzeit als auch eine Scheidung weniger in meinem Lebenslauf. Nach so einer Enttäuschung schob ich den Vater-Gedanken erstmal ganz weit beiseite und dachte dann so bei mir „Wenn du schon kein Vater wirst, dann brauchst du dir den ganzen Stress mit den Frauen ja auch nicht antun.“ Inzwischen war ich dann alt und naiv, als mir Missy samt Junior über den Weg liefen. Und da erkannte ich, dass das mit dem Vater werden eben doch sehr schnell gehen kann. Dazu kam der Vorteil, dass die ganzen Baby-Nachteile wie Baby-Kotze auf der Schulter und wildes Geschrei weitestgehend schon angehakt waren. Immerhin war er zu der Zeit schon am Ende seiner Kindergartenzeit.

Junior war in der Lage, sich bei Erinnerung zu waschen, unfallfrei Nahrung zu sich zu nehmen und zielgerichtet zu kommunizieren. Natürlich habe ich mich da schon gefragt, wie das wohl ist, als neuer Kerl in so ein bestehendes Mutter-Kind-Gebilde einzutreten. Zu Anfang war ich der Kumpel. Ein neuer Spielkamerad, mit dem er rumhängen, Pixar-Filme im Kino sehen, ungesundes Essen bei McDonalds zu sich nehmen und Nintendo spielen konnte. Die bösen Worte kamen zu Beginn ausschließlich von Mama. Ich war Kumpel Olly und das war zu der Zeit auch gut so.

Damals haben wir beschlossen, dass alles von allein kommen muss. Wir sprachen öfters über Familien und die verschiedenen Zusammensetzungen, die es da gibt. Und mit der Zeit konnte man dann sehen, dass automatisch so viel mehr als Freundschaft zwischen uns beiden entstand. Es sind die Kleinigkeiten, die so etwas ausmachen. Irgendwann ließ er sich auch von mir trösten, wenn er hingefallen war. Irgendwann fing er an, sich einen Gute-Nacht-Kuss zu holen und irgendwann rutschte ihm mehr aus Versehen ein „Papa“ aus dem Mund. Gegenüber seinen Freunden spricht er heute von „meine Eltern“ und „mein Vater“. In der direkten Anrede bleibt er meist beim persönlichen Olly, was aber absolut OK ist.

Irgendwas muss ich in der ganzen Zeit also doch richtig gemacht haben. Das ist etwas, was man bzw. ich mich immer wieder mal frage. Mein Anspruch an mich selbst war immer, ein guter Vater zu sein, was immer das auch ist. Ich wollte, dass mein Kind immer zu mir kommen kann, also niemals Angst vor mir haben muss. Denn das ist etwas, was ich bei meinen Eltern auch immer konnte, egal wie groß der Berg Mist war, den ich wieder mal gebaut hatte. Und ich fühle natürlich auch immer wieder, dass dem so ist. Aber es ist auch schön, von anderer Seite mal so eine Bestätigung zu bekommen.

In der letzten Woche war Elternsprechtag. Da merkte ich, dass er doch einiges von mir übernommen hat. Seine Klassenlehrerin meinte, dass er ziemlich clever ist und er im Prinzip das Zeug für‘s Gymnasium hat. Er sei aber ein ziemlich fauler, vorlauter Kerl, der deutlich ordentlicher seine Aufgaben machen muss. Vorlaut? Nicht, dass er eine große Klappe nicht auf von der Mama haben kann, aber ein loses Mundwerk kommt mir nur allzu bekannt vor. So etwas in der Art haben meine Lehrer damals wohl auch meinen Eltern gesagt. Und das mit dem faul war zu meiner Schulzeit nicht anders.

Wie auch immer, richtig neu war das natürlich nicht. Als wir rausgingen, kam sie uns noch hinterher und nahm mich beiseite und sagte: „Ich wollte es Ihnen nur mal so sagen, aber für ihn sind sie der Vater, der Papa. Ich wollte nur, dass sie das wissen.“ Und ganz ehrlich, das macht einen dann doch stolz. Ich weiß nicht, ob es schwer ist, Vater zu sein. Es macht aber auf jeden Fall sehr viel Spaß.

Robocop

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Mittags schaue ich meistens die Hausaufgaben von Junior durch. Das Niveau schwankt von katastrophal bis zu herausragend. Heute war es hingegen sehr erheiternd. Es ging in Deutsch darum, dass die Kinder sich eine eigene Erfindung ausdenken sollten. In Aufgabe 1 sollte diese Erfindung gemalt werden. Ich dachte zunächst „Mensch, Clowns gibt es doch schon ewig und wieso hat der sechs Arme“, doch Aufgabe 2, in der die Kinder ihre Erfindung erklären sollten, brachte Aufklärung:

Meine Erfindung hat 6 Arme, 1 Panzer, 2 Kanonen, 2 Schwerter, 2 Feuerschießer, 2 Pistolen und kann zaubern.

OK, an der Stelle war ich mir sicher, an der Erziehung von Junior habe ich definitiv mitgewirkt. Wenigstens bekam er in Aufgabe 3 die Kurve. Dort ging es darum, wofür die Erfindung gut sein sollte: „Meine Erfindung kann der Polizei helfen und Räuber fangen“.

Elternsprechtag

Morgen ist es soweit. Schicksalsstunde für Junior – der erste Elternsprechtag steht an. Er weiß, dass seine Eltern mit seiner Klassenlehrerin reden und es da um ihn geht. Doofe Situation für ein Kind. Da wollen Erwachsene über einen reden. Er geht davon aus, dass da kaum etwas Gutes bei rauskommen kann. Kürzlich beklagte er sich, dass das ja „voll bescheuert“ wäre, dass der Elternsprechtag am morgigen Freitag ist. Auf meine Frage warum entgegnete er, dass sein Geburtstag am kommenden Montag ja dann voll im Eimer wäre. Schließlich würde er ja auch Blödsinn in der Schule machen und das würde dann ja so kurz davor rauskommen.

Ich hab ihn dann erstmal beruhigt. Ich meinte, dass wir ihm schon nicht den Kopf abreissen werden und zwei Jahre Einzelhaft gar nicht so schlimm sind, wie sich das zunächst anhört.

Dialoge mit kleinen Leuten #7

Heute kam Junior von der Schule nach Hause. Sechs Stunden und das in der zweiten Klasse, ganz schön heftiges Programm. Danach ergab sich folgender Dialog:

Junior: Ich hatte heute als einziger 0 Fehler im Diktat.
Olly: Hey, gratuliere, das ist ja richtig gut.
Junior: Nein, das ist voll doof, wenn man da so alleine ist.

Die andere Seite des Tisches, oder wie ich vom Feind zum Freund wurde

Vor Kurzem war es soweit. Juniors Lehrerin hatte zum ersten Elternabend eingeladen. Nach nicht mal einer Woche Schule sollten die Elternvertreter sowie die Konferenz-Beisitzer gewählt werden. Und so saß ich also seit Urzeiten das erste Mal wieder auf einer Schulbank. Ich sah Juniors Platz, wo er täglich Zahlen und “Mu” schreibt. Den Fu, den ich noch kannte, gibt es leider nicht mehr. Das erinnert mich daran, dass es Zeit für eine “Rettet Fu”-Aktion wäre, aber ich schweife ab.

Aus dem Blickwinkel eines Elternteiles verliert so eine Lehrkraft irgendwie jeglichen Schrecken. Schon die Gesprächsebene ist eine ganz andere, geradezu freundlich geprägt. Ich bin nicht mehr der Störenfried von einst sondern jemand, dessen Stimme wichtig ist. Halleluja. Ich genieße das. Übrigens waren von 23 anwesenden Personen nur sechs männlich. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ein Elternabend in einer Grundschule der perfekte Platz ist, um Frauen aufzureißen. Natürlich nur, wenn man Single ist. Ich musste den letzten Satz schreiben, weil die Missy in der Nähe ist.

Es ist schon schrecklich interessant, wie Kinder heute das Schreiben lernen und wie viel Aufwand betrieben wird, damit die Kids auch wirklich gerne in die Schule kommen. Früher hatte das Ganze noch den kargen Charme einer Justiz Vollzugs Anstalt. Inzwischen ist das eher wie ein cooles Ferienlager. Da wird vor Beginn des Unterrichtes noch ein wenig gechilled bevor ein gemeinsames Frühstück abgefeiert wird und Getränke im Klassenraum gereicht werden. Aber das ist bei 24 Kindern wohl auch bitter nötig, damit die Stimmung nicht in Chaos umschlägt.

Bei der Sammlung der potenziellen Kandidaten für die Wahlen kam dann die längst vergangene Schüchternheit wieder auf. Niemand fühlte sich angesprochen, der aufmunternde Blick der Lehrerin änderte nur wenig daran. Ich rutschte so tief in meinem Stuhl runter, wie zuletzt in den seligen Lateinstunden, in die ich immer so unvorbereitet ging, wie eine Jungfrau in der ersten Sexnacht. Und dann wurde gewählt. Fast wie bei der Kommunalwahl mit Schriftführer und Wahlleiter und kleinen Zetteln, auf die unter vorgehaltener Hand Namen geschrieben wurden.

Und kaum war die Wahl zu Ende, wurde die Veranstaltung auch schon wieder aufgelöst. Hier ließ sich wieder wunderschön erkennen, wie ausgeprägt die Eigenschaft Neugier beim weiblichen Geschlecht ist. Die in der Schule zurück gelassenen Hefte der eigenen Kids wurden auf das genaueste untersucht. Kaum war das erledigt, hatte die aufkommende Hektik wirklich etwas von Schulschluss. So schnell wie möglich ab nach Hause.