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Postal

Postal

Ich habe es getan. Ich war so mutig und verwegen, mir das erste Mal einen Film von Uwe Boll anzusehen. Uwe Boll gilt landläufig als Synonym für schlechte Filme und das ist eigentlich auch schon sehr nett ausgedrückt. Es gibt Filme wie Grindhouse, die sich bemühen, nach Trash auszusehen. Bei Uwe Boll ist dies trotz durchaus großer Budgets ohne derartige Bemühungen der Fall.

Mit Postal hat er sich wieder einmal eine Videospieladaption ausgesucht. Nach Alone in the Dark, Bloodrayne und House of the Dead ist nun also der Egoshooter vom Entwickler Running with Scissors an der Reihe. Das Spiel ist in Deutschland nicht sonderlich bekannt, da es relativ schnell auf dem Index für jugendgefährende Medien gelandet ist. Kein Wunder, konnte man im Spiel auf erschossene Opfer urinieren oder Katzen als Schalldämpfer für die zahlreichen Schießprügel einsetzen.

Die Filmumsetzung ist im gleichen Maße politisch unkorrekt, vermag es aber keinewegs das Publikum ähnlich zu schocken wie es das Spiel damals getan hat. Der Postal-Dude ist eine arme Sau. Er bekommt keinen Job und seine fette Frau vögelt durch den gesamten runtergekommenen Trailerpark. Zusammen mit seinem Onkel Dave will er ein großes Ding drehen. Zusammen wollen sie sich die restlichen verbliebenen Exemplare eine Cartoon-Figur unter den Nagel reißen und so zu großem Geld kommen. Was sie jedoch nicht wissen ist, dass eine Gruppe von Terroristen Vogelgrippe-Viren in den Puppen versteckt hat.

Die Eröffnungssequenz macht zunächst Mut. Die Diskussion von zwei Al-Quaida-Piloten darüber, wieviel Jungfrauen sie für ihren Flug in die Twin Tower bekommen würden mit anschließender telefonischer Rückversicherung bei Cheffe Bin Laden, kann noch unterhalten. Danach hangelt sich der Film von einer miesen Zote zur nächsten. Dabei wird keine Gruppe ausgelassen: Schwule, Juden, Behinderte – wirklich alle bekommen möglichst tief unter der Gürtel- und Geschmackslinie ihr fett weg.

Der ganze Film wirkt extrem billig und könnte in ähnlicher Qualität von ambitionierten Hobbyfilmern bei YouTube eingestellt werden. Dort würde ich dann vielleicht noch meinen Hut ziehen. Aber hier wurde richtig gutes Geld verbraten und heraus kommt dann zwar womöglich der beste Film von Uwe Boll, von einem halbwegs passablen Film ist das aber immer noch so weit entfernt wie die Erde von der Sonne. Selten waren Gags platter oder ein Film noch geschmackloser. Erschossene Kinder im Dutzend, blonde Scheiße fressende Sexbomben und die fette Frau, die im Mehl gewälzt werden muss, damit man die feuchte Stelle findet. Das war schon in der Grundschule nicht witzig.

Insgesamt ist Postal ein gutes Beispiel dafür, wie man Produktionsgelder sinnlos verschwenden kann. Mir ist es ein Rätsel, wie der Mann immer wieder Schauspieler und Gelder für seine Filme bekommt. Aber nun habe ich einen Film von ihm gesehen und weiß nun auch wovon ich rede. Einen weiteren werde ich mir also nicht antun müssen.

Infos:

Originaltitel: Postal
Herkunftsland/Jahr: USA, 2007
Länge: 100 Minuten
Kinostart: 18. Oktober 2007
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Uwe Boll, Bryan C. Knight
Darsteller: Zack Ward, Dave Foley, Ralf Möller
Genre: Komödie
Für Freunde von: Trash
Offizielle Webseite
IMDB
Trailer
Rating:

★☆☆☆☆☆☆☆☆☆