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München (Munich)

München (Munich)

Steven Spielberg gehört nicht nur zu den fleißigsten sondern auch zu den erfolgreichsten Regisseuren Hollywoods. Und dabei bleibt er höchst abwechslungsreich. Kaum ist sein SciFi-Katastrophenfilm War of the Worlds verdaut präsentiert er uns mit Munich einem höchst brisanten Stoff, der ihm ähnlich wichtig war wie 1993 Schindlers Liste. Für Spielberg, selbst Jude, ist Munich ein politisch sensibles Thema, bei dem er es geschafft hat keinerlei Partei zu ergreifen und sich zwischen alle Stühle zu setzen. Ein handwerklich exzellenter Thriller kam dabei ebenfalls heraus.

Im September 1972 blickt die ganze Welt nach München. Hier fanden unter dem Motto “Spiele des Friedens und der Freude” die Olympischen Spiele statt. Am Morgen des 5. September 1972 drangen acht Mitglieder der palästinensischen Terrororganisation Schwarzer September in das Olympia-Gelände ein. Sie erschossen zwei Mitglieder der israelischen Delegation und nahmen neun weitere als Geiseln, um 232 Palästinenser aus israelischen Gefängnisse sowie die deutschen Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof frei zu pressen. Bei einer Befreiungsaktion auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck wurden in einem Massaker nicht nur alle Terroristen sondern auch alle Geiseln getötet. Die israelische Regierung entsendet ein Team von Mossad-Agenten, um die Drahtzieher hinter dem Terroranschlag auszuschalten.

Es geht im Film nicht wirklich um das Geiseldrama von München. Es hätte jedes ähnliche Thema auch getan, um die Botschaft des Filmes rüberzubringen. Dabei ist es völlig egal, wie viel von den Erzählungen nach dem eigentlichen Geiseldrama wahr ist und was Fiktion. Der Film zeigt deutlich, dass es eben keine Lösung ist, Gewalt mit noch mehr Gewalt zu bekämpfen, da man sich so nur in einen immer währenden Teufelskreis begibt. Spielberg bezieht hier bewusst keine Position, sondern stellt den Wahnsinn nur dar. Es gibt bei solchen Vorgängen keine Gewinner sondern nur Verlierer und Leid. Diese Entwicklung sieht man sehr schön in der Hauptfigur Avner (Eric Bana), der zunächst blind und zielgerichtet seinen Job macht, ihn aber mit der Zeit in Frage stellt. Er bekommt moralische Zweifel, da ihm niemand Beweise für die Schuld der Personen aufzeigen kann und abseits davon ist er später davon überzeugt, dass man Leute verhaften sollte, die Unrechtes getan haben. Dass sich ein Land nicht falsch verhalten sollte, nur weil es selbst falsch behandelt wurde.

Spielberg liefert einen handwerklich exzellenten Film ab

Spielberg liefert einen handwerklich exzellenten Film ab und setzt dabei auf sein eingespieltes Team. John Williams liefert einen einprägsamen Soundtrack, Janusz Kaminski fängt die bewegenden Bilder souverän wie immer ein. Dem Team ist es gelungen, die 70er Jahre so authentisch zurück ins Leben zu holen, dass man zwischenzeitlich nicht mehr erkennt, welche Szenen echtes Archivmaterial und welche neu gedreht sind. Zeitweise hat man das Gefühl eine Dokumentation über die Geschehnisse zu sehen. Die Schauplätze in den anderen Ländern wirken dazu passend stets authentisch. Darüber hinaus gibt es eine bis in die letzte Nebenrolle stimmige Besetzung, ohne mit großen Namen zu hausieren.

Spannung bezieht Munich aus der Erzählweise. Die einzelnen Attentate auf die flüchtigen Drahtzieher werden von langer Hand geplant und man ist quasi live dabei. Man nimmt teil an den Diskussionen über Recht und Unrecht, eventuelle Zweifel und Vorbehalte. Zwischendurch werden in Rückblenden weitere Geschehnisse des Geiseldramas gezeigt, die teilweise in ihrer Brutalität bis an die Schmerzgrenze gehen. Dazu passend ist jedoch auch das Treiben der Mossad-Agenten nicht minder brutal und richtet grausame Szenen an. Munich ist ohne Zweifel keine leichte Kost. Was bleibt am Ende? Die Erkenntnis, die wir mit der Hauptfigur teilen. Dass nichts besser wurde, sondern letztlich nur weitere Steine in einem großen Gewalt-Domino umgeworfen wurden.

Fazit: Spielberg ist zurück auf ernstem Terrain mit einer überzeugenden Arbeit, die viele komplizierte Fragen stellt und alles andere als einfache Antworten dafür hat.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

Glaube nur das, was du selbst gefälscht hast

Zum wiederholten Male haben US-Politiker durch Mitarbeiter unliebsame Details aus der entsprechenden Biographie entfernen lassen. In den letzten sechs Monaten soll es über 1.000 solcher Änderungen gegeben haben. Daraufhin wurde nun der US-Kongress vorerst für eine Woche ausgesperrt, Änderungen von dort können nicht mehr vorgenommen werden. Durchaus richtig, dass Wikipedia gegen solche Verstöße gegen die Grundrichtlinien vorgeht.

Es ist schade, dass ein derartig sinnvolle Einrichtung wie Wikipedia so torpediert wird und zugleich öffentliche Mittel vergeudet werden für so eine Schlammschlacht. Richtig dagegen vorgehen kann man ja kaum. Zur Not ändern die Mitarbeiter das dann von zu Hause oder via Proxy, das ist ja vergleichbar mit dem Kampf gegen die Windmühlen durch Don Quichote. Und auf Einlenken und Einsicht kann man da ja kaum hoffen.
Ich bin mal gespannt, wie das weitergeht.

Mehr Infos dazu bei Netzeitung und Golem.

Kein Mensch ist frei von Sünde, aber es ist auch kein Mensch so voller Sünde, dass er nichts mehr wert wäre

Nun wurde wieder jemand in den USA für ein Kapitalverbrechen hingerichtet. Mir ist im Prinzip egal, um wen es sich dabei handelt und was er auch immer getan haben soll oder hat. So etwas darf heute nicht mehr passieren. Die Todesstrafe ist ein barbarisches Instrument, das in die Steinzeit gehört. Dass Gouverneur Schwarzenegger den Verurteilten nicht begnadigt hat, wundert mich nicht einmal. Er ist Politiker und verfolgt dabei natürlich vor allem ein Ziel: Die Wiederwahl. Und wenn man das in Kalifornien möchte, dann hält man sich am besten an das, was die Mehrheit dort will. Und zumindest bei den Wahlmännern ist das zum überwiegenden Teil eben die Todesstrafe, so bitter das auch ist.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass sich so einfach argumentieren lässt, so lange man nicht selbst betroffen ist. Ich kann die Angehörigen der Opfer verstehen, die nach Vergeltung und angemessener Bestrafung verlangen. Ich bin da ganz ehrlich. Als Angehöriger eines Mordopfers zum Beispiel würde bei mir sicher auch der Wunsch entstehen, es dem Täter mit gleicher Münze heim zu zahlen. Ich bin auch davon überzeugt, dass man nicht jeden Täter resozialisieren kann. Aber genau aus diesem Grund entscheiden eben keine Angehörigen über so etwas, sondern Leute, die eigentlich unparteiisch sein sollten. Und über all dem steht die grunsätzliche Frage, ob dies alles einer Gesellschaft das Recht gibt, ein anderes Leben auszulöschen? Ich denke nicht. Wie will man durch einen Mord anderen Menschen erklären, dass ein Mord böse ist und niemals eine Lösung für ein Problem?

I just don’t see the sense of killing people to say that killing people’s wrong.

In einem Artikel las ich, dass man zehn Minuten vergeblich versucht hat, dem Täter einen Zugang für die Todesspritze zu legen. Ich selbst war schon oft bei Blutabnahmen und mich nervte es tierisch, wenn das nicht klappte. Was muss das für ein Gefühl sein, wenn man weiß, dass man eben nach diesem Problem nicht ein paar Tropfen Blut verliert, sondern das eigene Leben. Ich will jetzt kein Mitgefühl oder Mitleid für diesen Mann empfinden oder aufbauen. Er mag vermutlich wirklich mehrere Menschen getötet haben. Dafür hätte er auch gerne bis an sein Lebensende hinter Gittern sitzen können. Ihm sein Leben zu nehmen mag nach Kalifornischem Gesetz vielleicht rechtens sein, ist aber zumindest unmenschlich und moralisch falsch.

Und wenn ich nun lese, dass er für den Friedensnobelpreis nominiert war und sich gegen Bandenkriminalität eingesetzt hat, was heißt das schon? Für den Friedensnobelpreis wurde meines Wissens nach auch George Bush nominiert und engagiert hat er sich vielleicht auch nicht aus Überzeugung sondern vielleicht eher auf Anraten seiner Anwälte. Das maße ich mir auch nicht an beurteilen zu können. Was ich jedoch weiß ist, dass dieser Mann nicht hätte sterben dürfen. Und dass das heute offenbar noch so viele Menschen anders sehen stimmt mich ehrlich gesagt traurig.

What he was involved with was evil. I don’t condone it. I just don’t see the sense of killing people to say that killing people’s wrong. – Sister Helen Prejean in Dead Man Walking

Bericht aus Berlin

Wie mir der Pförtner des Kanzleramtes vorhin im Vertrauen verraten hat, soll sich Gerhard Schröder heute morgen mit einem beträchtlichen Currywurst-Vorrat an seinen Bürostuhl gekettet haben. Als ich meine Ohren spitzte konnte ich ein leises, gewimmertes “Ich geh hier nicht weg” hören.

Aus dem CDU-Lager wurde mir zugetragen, dass die Ministerpräsidenten Koch und Wulff versuchen, die Seile der Marionette Merkel durchzuschneiden. Puppenspieler Stoiber ist darüber nicht amused und drohte damit, bei der nächsten Bundestagswahl als Spitzenkandidat der dann allein antretenden CSU anzutreten. Unter Umständen würde er auch einen Mauerbau rund um Bayern in Betracht ziehen.

Es bleibt also spannend.

Sind wir nun Kanzler oder nicht?

Gestern Abend sahen wir zwei klare Sieger im Fernsehen, die sich beide auf peinlichste Weise als Sieger feierten, obwohl doch die Fakten glasklar auf dem Tisch liegen. Die CDU/CSU war unter besten Voraussetzungen angetreten, einen Regierungswechsel herbeizubringen, der ja eigentlich vom Volk gewünscht war (so schien es) und von der Gegenseite durch die Vertrauensfrage erst möglich gemacht wurde. Durch eigene Unfähigkeit, dem Wähler das eigene Programm schlüssig verkaufen zu können, verspielte man dort den eigentlich sicheren Vorsprung.

Das Hauptproblem der CDU ist denke ich eine Frau an der Spitze, die niemand wirklich als Kanzlerin dieses Landes sehen will. Nicht, weil sie eine Frau ist oder weil sie aus dem Osten kommt, sondern weil sie einfach die schlechtere Wahl in den Augen vieler Leute ist. Man mag über Gerhard Schröder denken, was man will, aber er kann sich zumindest darstellen und versprüht dabei ein gewisses Charisma. Dies sah man gestern Abend sehr schön in der “Elefantenrunde” sah, wo sich Schröder zwar unter aller Sau benahm, aber Frau Merkel eben absolut hilflos aussah. Nach Schröders provokanten Aussagen schaute sie angeschlagen zum Fraktionskollegen Stoiber hinüber als wollte sie sagen “Ede, tu was, so darf der doch nicht mir reden, oder?”.

“Ede, tu was, so darf der doch nicht mir reden, oder?”

Wie Oliver Kahn es zu sagen pflegte, in solchen Situationen sind eben Eier gefragt, und die kann die CDU/CSU eben nur in die Waagschale werfen, wenn Frau Merkel dem Kollegen Stoiber in den Schritt fasst. Ist Schröder nun die bessere Wahl? Ich weiß es nicht. Die SPD hat zwar enorm aufgeholt, wenn man die bescheidene Ausgangslage betrachtet, aber eben auch ein katastrophales Ergebnis hingelegt und die Regierungsmehrheit zusammen mit den Grünen verloren. Da darf man sich durchaus fragen, welcher Teufel ihn geritten hat, gestern siegesgewiss davon auszugehen, dass es nur mit ihm als Kanzler weitergehen kann.

Auf jeden Fall wird es zähe und schwierige Verhandlungen geben. Jegliche Ampelkoalitionen kommen vermutlich nicht zum Tragen, da die jeweils kleinste beteiligte Partei schon weit ab des eigenen Programms operieren müsste. Kann man dies den eigenen Wählern zumuten ohne sein eigenes Gesicht zu verlieren? Bleibt eigentlich nur eine große Koalition, bei der im Moment beide aber den Kanzlerposten für sich beanspruchen. Wie man sehr schön sieht, haben beide Parteien sehr schnell wieder vergessen, dass es eigentlich um das Wohl des Volkes geht. Denn offenbar hat das Volk diese Situation so gewünscht und damit ist es Aufgabe der Parteien, das Beste daraus zu machen und eventl. auch mal die eigenen Interessen hinten anzustellen.

Es ist offenbar noch nicht im Kopfe der renommierten Parteien angekommen, dass es vielleicht nicht immer eine klare Regierungsmehrheit in einer Demokratie geben kann. Das ist ja eigentlich das Schöne an demokratischen Wahlen. Die schon vor der Wahl ausgesprochenen Koalitionsabsagen sollten daher eigentlich hinten anstehen. Natürlich will die FDP nicht mit den Grünen an einem Tisch sitzen, doch was bleibt angesichts der aktuellen Lage anderes übrig? Die Wunschvorstellungen der Parteien gab es nun mal nicht. Und das letzte, was das Land nun gebrauchen kann, wären nochmalige Neuwahlen. So nicht meine Damen und Herren. Sie haben sich die Suppe eingebrockt, nun löffeln sie diese bitte auch selbst aus. Um das zu können, muss man eben auch mal über seinen eigenen Schatten springen. Viel Glück dabei!