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Und schon wieder winkt das Verbotsschild

Ich mache mir gerade ernsthafte Gedanken darüber, was so an Qualifikation von einem handelsüblichen Innenminister erwartet wird. Bei Welt Online habe ich heute Nachmittag gelesen:

Die Innenministerkonferenz hat sich auf ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot von sogenannten Killerspielen verständigt. Der Beschluss ist nach Informationen von WELT ONLINE eine Reaktion auf den Amoklauf von Winnenden. Das Verbot soll so schnell wie möglich umgesetzt werden.

Da muss ich doch mal ganz stark und innig seufzen. Und natürlich ist ausgerechnet einer der Antreiber ausgerechnet Uwe Schünemann aus meinem Heimatbundesland Niedersachsen. Sorry, aber ich kann da echt nichts dafür, ehrlich.

Ich könnte mich jetzt auch zurecht aufregen oder einen Vergleich zum damaligen Auftrittverbote von Elvis Presley ziehen. Klar könnte man jetzt auch wieder eine Petition starten bzw. mit zeichnen, aber das Ganze hat vermutlich ohnehin ähnlich hohe Erfolgsschancen wie die letzten Versuche zu dem Thema oder kürzlich der Versuch Paintball verbieten zu wollen. Warum das Ganze ohnehin nichts bringt und lediglich in Bezug auf Stimmenfang zum Wahlkampf taugt:

  1. Digitale Medien lassen sich nicht verbieten. Sie bekommen daher im Gegenteil einen besonderen Reiz und landen dann eben illegal auf den Rechnern von Jugendlichen.
  2. Was ist eigentlich ein Killerspiel? Die Phrase wird immer und immer wieder gedroschen, aber wie soll das rechtlich einstufbar sein? Wenn ich meinen Sim in Die Sims schlecht behandle kann der auch sterben. Ist Die Sims dann ein Killerspiel?
  3. Wenn wir davon ausgehen, dass Killerspiel=Egoshooter ist, dann kommen die in der Regel (Crytek mal ausgenommen) nicht aus Deutschland und betreffen ohnehin nur einen kleinen Teil des Marktes und haben dann auch zurecht eine rechtlich bindende Altersfreigabe ab 18 Jahren oder eben nicht mal diese und kommen dann in der Regel auch gar in Deutschland auf den Markt.

Ich bin es echt so etwas von Leid.

Debatte zum „Killerspiele“-Verbot

Bayerns Innenminister Beckstein bekommt harsche Kritik von seinen Kollegen bezüglich seines Vorstoßes zum Verbot von so genannten „Killerspielen“. Becksteins Ziel war es, den Paragraphen 131 des Strafgesetzbuches zu verschärfen. Monika Griefahn von der SPD meinte dazu „Mir ist nicht klar, was er noch zusätzlich will. Der gegenwärtige Paragraph 131 deckt alles ab, er reicht aus.“ Immerhin wurde der Paragraph bereits nach dem Amoklauf von Erfurt überarbeitet.

Noch treffender das Zitat von Grietje Bettin, medienpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag. Sie meinte dazu: „Becksteins Pläne packen die wahren Ursachen für schreckliche Amokläufe wie den von Emsdetten nicht bei der Wurzel. Wie kam der Täter an echte Waffen? Wie konnte dieser junge Mensch einen solchen Hass entwickeln? Welche Sensoren und Frühwarnsysteme brauchen wir, um gefährdete Jugendliche aus sozialer Isolation herauszuholen?“

Auch die FDP zeigt sich alles andere als begeistert. Hans-Joachim Otto, Medienexperte der FDP-Bundestagsfraktion bezeichnete Becksteins Forderung als „undifferenzierten, naiven Rundumschlag“. Er berfürchtet ferner die Kriminalisierung von jugendlichen und erwachsenen Computerspielern sowie Herstellern und Vertreibern. Außerdem besteht die Gefahr, dass solche Verbote schnell in unzulässiger Zensur münden.

Diese ganze Diskussion ist doch ebenso sinnfrei wie ein Arschloch am Ellenbogen. Wir haben rechtsverbindliche Altersfreigaben bei Computerspielen. Vielleicht sollte man einfach mal kontrollieren, ob der Handel sich an diese Abgaben hält. Absolut brutale Spiele erhalten erst gar keine USK-Freigabe und werden daher nicht in Deutschland vertrieben. Eltern sollten sich außerdem damit befassen, was ihre Kinder da eigentlich an ihren Computern treiben. Es kann ja nicht im Sinne des Erfinders sein, dass Kinder vor die Geräte als Beschäftigungstherapie abgeschoben werden, um sie ruhig zu stellen.

Es kann doch nicht ernsthaft richtig sein, dass ich einen Zombie Schocker wie Dawn of the Dead ganz normal bei Amazon kaufen kann, einen Egoshooter wie Gears of War hingegen – obwohl ich volljährig bin – nur über den Import oder illegale Kanäle bekommen kann. Ich stimme natürlich zu, dass beides nicht in Kinder- oder Jugendhände gehört. Aber ein Verbot ändert eben nichts daran, dass es dahin trotzdem kommt.