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Nothing but the truth

nothingSeit ich meinen Kino-Konsum von zwei bis drei Mal die Woche auf ein absolutes Minimum konzentriert habe, konzentriere ich mich wieder mehr auf Perlen auf DVD- und blu-ray. Immer wieder entdecke ich dort ein paar echte Highlights, die entweder gar nicht oder erst sehr viel später ins Kino kommen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist „Nothing but the truth“ aus dem Jahre 2008. Der Film ist inzwischen in den USA auf DVD raus, für Deutschland ist wohl noch ein Kinostart für 2009 geplant, eventuell.

Der Film wurde inspiriert vom Fall der für die New York Times arbeitenden Journalistin Judith Miller, die 85 Tage in Beugehaft gesessen hat, weil sie ihre Quelle im Rahmen der Plame-Affäre nicht öffentlich machen wollte. In dieser Affäre wurde die Geheimdiensttätigkeit einer amerikanischen Diplomatenfrau im Umfeld des Irak-Krieges öffentlich gemacht. In den USA stellt der Verrat einer solchen Geheimdienst-Tätigkeit ein schweres Verbrechen dar, das nach Ansicht der Politik über der Pressefreiheit zu stehen hat.

Wer jetzt jedoch ein politisches Katz-und-Maus-Spiel erwartet, wird bitter enttäuscht werden. Die ganze Rahmenhandlung um eine Journalistin, die ihren Informanten schützen will, ist die Grundlage für ein emotionales Drama über die beteiligten Personen. In der Hauptrolle sehen wir Kate Beckinsale als Reporterin Rachel Armstrong. Es handelt sich dabei um die gleiche Kate Beckinsale, die sich in hautengen Hosen sexy durch die Underworld-Kulissen bewegt oder mit schmachtendem Blick in Pearl Harbor hinter Ben Affleck her schaut.

Im Film deckt sie (und hier haben wir die Parallele zur Plame-Affäre) die Identität einer geheimen CIA-Agentin auf. Der ehrgeizige Staatsanwaltschaft DuBois (Matt Dillon) wird eingesetzt um herauszufinden, wer diese geheimen Informationen illegaler Weise weitergegeben hat. Rachel Armstrong verweigert die Herausgabe dieser Information, um ihre Quelle und allgemein journalistische Prinzipien zu schützen. Um Druck auszuüben landet Rachel in Beugehaft.

Danach geht es um die Fragen, ob sie die Quelle preisgeben wird, ob sie von anderen (u.a. ihrem Arbeitgeber) unterstützt wird und wie lange sie dies alles aushalten kann, da sie sowohl von Ehemann als auch Kleinkind getrennt ist. Ich fand es extrem ergreifend, wie diese Frau im Film alles opfert, nur um ihren Prinzipien treu zu bleiben und sich für das einzusetzen, an was sie glaubt. Dass später noch ein weiterer Grund für ihr Handeln offenbart wird, macht das Ganze dann noch plausibler.

Ihr Engagement mag zunächst verständlich und normal erscheinen, spätestens jedoch als die Ehe und die Beziehung zum Sohn auf dem Spiel stehen, tut es richtig weh, dem Treiben noch weiter zuzusehen. Rachel steht dann vermeintlich als Karrierefrau da, die ihren Job über ihre Familie stellt. Ihr gegenüber steht ein Staatsanwalt, den man nur zu leicht als Feind ausmacht. Objektiv gesehen, macht er jedoch nur seinen Job.

Im weiteren Verlauf möchte man am liebsten laut „Halt!“ schreien, so eindringlich spielt Beckinsale eine am Ende fast zerbrochene Frau. Die Begegnungen mit ihrem Mann, die am Anfang noch voller Liebe und Vertrauen stecken, sind am Ende nur noch distanzierte Pflicht. Die Treffen mit dem inzwischen völlig verfremdeten Sohn gehen extrem unter die Haut. Beckinsales Performance ist absolut überzeugend, etwas, dass ich ihr so gar nicht zugetraut hätte. Sie wirkt auf der einen Seite überzeugt und zielstrebig auf der anderen Seite jedoch auch zweifelnd und verletzlich. In den Nebenrollen überzeugen Matt Dillon als Staatsanwalt, Angela Bassett als Herausgeberin, David „Friends“ Schwimmer als Ehemann, Vera Farmiga als aufgeflogene CIA-Agentin Erica Van Doren und ganz besonders Alan Alda als Washingtoner Star-Anwalt. Gerade letzterer macht eine gute Entwicklung im Film durch vom arroganten Wichtigtuer zum verständnisvollen Vertrauensmann.

Das Script zu Nothing but the truth stammt aus der Feder von Rod Lurie, der unter anderem die leider zu unrecht gefloppte TV-Serie Command in Chief zu verantworten hat. Ihm ist es gelungen eine mitreißende Geschichte zu erzählen. Dazu kommt ein tolles Ende, das sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird, meiner Meinung nach aber wirklich optimal für diesen Film ist. Mir ist völlig unverständlich, warum dieser Film nicht erfolgreich im Kino lief, denn ein Dasein als „Direct to DVD“-Vermarktung hat er wirklich nicht verdient.

Rating:

★★★★★★★★☆☆