Skip to main content

Bayrische KJM stellt Indizierungsantrag für Gameware.at

gamewareWas seht ihr, wenn ihr auf das kleine Bild rechts klickt? Ich zumindest sehe dort die Webseite eines österreichischen Online-Shops, der sich auf Video- und Computerspiele spezialisiert hat. Das ist aber nur eine mögliche Betrachtungsweise. Die Bayrische Kommissionb für Jugendmedienschutz (KJM) sieht das völlig anders und hat bei der BPjM einen Antrag auf Indizierung des Shops gestellt. Die Vorwürfe? Ich zitiere jetzt einfach mal aus dem PC Games vorliegenden Schreiben:

Die Inhalte legen nahe, dass die Gewalthandlungen im Rahmen der Spiele häufig selbstzweckhaft sind und zudem in einem positiven Kontext gestellt werden. Das vorliegende Internetangebot stellt das Ausspielen und Anwendn dieser Gewalttätigkeiten im späteren Spiel in den Vordergrund der inhaltlichen Zusammenfassung und nutzt diese somit zur Bewerbung des jeweiligen Spiels.

Dazu kommen Vorwürfe wie „sozial-ethische Desorientierung“, „Verrohung Heranwachsender“ und „nachhaltiger Empathieverlust“. Nüchtern betrachtet hat der Shop Spiele im Angebot, die nur in die Hände von Erwachsenen gehören und in Deutschland nie erschienen sind (wie z.B. Prototype). Der österreichische Shop hält sich dabei logischer Weise an österreichische Gesetze. In Österreich wird das Thema Jugendschutz lockerer gehandhabt als in Deutschland. In der Theorie könnte in der Tat ein deutscher Teenager sich dort ein für ihn nicht geeignetes Spiel kaufen und z.B. via PayPal bezahlen. Die Betreiber machen es sich hier meiner Meinung nach recht einfach, da sie die Verantwortung auf den Kunden abwählen. In den Kommentaren heißt es dazu zum Beispiel „der titel ist als 18er bewertet und wir gehen davon aus dass unsere user sich korrekt verhalten“. Zudem sind auch in Deutschland indizierte oder gar beschlagnahmte Titel im Angebot des Händlers.

Was hat eine Indizierung für Folgen? Indizierte Medien dürfen Kindern und Jugendlichen weder verkauft noch überlassen werden. Werbung dafür ist nicht mehr möglich. Eine Nennung des Titels (in diesem Falle der Shop) ist ebenfalls nicht mehr möglich, da dies leicht als Werbung ausgelegt werden könnte. Bei Webseiten gibt es eine wenig bekannte Sonderregelung. Indizierte Webseiten werden nicht im BPjM-Report gelistet. Suchmaschinenbetreiber wie Google haben sich dazu verpflichtet, indizierte Webseiten aus ihrem Index zu löschen. Abseits davon hat die Indizierung für Gameware keine Folgen. Der Versand läuft weiter wie bisher, eben auch nach Deutschland. Und hier zeigt sich meiner Meinung nach, dass es keinen Sinn macht, dass das Thema Jugendschutz nicht mal auf europäischer Ebene angegangen wird. Da müssen eben einfach mal alle an einem Strang ziehen, gerade in dieser Zeit, wo die Welt immer enger zusammen rückt.

Ich finde es nicht gut, dass Jugendliche so relativ einfach an nicht für sie geeignetes Material kommen können. Rechtlich bindende Altersfreigaben sind sinnvoll und nötig. Rechtlich bindende Alterfreigaben machen jedoch nur dann Sinn, wenn sie nicht an den eigenen Landesgrenzen aufhören. Ich finde es ebenfalls nicht gut, dass einige, wenige Spiele in Deutschland gar nicht auf den Markt kommen. Gerade in Zeiten von rechtlich bindenden Altersfreigaben ist es völlig sinnfrei, Spiele für Erwachsene aus Jugendschutzgründen nicht zu veröffentlichen. Dazu gibt es immerhin die Freigabe „ab 18 Jahren“. Und ja, ich bin auch dafür, dass es Spiele gibt, die es besser nicht geben sollte. Das sind eben die Art Spiele, die z.B. gegen §131 StGB verstoßen (Verharmlosung oder Verharmlosung grausamer bzw. unmenschlicher Gewalttaten gegenüber Menschen).

Was bringt nun diese Indizierung? Absolut gar nichts. Der Shop hat bei der entsprechenden Zielgruppe ohnehin ein entsprechendes Standing und bekommt jetzt noch gratis PR ab.

Disclaimer: Ich bin und war nie Kunde von Gameware und weiß nicht, ob ich dort zukünftig kaufen würde. Dieser Artikel entstand aus freien Stücken, ohne dass mir dafür irgendwas geboten wurde.