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Wird aus virtueller Aggression reale?

Sehr interessanter Artikel in der TAZ zum Thema „Gewalt in Computerspielen„. Klar, das Thema kann keiner mehr hören, ist aber gerade in der heutigen Zeit extrem wichtig. Forscher der Uni Tübingen haben im Jahre 2006 Jugendliche (Alter 12 Jahre) u.a. befragt, wann sie ihren ersten Horrorfilm gesehen und wie viel sie Computer- und Videospiele konsumieren. Günter Huber, Professor an der Uni Tübingen und Leiter der Studie, nennt die Ergebnisse „erschreckend“:

Schon Sechsjährige sehen sich Gewaltvideos an, mit zwölf beschäftigen sich einige mehr als fünf Stunden täglich mit Computerspielen

Wunder mich nicht. Gewaltvideos (wobei hier die Definition offen ist) kamen bei mir etwas später, Computerspiele habe ich sicherlich auch nicht ganz so exzessiv gespielt als Kind. Das sich das in der heutigen Zeit jedoch verschiebt, wundert mich nicht. Aber weiter im Text. Die Studie wurde dieses Jahr wiederholt mit dem Anhang, wie Jugendliche in Konfliktsituationen über den Gebrauch von Gewalt entscheiden würden. Günter Huber zum Ergebnis:

Die Kinder werden durch die Gewalt quasi konditioniert. Virtuelle Aggression bewirkt auch reale Aggression

Auch das wundert mich nicht. Natürlich hat der übermäßige und einseitige Genuss solcher Medien Auswirkungen, die alles andere als gut ist. Das Problem ist jedoch nicht das Medium an sich, sondern wie man Jugendliche dabei begleitet. Ich habe es nur allzu oft erlebt, wie Eltern Kinder an Geräte abschieben (TV, Computer usw.) damit sie ihre Ruhe haben. Spontan fällt mir eine junge Mutter ein, die ihre beiden Zwillinge (keine 2 Jahre) vor dem TV parkt, weil sie sonst anfangen zu schreien. Wo dran das wohl liegt? Wenn sie von klein auf daran gewöhnt werden ist das ja auch kein Wunder.

Dazu passt sehr gut die Aussage von Winfried Kaminski, Professor an der Fachhochschule Köln:

Computerspiele gehören längst zur normalen Sozialisation der Kinder, sie sind zu Facetten des Alltags geworden. Eltern können meist mit Computerspielen nichts anfangen, sie stehen ratlos vor ihren daddelnden Kindern

Und das ist das Kernproblem. Eltern müssen sich zwangsläufig mit den neuen Medien auseinander setzen und können diese Verantwortung nicht in die Hände des Gesetzgebers legen. Niemand hat gesagt, dass „Eltern sein“ nur großer Spaß ist. Konsum in Maßen und vor allem Diskussion über das Wahrgenommene sind der Schlüssel zum vernünftigen Umgang mit Computerspielen und ähnlichen Medien.

Stigma Videospiele

Immer wieder gibt es TV-Sendungen, die sich dem Thema Computer- und Videospielen widmen. Vor allem immer dann, wenn es mal wieder einen schockierenden Amoklauf gegeben hat. Objektivität kann man da kaum erwarten, aber wie manipulativ Medien mit dem Thema dann umgehen ist schon schockierend. Dabei ist es egal, ob es sich dabei um Panorama, Hart aber Fair, Kontraste oder Frontal 21 handelt. Und es ist auch egal, ob ein privater oder ein öffentlich-rechtlicher Sender die ausstrahlende Plattform ist. Matthias Dittmayer hat einige Beiträge zusammen geschnitten und analysiert sachlich-nüchtern alle manipulativen Lügen verdrehte Tatsachen Unzulänglichkeiten. Und so etwas nennt sich dann Journalismus? (via)

YouTubeDirektWahnsinn