Meine Meinung über Jürgen Klinsmann

Vorab sei gesagt, dass ich mich mal mehr und mal weniger für Fußball interessiere. Meine Vorliebe gilt seit Kindesbeinen dem FC Bayern München. Da ich seit etwa einem Jahr kein Premiere mehr habe, verfolge ich den Deutschen Fußball eher als Leser. Die Entscheidung, Jürgen Klinsmann zum FCB-Coach zu machen, fand ich damals extrem überraschend und absolut nicht nachvollziehbar. Aber nun zum Thema.

Am Mittwochabend war Jürgen Klinsmann bei Stern TV und wurde von Günter Jauch interviewt. Es ging natürlich um seine Entlassung beim FC Bayern München und da tat Klinsmann wieder das, was er am besten kann: Sich selbst gut darstellen. Wie immr werden alle Fehler anderen zugeschoben, das einzige Eingestehen eigener Schuld war im Prinzip auch eher die Schuld von anderen “mein Fehler war, dass ich mich habe überreden lassen”. Und seine Argumente klingen auf mich alles andere als plausibel:

Jürgen Klinsmann behauptet, er wäre mit der Mannschaft noch Meister geworden.

Mal ganz davon abgesehen, dass es sich dabei um ein klassisches Totschlag-Argument handelt: Daran glaubt doch wirklich niemand. Wie im heutigen Kicker zu lesen ist, sagen Spieler wie Ribery, dass mit einem Trainer Heynckes die Meisterschaft für München schon längst klar wäre. Ein alter Spruch ist, dass der Angriff Spiele gewinnt, die Verteidigung jedoch Meisterschaften. Die Rekord-Abwehr des letzten Jahres hat unter Klinsmann jede Sicherheit vergessen lassen, sicher ein Opfer des Offensiv-Wahns Klinsmanns.

Jürgen Klinsmann hätte auf Kader-Verstärkungen bestehen sollen

Eine sehr merkwürdige These. Ich glaube, dass Ottmar Hitzfeld mit nahezu dem gleichen Kader das Double in Deutschland geholt hat. So schlecht kann der Kader ja kaum sein.

Jürgen Klinsmann spricht Lukas Podolski die Qualitäten ab

Kurios, dass seit dem Rauswurd ausgerechnet Poldi der Spieler der Stunde ist und quasi wie ausgewechselt spielt. Statt auf Poldi zu setzen versuchte Klinsmann gegen alle Zweifel seinen Spezi Donovan durchzudrücken, der alles andere als gut ausgesehen hat.

Jürgen Klinsmann behauptet, dass die Spieler traurig und geschockt anlässlich seiner Entlassung waren

Mir kommen gleich die Tränen. Auch hier verweise ich mal auf den Kicker von heute. Luca Toni drohte mit seinem Abgang, wenn Klinsmann weiter Trainer bleiben würde. Lahm stellt ein deutlich verbessertes Defensiv-Verhalten fest und van Bommel war einer der ersten, der dem Vorstand signalisierte, dass es mit dem Trainer Klinsmann nicht gehen würde.

Jürgen Klinsmann und das Jesus-Bild in der TAZ

Hier hat Klinsmann alles andere als Größe gezeigt. Er meint, dass er seinen Kindern das kaum erklären kann, wenn die auf das Bild in der Schule angesprochen werden. Klinsmann ist eine Person des öffentlichen Lebens und muss mit solcher Satire leben können. Und ich denke, dass man Kindern auch erklären kann, dass es sich dabei um einen Scherz handelt, das verstehen auch kleine Kinder.

Das unwürdige Spiel der Medien

Und hier hat er wirklich mal Recht. Das, was die Medien in den letzten Monaten abgezogen haben, allen voran natürlich die Bild, war wirklich unwürdig.

Jürgen Klinsmann bleibt in München wegen der Familienwurzeln

Ich weiß nicht, was der wahre Grund für seinen Verbleib in München ist. Aber so lange sein Vertrag nicht aufgelöst ist, kann er ja kaum aus München weg. Wenn man sich seine Vita so anschaut dürfte klar sein, dass er so eine Abfindung kaum verschenken wird.

Was ich über Jürgen Klinsmann denke

Jürgen Klinsmann war ein efolgreicher Fußballer. Er war nicht mit viel Talent gesegnet sondern hat sich seine Erfolge akribisch erarbeitet. Schon als Spieler war Klinsmann eher ein Einzelgänger, der sich gut zu verkaufen wusste, medial wie finanziell. Seine Rolle beim Sommermärchen halte ich für immens überschätzt. Es ist ein offenes Geheimnis, dass den Großteil des Erfolges sicherlich Joachim Löw zuzuschreiben ist. Klinsmann war das motivierende Gesicht, dass sich einfach besser verkaufen ließ. Jürgen Klinsmann beim FC Bayern München war ein riesiger Fehler der Verantwortlichen. Ich bin sicher, dass Uli Hoeness die Entscheidung damals mitgetragen hat, aber alles andere als glücklich war. Jürgen Klinsmann ist nicht gescheitert, weil ihm keiner den Erfolg gönnte, sondern weil er selbst den Mund viel zu voll genommen hat. Und da muss er sich eben an seinen eigenen Vorgaben messen lassen, an denen er glanzlos gescheitert ist.

DirektKlinsmann

Krimineller Fussballabend

Nach langer Abstinenz stand heute mal wieder Fussball auf dem Programm. Das Rückspiel der Champions League zwischen Real Madrid und dem FC Bayern München. Kaum auf dem Sofa Platz genommen stand es auch schon 1:0 für die Bayern, Rekord für die Champions League, es waren glaube ich gerade mal 10 Sekunden gespielt. Danach plätscherte das Match so dahin und die latente Müdigkeit forderte ihren Tribut. Pünktlich zur Halbzeit riss mich der Pfiff des Schiedsrichters aus meiner Innenbetrachtung.

Frisch gestärkt startete auch ich die zweite Halbzeit, die ein echter Krimi werden sollte. Eine spielerisch spanungsarme Partie nahm ihren Wendepunkt, als Lucio nach einer Standardsituation das 2:0 für den FC Bayern machte. Prima, ein Bein im Viertelfinale. Aber die Bayern mussten es natürlich wieder spannend machen. Der quirlige, eingewechselte Robinho holte einen Elfer raus, der nach einem kleinen Tumult bei dem van Bommel und Diarra vom Platz gestellt wurden von van Nistelroy sicher verwandelt wurde. Danach begann das große Flattern, Real bekam Oberwasser. In der 90. Minute fiel ein Tor für Real, das aber vorher aufgrund Handspiels zurecht abgepfiffen wurde. Ganze vier Minuten Nachspielzeit gab es ontop, meine Handinnenflächen waren lange nicht mehr so schwitzig.

Zum Ende durfte Olli Kahn nochmals alle Emotionen rauslassen und dann wurde auch endlich abgepfiffen. Das Viertelfinale ist geschafft, endlich mit deutscher Beteiligung.