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Amoklauf in Emsdetten: Computerspiele sind Schuld

Nun geht es wieder los. Nach dem tragischen Amoklauf von Emsdetten ist der wahre Schuldige schnell gefunden: Computerspiele, genauer gesagt Ego-Shooter wie Counter-Strike oder Doom 3. Gerade erst wieder bei Bild und SpOn gelesen. Ich bin sicher, weitere Medien werden auf den rasenden Zug aufspringen, ebenso wie diverse profilierungssüchtige Politiker. Populismus zieht eben auch in schlechten Zeiten.

Ich bin der letzte, der behaupten würde, dass Computerspiele keinerlei Einfluss auf Menschen haben. Aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass Computerspiele keine Killer machen. Kein Computerspiel ist für die Taten in Emsdetten verantwortlich. Da ist schon deutlich früher etwas total falsch gelaufen. Ich selbst spiele nun schon seit fast 20 Jahren an Computern bzw. Videospielkonsolen. Ich habe aber sowohl von meinen Eltern als auch aus dem Freundeskreis gelehrt bekommen, verantwortungsbewusst damit umzugehen. Dazu gehört die richtige Dosierung ebenso wie das Vermitteln von richtigen Werten.

Und hier liegt das wohl eigentliche Problem. Wie kommt es, dass ein junger Mensch so hoffnungslos und verzweifelt ist? Wo sind Perspektiven und Anreize? Ich kann den konkreten Fall nicht beurteilen und will den Eltern auch keine Schuld geben. Aber in Zeiten, in denen Eltern ihre Kleinkinder lieber vor den TV setzen, als sich mit ihnen zu beschäftigen oder Super Mario eher eine Bezugsfigur ist, als der eigene Vater, da darf man sich nicht wundern, wenn am Ende so etwas passiert. Da ändern auch Verbote nichts.

In Deutschland gibt es nun schon länger rechtlich bindende Altersfreigaben. Warum also verbieten, wenn ein ab 18 Jahren frei gegebenes Spiel wie Doom 3 dann doch an Minderjährige gegeben wird? Das würde sich mit einem Verbot doch nicht ändern? Im Gegenteil, der Reiz wäre für Jugendliche doch noch viel größer. Viel schlimmer finde ich da, wie sich so ein Täter in der heutigen Zeit präsentieren kann. Da gibt es einen offiziellen Abschiedsbrief, Tagebücher, ein Weblog (inzwischen geschlossen), Videos bei YouTube und alles wird durch die Medien gereicht und so kommt der Täter posthum zu ganz zweifelhaften Ehren und wird womöglich zum Vorbild von Trittbrettfahrern.

Wie las ich vorhin noch? Erst wenn auch das letzte Computerspiel und die letzten Lan-Party verboten ist werdet ihr merken, dass ihre eure Kinder dennoch erziehen müsst. Und wo wir schon bei Spielen sind: Ja, auch Junior darf spielen. Aber eben Sachen, die für sein Alter geeignet sind und der richtigen Dosis entsprechend seines Alters. Und dabei fühle ich mich ganz und gar nicht schlecht.