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Gran Torino

gtImmer wenn ich wieder irgendwo einen Fragebogen ausfüllen muss, stoße ich früher oder später auf die Frage nach dem Lieblings-Regisseur und für gewöhnlich fällt mir da einer immer sofort ein: Clint Eastwood. Zu Eastwood-Filmen hege ich eine lange andauernde Sympathie, die ihren Höhepunkt in Million Dollar Baby fand, bis heute einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Natürlich war ich voller Vorfreude, als ich den ersten Trailer zu Gran Torino sah. Irgendwie konnte ich schon da nicht glauben, dass Clint wieder an seine alten Dirty-Harry-Erfolge anknüpfen wollte. Insofern erwartete ich da schon eine gewisse Überraschung.

Zunächst war ich sehr geschockt. Clint spielt den griesgrämigen Ruheständler Walt Kowalski, der frisch zum Witwer wurde und sich sowohl von seiner nervenden Familie als auch generell dem Rest um ihn herum entfernt hat. Zu seinem täglichen Lebensinhalt gehört es, sich über die Änderungen in der unmittelbaren Nachbarschaft aufzuregen, die überwiegend fremde Immigranten bewohnen. Clint spielt diesen alten Mistsack, der sich einfach über alles aufregen kann, so überzeugend, dass er sofort all meine Antipathie beansprucht. Die Dialoge stecken voller Gemeinheiten, die perfekt zu so einem verbohrten Dickschädel passen. Stellvertretend sei nur an die Diskussion zwischen Walt und dem Frisör erinnert: „Ten bucks? Jesus Christ, Marty. What are you, half Jew or somethin‘? You keep raising the damn prices all the time.“ – „It’s been ten bucks for the last five years, you hard-nosed Polak son of a bitch.“

Eastwood-Filme leben zu einem großen Teil von toll gezeichneten Charakteren und deren Entwicklung im Verlauf der Geschichten in denen sie spielen. Und wie in Million Dollar Baby tritt auch hier jemand in sein Leben und stellt es damit langsam aber sicher auf den Kopf. In Gran Torino ist es einer von den „schlitzäugigen Buschratten“, wie Walt seine Nachbarn aus Fernost so gerne beschimpft. Der junge Sohn Tao versucht Walts perfekt in Schuss gehalten 72er Gran Torino zu stehlen, um Mitglied einer Gang zu werden. Natürlich erwischt Walt ihn bei dem Versuch. Um dies wieder gut zu machen, muss sich Tao auf Druck der Familie in den Dienst von Walt stellen bis die Schuld beglichen ist.

Und dann beginnt ein schleichende Prozess in Walt, der diesen verbitterten, alten Sack doch tatsächlich zum Menscheln bringt. Das ist zutiefst rührend und glaubhaft. Er erkennt, dass die Nachbarn von Grund auf gute Menschen sind und nichts mit seinen Vorurtelen und Vorbehalten zu tun haben. Er erkennt, dass Tao zu mehr berufen ist als sein Dasein in einer Gang halbstarker Idioten zu tristen. Insofern übernimmt er die Verantwortung Tao wichtige Tugenden und Inhalte fürs Leben zu vermitteln. Nicht mit erhobenen Zeigefinger oder mit der übergroßen Moralkeule, sondern eben so, wie das so ein Mensch tun würde.

Ein bisschen darf Clint dann aber doch den Dirty Harry spielen, nämlich bei den Konfrontationen mit der Gang. Denen erklärt er schon mal eindrucksvoll, dass es Menschen gibt mit denen man sich besser nicht anlegt. Eben jemand wie er selbst. Und hier schiebt einen der Film ein wenig in die falsche Richtung und kommt am Ende dann mit einer kleinen, aber absolut passenden Überraschung daher. Und seien wir doch mal ehrlich: Wer will denn wirklich einen 77jährigen Clint Eastwood sehen, der 20jährige Rapper in Baggy-Pants vermöbelt?

Ich kenne keinen Schauspieler, der besser einen eiskalten, verbitterten Menschen spielen kann, der langsam Wärme in sein Herz bekommt. Und ich kenne keinen Regisseur, der so eine Geschichte besser erzählen könnte als eben genau dieser Clint Eastwood. Für den ganz großen Wurf fehlt mir ein wenig das Originelle, dazu habe ich solche oder ähnliche Geschichten schon zu oft gesehen, wenn auch nicht in dieser Qualität. Dazu kommt, dass Gran Torino sich sehr viel Zeit für seine Geschichte lässt. Gerade am Anfang für meinen Geschmack sogar schon etwas zu viel.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

Der fremde Sohn (The Changeling)

changelingInhalt:

Los Angeles, Ende der 20er Jahre. Die leitende Telefonistin Christine Collins kommt nach einem langen Arbeitstag nach Hause und bemerkt, dass ihr neunjähriger Sohn Walter nicht zu Hause ist. Die Polizei beginnt mit der Suche. Zehn Monate später präsentiert Captain J.J. Jones Christine den wiedergefundenen Sohn. Doch Christine erschrickt, denn der gefundene Junge ist nicht ihr Sohn. Doch niemand glaubt Christine, zumal die wegen Korruptionsvorwürfen gebeutelte Polizei mit dieser Familienzusammenführung ihr Image polieren will. Christine kämpft darum, dass ihr geglaubt wird und will die Wiederaufnahme der Suche erzwingen. Da ihr die Polizei nicht hilft, sucht sie den Weg an die Öffentlichkeit. Die Polizei lässt sie daraufhin für verrückt erklären und in eine Nervenheilanstalt einweisen. Der Film basiert auf dem wahren Fall der „Wineville Chicken Coop Murders“.

Kritik:

Ich bin ein großer Fan von Clint Eastwood. Ich finde es einfach extrem bewunderswert, wie er eine Wandlung vom einstigen Actionhelden bis hin zu einem der besten Regisseure der aktuellen Zeit durchgemacht hat. Er nimmt sich Zeit für seine Geschichten und insbesondere seine Charaktere. Er nimmt sich Zeit, ohne zu langweilen und bringt die Dinge absolut auf den Punkt. Und trotz seines hohen Alters ist Knautschgesicht Eastwood nicht nur enorm aktiv sondern wird auch noch immer besser.

Wie schon Letters from Iwo Jima ist Der fremde Sohn ein ernster, erwachsener Film, der zeitweise sogar relativ brutal ist, auf eine schonungslose Art und Weise. Aber Themen wie Kindesmisshandlung und Mord sind eben keine Kavaliersdelikte und nehmen einen – gerade als Eltern – besonders intensiv mit. Sich dabei noch vor Augen zu führen, dass es so etwas wirklich gegeben hat, macht es da nicht besser.

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Taschentücher, bitte

10m.jpgIch wurde in letzter Zeit häufiger gefragt, ob ich nicht mal wieder einen wirklich Herz zerreissenden Film empfehlen könnte. Konnte ich nicht, bis ich zufällig über Grace is Gone gestolpert bin. John Cusack mit viel Mut zur Hässlichkeit als treuer, liebevoller Familiendrama, der seine Frau und damit seinen Halt im Irakkrieg verliert. Nun muss er allein mit seinen beiden Töchtern klar kommen. Als er mit ihnen spontan zu einem Trip zu einem Erlebnispark aufbricht, kommen die drei sich langsam näher. Dazu Musik von Clint Eastwood. Gänsehaut pur.

Leider gibt es noch keinen deutschen Starttermin.

YouTubeDirektDrama

Letters from Iwo Jima

Letters from Iwo Jima

Inhalt:

Letters from Iwo Jima erzählt die Geschichte vom Kampf der Amerikaner und Japaner um die Pazifikinsel Iwo Jima. Dieses Mal jedoch aus Sicht der Japaner, im Gegensatz zu Flags of our Fathers. Basis für die Geschichte sind hunderte von Briefen japanischer Soldaten, die erst Jahre später vergraben auf der Insel gefunden wurden. Die japanischen Soldaten wussten, dass ihre Abkommandierung auf die Insel ein Himmelfahrtskommando ist. Unter der Führung von Generalleutnant Tadamichi Kuribayashi wird der als schnelle Niederlage eingeschätzte Kampf ein unerbitterlicher, fast 40 Tage andauernder Kampf, der das Leben von über 7.000 amerikanischen und 20.000 japanischen Soldaten das Leben kostete. Sie mögen gestorben sein, ihre Erinnerungen und Emotionen leben in den Briefen weiter, die sie für ihre Heimat geschrieben haben.

Kritik:

Letters from Iwo Jima erzählt die andere Seite der Geschichte. Während Flags of our Fathers eher die amerikanische Sicht zeigte, kommt jetzt die japanische Version und diese ist die deutlich bessere. Bis auf wenige ließen nahezu alle japanischen Soldaten ihr Leben auf der Pazifikinsel. Dennoch kam es nicht zum erwarteten schnellen Sieg der amerikanischen Truppen sondern zu einer fast 40 Tage andauernden, brutalen Schlacht.

Wie schon in Flags of our Fathers ist die Schlacht um Iwo Jima nur das Gerüst für die eigene Geschichte. Zunächst geht es darum, wie die japanischen Soldaten sich mit den schlechten Bedingungen auf Iwo Jima auseinander setzen müssen. Sie haben kaum Munition, so gut wie keine Nahrung und die Motivation ist beinahe am Nullpunkt angekommen. Neue Hoffnung bringt der charismatische Anführer Tadamichi Kurubayashi. Dieser kennt das amerikanische Vorgehen wie kein Anderer.

Er entscheidet, dass die eigentliche Vorgehensweise mit Schützengräben am Strand eingestellt wird und sich die japanischen Truppen statt dessen in unterirdischen Tunnelsystemen verschanzen. Diese neuartige und von den Amerikanern nicht erwartete Taktik sorgte dafür, dass es zu einer der verlustreichsten Schlachten der Geschichte kam. Über 7.000 amerikanische Soldaten ließen ihr Leben und fast alle der über 20.000 japanischen Soldaten wurden getötet.

Ähnlich wie in Flags sind es die beeindruckenden Bilder, die sehr viel zur Atmosphäre des Films beitragen. Der Film ist in Brauntönen gehalten und wirkt eher farbarm. Das Ganze trägt viel zu einem extrem authentischem Eindruck bei. Noch viel wichtiger ist jedoch die von Eastwood gewählte Erzählweise. Auch wenn das Ende von Anfang an feststeht, bleibt der Film bedrückend spannend. Das liegt daran, dass man die Figuren immer besser kennen lernt und mit ihnen mitfühlt.

Selten zeigte ein Film deutlicher die Sinnlosigkeit eines Krieges auf. Beide Seiten sind nur vor Ort, weil es die jeweilige Regierung so wollte. Auf beiden Seiten gibt es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Dies wird zum Beispiel in der Szene deutlich, als die Japaner einen verwundeten, amerikanischen Soldaten aufnehmen und beide Parteien ins Gespräch kommen.

Besonders eindrucksvoll wirkt dies dadurch, dass erstmals beide Seiten gezeigt wurden. Es gibt keine Bösen, beide Seiten haben ihre Motive und Beweggründe für ihr Handeln gehabt.

Infos:

Originaltitel: Letters from Iwo Jima
Herkunftsland/Jahr: USA, 2007
Länge: 140 Minuten
Kinostart: 22. Februar 2007
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Iris Yamashita, Paul Haggis
Darsteller: Ken Watanabe, Kazunari Ninomiya, Ryo Kase, Tsuyoshi Ihara
Genre: Drama
Für Freunde von: The Last Samurai, Empire of the Sun, Soldat James Ryan, Tora Tora Tora
Offizielle Webseite
IMDB
Trailer
Rating:

★★★★★★★★☆☆

Flags of our Fathers

Flags of our Fathers

Inhalt:

Der Film erzählt die Geschichte hinter dem berühmtesten Kriegsfoto aller Zeiten. Fünf Marines und ein Sanitäter hissen die US-Fahne auf Mount Suribachi, nachdem eine Tage anhaltende Schlacht gegen eine japanische Garnison auf der Pazifikinsel Iwo Jima geschlagen wurde. Das Foto wird instrumentalisiert, um die Kriegsmaschinerie anzutreiben und neue Motivation zu schaffen. Die amerikanische Öffentlichkeit ist fasziniert und findet Hoffnung. Die noch lebenden Fahnenhisser werden von der Front abgezogen und in den Propagandafeldzug der US-Regierung eingespannt. Dies stellt sich als weitaus schwieriger zu meisternde Situation heraus.

Kritik:

Die Schlacht um die kleine Pazifikinsel Iwo Jima gehört zu den brutalsten und verlustreichsten des gesamten zweiten Weltkrieges. Regisseur Clint Eastwood nimmt diesen historischen Hintergrund jedoch nicht zum Anlass, ein fesselndes Schlachtenepos zu inszenieren. Vielmehr ist Flags of our Fathers ein kritisches Mahnmal. Geschickt wird das eines der bekanntesten Fotos überhaupt in die Handlung eingebaut und die Geschichte darum erzählt.

Flags basiert auf dem gleichnamigen Buch von James Bradley. James Vater war einer der Soldaten, die die amerikanische Flagge auf der Insel gehisst hatten. Zunächst erinnert Flags sehr stark an der Soldat James Ryan. Beklemmende Bilder zeigen eine brutale Landungszene am Ufer von Iwo Jima. Die unterlegenen japanischen Truppen haben sich gut vorbereitet und wehren sich aufopferungsvoll. Das brutale Gemetzel wird durch eine fast schon kühle Optik ziemlich realistisch eingefangen, ohne jedoch die Intensität eines Soldat James Ryan zu erreichen.

Nach der Eingangsequenz gibt es einen kleinen Bruch im Erzählstil und die Verlagerung zum Drama hin. Die Soldaten, die die Flagge gehisst hatten, werden in die Heimat zurück geholt, um der Propaganda-Maschine der Regierung zu dienen. Zu Hause ist man des Krieges überdrüssig und wünscht sich ein Ende des Krieges lieber gestern als heute. Die Heldentaten von Iwo Jima sollen neuen Mut geben und Geld in die arg gebeutelte Kriegskasse spülen. Und hier zeigt sich wieder die ganze Klasse des großen Clint Eastwood.

Behutsam zeichnet er die unterschiedlichen Charakete der vermeintlichen Helden, die alle sehr unterschiedlich mit ihren neuen Aufgaben umgehen und zum Teil sogar daran zerbrechen. Niemand kann besser Charakteren Raum geben, als der große Meister. Womit er sich hingegen etwas schwer tut, ist seine Kritik an der US-Regierung. So gut es zunächst aussieht, desto merkwürdiger wirkt es dann, als er dann doch wieder Pathos und Heldenverehrung auspackt.

Insgesamt jedoch ist Flags of our Fathers ein erzählerisch tadelloses Stück Zeitgeschichte, das behutsam eine Geschichte abseits der Geschichtsbücher erzählt.

Infos:

Originaltitel: Flags of our Fathers
Herkunftsland/Jahr: USA, 2007
Länge: 132 Minuten
Kinostart: 18. Januar 2007
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: William Broyles Jr., Paul Haggis
Darsteller: Ryan Phillippe, Jesse Bradford, Adam Beach, Paul Walker
Genre: Drama
Für Freunde von: Soldat James Ryan, Tora Tora Tora, The Last Samurai
Offizielle Webseite
IMDB
Trailer
Rating:

★★★★★★★☆☆☆