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Compliance

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Meine letzte Filmkritik hier ist, ich musste gerade nachsehen, schon gut vier Jahre her. Ich wusste nicht mal mehr, wie die Kritiken hier zuletzt aufgebaut waren. Eine Kritik zu „The Hobbit“ kann ich mir im Normalfall ja auch sparen, wenn ich ihn, wie die meisten, ohnehin gut finde. Interessant sind da ja eher gegensätzliche Meinungen zur Allgemeinheit oder Empfehlungen für kleine Filme, die sonst gerne mal übersehen werden.

Compliance ist einer dieser Filme. „Beruht auf einer wahren Begebenheit“ ist inzwischen ja eher ein Grund, einen Film nicht zu schauen. Hier sollte der geneigte Filmfreund jedoch eine Ausnahme machen. Sandra, Leiterin eines fiktiven Fast-Food-Restaurants, steht enorm unter Druck. Eine Lieferung Bacon ist nicht rechtzeitig angekommen, die Mitarbeiter müssen entsprechend instruiert werden. Die junge Becky bringt Sandra ohnehin mit ihrer jugendlichen Einstellung zur Weißglut. Ihre Jugend und Schönheit erinnern Sandra an ihr vergleichsweise langweiliges Leben in der Midlife-Crisis. Mitten in diesem Trubel erhält Sandra einen Anruf von einem Polizisten. Dieser beschuldigt Becky, eine Kundin bestohlen zu haben. Becky streitet alles ab. Der Polizist, der gerade unabkömmlich ist, stellt die beiden Frauen vor die Wahl: Becky wird entweder verhaftet und bis zur Klärung über Nacht in der Zelle bleiben oder Chefin Sandra nimmt eine Leibesvisitation vor.

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Nur wenige Minuten später steht Becky nackt in einem Hinterraum des Restaurants. Der Polizist ist dabei die ganze Zeit am Telefon und gibt entsprechende Instruktionen. Aufgrund der Hektik wechseln ihre Aufpasser ständig. Niemand fragt sich, ob es sich wirklich um einen Polizisten am anderen Ende der Leitung handelt. In einem TV-Interview am Ende des Films sagt Sandra schulterzuckend in die Kamera, dass jeder so gehandelt hätte wie sie, wenn es schließlich ein Polizist so verlangt.

Regisseur Craig Zobel hat sich exzellente Schauspieler für sein Drama gesucht. Dreama Walker spielt die zunächst aufgedrehte, später zurückhaltende, verletzte Becky. Schon in „The Good Wife“ gefiel sie mir als Zicke ziemlich gut, das hier ist aber eine andere Liga. Weite Strecken des Filmes ist sie nackt bzw. spärlich mit einer Schürze bekleidet. Sie wirkt so zerbrechlich und ausgeliefert, das es einem fast weh tut. Ann Dowd als pflichtbewusste Chefin, die keine Fragen stellt, ist perfekt besetzt. Als Zuschauer fühlte ich mich alles andere als wohl, die ganze Prozedur mit ansehen zu müssen. Umso grotesker ist das Ende des Films mit dem Polizeirevier, das quasi am anderen Ende der Straße liegt und dem TV-Interview mit der Chefin.

Am Ende des Films gibt es noch einen Hinweis, dass es derartige Fälle mehrfach in den USA gegeben hat. Es ist ein perfides Spiel mit einem cleveren, kranken Anrufer, der geschickt die Informationen erfragt, die er für sein Vorhaben benötigt. Er nutzt diese Informationen zu seinem Vorteil aus. Es zeigt, wie Menschen Anordnungen ausführen, so lange es nicht zu ihrem persönlichen Nachteil ist. Compliance ist kein Gute-Laune-Film und nichts, was zwischendurch konsumiert werden sollte.

Rating:

★★★★★★★☆☆☆

Ein Kommentar zu “Compliance

  1. Da der Film dem Wortvogel ja auch sehr gut gefallen hat und wir so ziemlich den gleichen Filmgeschmack haben, habe ich ihn mir vor ein paar Wochen auch angesehen. Darstellerisch hat er mich echt beeindruckt. Und in diesem Fall bekommt der Film durch das „Based on a true story“ schon einen gewissen Thrill, aber so richtig reißen konnte er mich dann doch nicht. Irgendwie fehlte ein wenig Geschwindigkeit, vielleicht auch ein subtiler Soundtrack. Soweit ich mich erinnere, kommt der Film quasi ohne Filmmusik aus. Hätte noch mehr Atmosphäre schaffen können. Mit dem ziemlich abrupt heruntererzählten Ende war ich auch nicht so ganz einverstanden. Den Hinweis auf das „große Ganze“ hätte man sich sparen können.
    Nun denn, aber dennoch ein durchaus sehenswerter Film für all jene, die auch an „Das Experiment“ ihren Spaß hatten. 6/10

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