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Call of Duty – Modern Warfare 2

ModernWarfare2LogoModern Warfare 2 ist der Nachfolger zu dem Spiel, das ich vor nicht ganz zwei Jahren in den höchsten Tönen hier gelobt habe. Ohne zu übertreiben handelt es sich dabei um den Titel, den ich neben Uncharted 2 am meisten herbei gesehnt habe. Ich habe im Vorfeld schon viel davon mitbekommen. Auf der GamesCom in Köln hatte ich Gelegenheit, mir von den Entwicklern den SpecOps-Modus vorführen zu lassen, vor etwa zwei Monaten war ich in Los Angeles, um den Multiplayer-Modus anzuspielen. Jetzt wo ich das fertige Spiel sowohl auf dem PC als auch auf der PlayStation 3 gespielt habe, kann ich sagen, dass meine Erwartungen nicht vollends aber doch zumindest in vielen Punkten erfüllt wurden.

Im Vorfeld gab es extrem viel Tumult um den Titel. Entgegen früherer Spiele des Entwicklers sollte Modern Warfare 2 eine Zwangs-Aktivierung über Steam bekommen. Zudem entschied man sich dazu, auf dedizierte Server komplett zu verzichten und der Mod-Community die kalte Schulter zu zeigen. Wirklich schade, denn da entstehen oft wirklich wundervolle Gratis-Addons, die für lange anhaltenden Spielspaß sorgen. OK, ich kann schon verstehen, dass „gratis“ nicht unbedingt im Sinne des Entwicklers bzw. Publishers sein kann. Zudem künditge der Publisher Activision früh an, dass dieser Premium-Titel mit einer höheren Unverbindlichen Preisempfehlung an den Handel ausgeliefert wird. Klar, mit einem Triple-A-Titel kann man natürlich prima die Leidensfähigkeit der Kundschaft ausloten.

Richtig ärgerlich ist meiner Meinung nach jedoch der Flughafenlevel im Spiel. Ein Video dieses Abschnittes fand schon vor Release seinen Weg ins Internet. Dort war zu sehen, wie der zu spielende Protagonist undercover in einer Terror-Organisation eingeschleust wurde. Diese Organisation richtet auf einem russischen Flughafen die dort wartenden Fluggästen brutal hin. Als Spieler kann man nur tatenlos zusehen, in der US-Version sogar selbst auf wehrlose, um Hilfe schreiende Zivilisten schießen. Da nützt es auch nichts, dass vor der Szene eine Nachfrage kommt, ob man diese verstörende, brutale Szene wirklich spielen möchte. Die Entwickler betonen, dass sie auf diese Weise die Brutalität des Terrorismus darstellen wollten. Für meinen Geschmack ist diese Szene einfach nur geschmacklos und unnötig. Der Entwickler Infinity Ward leistete der  in der Öffentlichkeit ohnehin in einem eher schlechten Licht stehenden Branche einen Bärendienst.

Das eigentliche Spiel ist dann jedoch wirklich ein Highlight. Natürlich ist es ein streng linearer Shooter, der – wenn man gemein sein möchte – eigentlich wie Tontaubenschießen auf einem Zug ist. Von der Inszenierung her könnte man das Spiel am ehesten mit einem Michael-Bay-Film vergleichen. Keine Sekunde vergeht, ohne dass irgendwo etwas explodiert, Geschossen einschlagen oder Funken durch die Luft fliegen. Die Paralleln zu Michael Bay fallen leider auch bei der Story auf. Pathos quillt aus dem Monitor, die USA ist die tolle Welt-Polizei. Irgendwer meinte dann noch, dass es einen coolen Story-Twist geben muss, der nicht sonderlich glaubwürdig rüber kommt. Dazu kommt, dass die Geschichte zwischen den Missionen erzählt wird. Das könnte man bei so einem Titel a) aufwändiger und b) besser machen. Schade drum, so fiebere ich nicht gerade mit den einzelnen Figuren mit, deren Schicksale mir relativ egal sind.

Abseits dieser Problematik ist die Einzelspielerkampagne mit ca. sechs Stunden zwar relativ kurz, dafür aber extrem packend und rasant. Jeder Abschnitt ist vom Setting her total anders. Das Ganze spielt sich wie eine rasante Achterbahnfahrt. Es gibt ruhige Pasaagen, wo ihr als Scharfschütze durch verschneite Berge schleicht und das totale Gegenteil, wenn ihr mit einem Schlauchboot durch Stromschnellen rast, während euch andere Boote und Helikopter beschießen. Was ihr definitiv nicht bekommen werdet, ist eine Verschnaufpause. Optisch sieht das Ganze höchste beeindruckend aus. Die Gesichter der Soldaten wirken ebenso real wie die Spielwelt bis auf wenige nicht so gelungene Abschnitte.

Infinity Ward schaffen es prima, die Intensität eines Krieges nachzubilden. Relativ am Anfang fahrt ihr an Bord eines Humvees durch eine Stadt im Mittleren Osten. Ihr sitzt am MG des Wagens und habt den Befehl erst zu schießen, wenn ihr attackiert werdet. Überall in den Straßen seht ihr Menschen, die dem Terror-Feindbild gleichen. Die Musik deutet die Bedrohung an, die Gefahr liegt in der Luft. Nach einer eledig lang wirkenden Minute bricht das Inferno los. Der Wagen wird getroffen, alle schreien wild durcheinander und ihr wisst gar nicht mehr, wo oben und unten ist. Euer Adrenalinpegel schnellt unweigerlich nach oben. Schon mal Black Hawk Down gesehen? Hier könnt ihr es nachspielen. Der Gulag-Level ist quasi ein Kniefall vor The Rock. Und wenn ich schon bei Filmen bin: Die Musik stamm teilweise von Hans Zimmer.

Nebem dem Einzelspielermodus gibt es den SpecOps-Modus, den ihr kooperativ mit einem menschlichen Spieler antreten könnt. Auch wenn die Missionen hier auch allein gespielt werden können, holt euch einen Mitspieler, es verdoppelt den Spaß. Ein Spieler kämpft sich am Boden durch den Level, während der andere aus den Wolken an Bord der AC-130 Feuerunterstützung gibt. Die Herausforderungen in diesem Modus sind teilweise extrem hart, zumindest wenn ihr die Goldmedaille holen wollt.

Und wenn ihr dann immer noch nicht genug habt, stürzt euch in den Mehrspielermodus. Dieser führt euch langsam ran. Nach und nach schaltet ihr weitere Spielmodi, Waffen, Modifkationen, Ränge und Abzeichen frei, was extrem motivierend ist. Zu den Modi gehören neben den Klassikern wie Deathmatch, Team-Deathmatch oder Capute the Flag z.B. Domination (Basen erobern), Demolition (wie bei Counter-Strike Bomben legen bzw. entschärfen). Für Neulingen ist es nicht ganz so einfach rein zu kommen, insbesondere da andere schon sehr viele Waffen und Zusätze freigeschaltet haben. Ihr könnt eigene Klassen zusammen bauen. Dazu wählt ihr die Bewaffnung nebst Zusatzausrüstung sowie einige Modifikation bzw. Perks. Je nach Level könnt ihr damit mehr Waffendurchschlag erreichen oder schneller laufen.

Mir ist der Tumult im Vorfeld nicht ganz klar. Modern Warfare 2 hat das eigentlich nicht nötig gemacht. Schlechtere Titel sind auf so eine PR vielleicht angewiesen, aber dieser Titel hat genug eigenständige Klasse. Wenn mich privat ein Spiel derzeit von WoW wegholt (und es sich dabei nicht um ein Musikspiel handelt), dann muss es schon wirklich gut sein.

Launch-Trailer:

DirektWarfare

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