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Watchmen

watchmen.jpgInhalt: Als der Superheld The Comedian tot aufgefunden wird, wittert der runtergekommene Rorschach ein Komplott, das zum Ziel hat, alle Superhelden zu töten. Rorschach versucht daraufhin, seine alten Weggefährten davon zu überzeugen, wieder das Cape überzustreifen und dem Ruhestand Adieu zu sagen. Je tiefer Rorsach gräbt, desto mehr unerfreuliches findet er heraus. Das Schicksal der Menschheit steht auf dem Spiel und es liegt wieder mal in den Händen der Watchmen.

Kritik: Die Graphic Novel Watchmen von Alan Moore gilt als einer der einflussreichsten der Comic-Literatur. Alan Moore ist kein Freud von Hollywood und hält sein Werk noch heute für unverfilmbar und ließ sich daher vorsorglich aus den Credits streichen. Er war schon mit den Verfilmungen zu Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen und From Hell alles andere als zufrieden.

Die Geschichte der Watchmen-Verfilmung liefert genug Stoff für einen eigenen Film. Die Rechte am Comic landeten zunächst kurz nach Veröffentlichung bei 20th Century Fox. 1988 war das Drehbuch fertig, doch danach verlief das Ganze im Sand. Die Rechte landeten bei Warner, wo sich der visionäre Terry Gilliam daran versuchen sollte. Arnold Schwarzenegger war damals als Strahlemann Dr. Manhattan vorgesehen. Doch nachdem Gilliams Baron Münchhausen kommerziellen Schiffbruch erleidete, wurde das Projekt erneut auf Eis gelegt.

2002 Wurde dann für Universal ein neues Drehbuch erstellt, doch auch hier verlief das Projekt erneut wieder im Sand. 2004 war es dann Paramount, das mit Darren Aronofsky einen fähigen Regisseur präsentierte. Dieser gab aber zugunsten von The Fountain auf und Paul Greengras übernahm das Ruder und wollte etwas komplett anderes aus den Watchmen machen. Paramount hatte dann die Nase voll und so kam das Projekt zurück zu Warner. Nach seinem Überraschungserfolg mit 300 sollte Zack Snyder die Regie übernehmen, was sich für die Fans der Vorlage als Glücksgriff herausstellen sollte, denn Snyder wollte sich so dicht an die Vorlage halten, wie es eben nur geht.

Was ein Hick-Hack. Im Prinzip kann man tatsächlich froh darüber sein, dass das Projekt doch noch seinen Weg auf die Kinoleinwände geschafft hat. Passend zum Filmstart hatte ich mir das Watchmen-Komplettwerk noch bestellt, bin dann aber nicht mehr dazu gekommen, es vor dem Film zu lesen. Watchmen hebt sich wohltuend von anderen Superheldengeschichten ab. Die Watchmen sind mit Ausnahme vom übermenschlichen Dr. Manhattan normale Menschen, die sich ein Cape überstreifen.

Die Geschichte spielt Mitte der 80er Jahre in einer Welt, deren Geschichte etwas anders verlaufen ist als in unserer Realität. Richard Nixon ist noch im Amt und die USA stehen kurz vor dem Atomkrieg mit der UDSSR. Alle Superhelden wurden in den Zwangsruhestand geschickt, einzig Dr. Manhattan ist noch aktiv und wird in die US-Kriegsmaschinerei eingespannt.

Die ehemaligen Watchmen versuchen weitestgehend ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen und mit ihrem neuen Leben klar zu kommen. Das macht sie letztlich auch ziemlich sympathisch, da sie die gleichen Probleme haben wie alle anderen Menschen auch. Ein cleverer Schachzug war es, sämtliche Rollen mit eher unbekannten Gesichtern zu besetzen und nicht einfach die A-Riege Hollywoods für das Projekt einzuspannen. Immerhin kursierten zeitweise Namen wie Tom Cruise, Keanu Reeves oder Jude Law für die Besetzung der Watchmen.

Watchmen ist eine prima umgesetzte Comic-Verfilmung. Ich habe nach dem Film Moores Werk zur Hand genommen und einige Bilder waren 1:1 im Film wiederzuerkennen. Natürlich ist es nicht einfach, das 12 Bände umfassende Gesamtwerk in einen Film zu packen, selbst bei fast drei Stunden Lauflänge. Snyder gelingt dies aber recht intelligent, da er mit einigen Rückblenden die Geschichte der einzelnen Watchmen klarer macht. Der Einstieg des Films erzählt zum Beispiel sehr schön, wie die alternative Realität der Watchmen entstand.

Watchmen sieht großteils wundervoll aus. Die Sets stecken voller Details, alles wirkt sehr düster und bedrohlich. Besonders gelungen sind die Kostüme, hier sticht vor allem Rorschach mit seiner sich ständig verändernden Maske heraus aber auch die ziemlich trashigen Outfits der Watchmen-Vorfahren im Stile der alten Batman-Serie. Dazu kommen dezent eingesetzte Sequenzen mit Slow- und Fast-Motion-Effekten. Die Kämpfe sind von einer erdrückenden Dynamik geprägt.

Für eine Comic-Verfilmung schneidet Watchmen ein paar sehr ernste Themen an. Die große Frage, um die sich alles dreht ist, wie groß darf ein Opfer sein, um die überwiegende Mehrheit zu retten. Und noch viel wichtiger: Wer darf das entscheiden? Es gab natürlich auch Sachen, die mich ziemlich genervt haben. Wenn ich jetzt mal Rorschach und den Comedian auslasse, dann bleibt der Rest der Watchmen doch sehr blass. Nite Owl wirkt wie eine billige Kopie Batmans, Dr. Manhattan nervt mit seinen gottgleichen Meta-Diskussionen.

Über die Frauenrolle decken wir besser den Mantel des Schweigens. Dass Frauen in solchen Filmen sich darauf beschränken nur gut auszusehen ist eine Sache, wenn wie hier Vergewaltigungen derartig runtergespielt werden, dann finde ich das alles andere als unterhaltsam. Insgesamt hat es Snyder nicht geschafft, mich emotional an die Charaktere im Film zu binden. Ich habe mir fast drei Stunden ihr Wirken angeschaut, aber es war mir letztlich egal, wer da lebend raus kommt. Schade drum, denn ohne diese Probleme wäre Watchmen mein Favorit im Genre.

Rating:

★★★★★★★☆☆☆

[IMDB]0409459[/IMDB]

Ein Kommentar zu “Watchmen

  1. Mir hat der Film überaus gut gefallen. Habe ihn mir in einer Vorpremiere angesehen, in der hauptsächlich Männer saßen und auf eine Popcorn-Action-Comicverfilmung warteten.

    Da musste man sich während und nach dem Film einige enttäuschte und bösartige Kommentare anhören. Aber das ist wohl ein klassischer Fall von Fehlinformation.

    Ich finde, dass der Film besonders durch seine künstlerische Umsetzung punktet. Ich habe lange keinen Film mehr gesehen, der handwerklich auf so einem hohen Niveau war. Tolle Kamerafahrten und Inszenierungen.

    Die Geschichte muss man wirklich mögen, man muss sich darauf einlassen. Wer die etwas tiefgründigeren Dialoge nicht mag, wird natürlich auch von der filmisch brillianten Umsetzung nichts haben. Mich hat die Handlung begeistern können. Allerdings hatte der Film am Ende einige Längen, da hätte man ein paar Minuten einsparen können. Aber dann wäre der Überlängenzuschlag futsch gewesen! ;D

    Naja, insgesamt ein sehr guter Film für den sich der Weg ins Kino lohnt!

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