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Der Vorleser (The Reader)

vorleser.jpgInhalt: Deutschland in den 50er Jahren. Der junge Michael Berg begegnet nach der Schule der mysteriösen Hanna Schmitz. Obwohl diese etwa 20 Jahre älter ist, kommt es zwischen den beiden zu einer knisternden Affäre, bei der es um lediglich zwei Dinge geht: Sex und Bücher. Bei seinen täglichen Besuchen liest Michael Hanna aus Büchern vor und bekommt dafür quasi als Belohnung Sex mit Hanna. Die Affäre dauert einen Sommer lang und Hanna verschwindet aus Michaels Leben genau so schnell wie sie gekommen war.

Jahre später studiert Michael in Berlin Jura. Zusammen mit seinen Kommilitonen verfolgt er einen Prozess gegen fünf ehemalige Wärterinnen eines Konzentrationslagers, die den Tod von 300 Juden zu verantworten haben. Eine der Angeklagten ist Hanna Schmitz, die er im Gericht zum ersten Mal nach vielen Jahren wiedersieht. Zwei Herzen schlagen in Michaels Brust: Er ist entsetzt über ihre Taten und da ist auch noch seine Liebe für sie. Um ihr eigenes Geheimnis zu behüten, nimmt Hanna alle Schuld auf sich. Michael sitzt zwischen den Stühlen. Er könnte alles aufklären, respektiert aber auch Hannas Wunsch.

Viele Jahre später lässt Michael das Schicksal Hannas nicht los, er nimmt Kontakt mit ihr im Gefängnis auf.

Kritik: Der Vorleser ist die Verfilmung eines der weltweit wohl bekanntesten deutschen Romane und erreichte sogar die Bestsellerliste der New York Times. Der Roman ist mittlerweile Pflichtlektüre in den Oberstufen einiger Bundesländer. Für die Verfilmung konnte Stephen Daldry verpflichtet werden, der mit The Hours und Billy Elliot schon überzeugende Dramen abgeliefert hatte.

In der Geschichte geht es um verschiedene Themen wie Schuld und Sühne, Analphabetismus, das Dritte Reich und die Jugendvernichtung und sexuelle Beziehungen mit großem Altersunterschied. Und da sind wir auch schon beim Hauptproblem, das ich mit dem Film hatte. Jedes Thema für sich genommen hätte einen eigenen Film ausfüllen können. Was im Buch noch prima klappen kann, kommt im Film dann leider etwas zu kurz.

Die Produktionswerte sind über jeden Zweifel erhaben. Die Ausstattung ist famos, das Nachkriegsdeutschland wirkt überzeugend real. Dazu kommt eine solide Besetzung aus der natürlich Kate Winslet absolut hervorsticht. Der Film wird letztlich allein von ihr und letztlich ihrem überzeugenden, sehr emotionalem Spiel getragen. Der junge David Kross, der den jugendlichen Michael Berg spielt, konnte mich ebenfalls überzeugen, wenn auch nicht auf so hohem Niveau.

Den Film begleitet über weite Strecken ein ungeheurer Schwermut. Besonders gefallen haben mir die emotionalen Stellen. Wenn Hanna Schmitz mit einer großen Portion Naivität von ihren Handlungen als Wärterin eines Todeslagers berichtet und so tut als wäre es so normal wie die tägliche Körperhygiene. Oder Michael Bergs Konflikt, ob er Hannas Geheimnis nun für sich behalten soll oder ihr helfen und alles aufklären soll. Extrem glaubwürdig und ergreifend gespielt.

Die Erzählweise aus der heutigen Sicht ist ziemlich gelungen und verknüpft sehr schön die zahlreichen Handlungsstränge in den verschiedensten Zeitabschnitten. Dennoch habe ich mir ein wenig mehr vom Vorleser versprochen. Die ganz großen Emotionen blieben leider aus. Dafür waren mir die Figuren dann doch zu unnahbar, um wirklich mit ihnen zu leiden.

Rating:

★★★★★★★☆☆☆

[IMDB]0976051[/IMDB]

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