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Frost/Nixon

frostnixon.jpgInhalt:

Das erste Interview nach seinem Rücktritt führte Richard Nixon ausgerechnet mit dem britischen Talshow-Moderator David Frost. Seine Wahl begründete sich darauf, dass für Frost politische Diskussionen absolutes Neuland waren und er davon überzeugt war, Frost sowohl intellektuell als auch rhetorisch in die Tasche stecken zu können. Der Film basiert auf dem sehr erfolgreichen Brodway-Theaterstück von Peter Morgan, in dem ebenfalls die beiden Hauptdarsteller Frank Langella und Michael Sheen die prominenten Rollen übernahmen.

Kritik:

Endlich mal wieder ein Film, der alle meine Erwartungen zur vollsten Zufriedenheit erfüllt. Ron Howard inszeniert ein Stück amerikanische Zeitgeschichte. Das hat schon bei Apollo 13 bravourös funktioniert und das tut es auch bei Frost/Nixon. Er fängt wunderbar die Welt der 70er mit all seinen verrückten Frisuren und eigenartigen Klamotten ein. Über weite Strecken stellt sich das Gefühl ein, alte TV-Aufnahmen zu sehen. Dazu kommt, dass es ungemein unterhaltsam ist, dem mächtigen Nixon zuzusehen, wie er versucht seine Reputation wieder herzustellen. Auf der anderen Seite ist der umtriebige Fernsehmacher, der seiner Vision nachgeht und sich damit zu übernehmen scheint.

Bevor das eigentliche Interview beginnen kann sehen wir David Frost bei seinen Vorbereitungen bei denen er auf viele Widerstände trifft. TV-Anstalten, die nicht genug Mut haben, ihn bei seinem Vorhaben zu unterstützen und vermeintliche Werbepartner, die den Schwanz einziehen aus Angst, ihr Gesicht zu verlieren. Zu dieser Zeit macht Frost zeitweise einen leicht blauäugigen Eindruck, der gegen den wortgewandten Nixon nicht den Hauch einer Chance zu haben scheint. Kein Wunder, waren doch seine bisherigen Interview-Partner wie zum Beispiel die Bee Gees ein ganz anderes Kaliber.

Doch Frost hatte ein unglaubliches Gespür bei dieser Sache. Die amerikanische Bevölkerung wollte endlich, dass sich Nixon in irgendeiner Form den Vorwürfen stellen muss. Die Begandigung durch Ford erschien vielen wie Kuhhandel. Frost wollte dies erreichen und damit gigantische Quoten erzielen. Das war sein Traum und für den war er bereit alles zu geben. Und als dann die ersten Interviews liefen, drohte alles den Bach runterzugehen. Wie sagte es einer seiner Assistenten? „Zwei aus unserem Team hätten vor dem Interview Nixon niemals gewähnt, inzwischgen sind sie anderer Meinung.“ Frost war Nixon zunächst nicht gewachsen und dieser ging als strahlender Sieger aus den ersten drei Sitzungen.

Erst im letzten Interview gelang es Frost, Nixon entscheidend unter Druck zu setzen und die gewünschten Aussagen aus ihm heraus zu kitzeln. Die Rededuelle sind packend inszeniert und erinnern an einen guten Boxkampf. Die beiden großartigen Schauspieler, insbesondere Frank Langella, erwecken ein Stück TV-Zeitgeschichte zum Leben. Es hat immens gut unterhalten seine Darstellung des Richard Nixon zu sehen, wie er ausschweifend über Anekdoten aus seiner Regierungszeit erzählt und ihm abseits der Dreharbeiten als verbitterten alten Mann zeigt, der sich von der ganzen Welt falsch verstanden fühlt. In die gleiche Kerbe schlägt sein Stabschef, der souverän von Kevin Bacon gespielt wird. Er stellt im Laufe des Filmes klar, dass 60% von Nixons Entscheidungen absolut richtig, 30% falsch aber zumindest im richtigen Glauben getroffen und nur 10% richtig falsch wären. Und nur diese 10% sind von seiner Amtszeit übrig geblieben. Mit diesem Dilemma wollen er und Nixon durch dieses TV-Interview aufräumen.

Ron Howard hat mit Frost/Nixon absolut alles richtig gemacht. Der Film ist ohne politische Vorkenntnisse gut verständlich. Howard nahm die sehr guten Dialoge des Theaterstückes und baute eine realistische Nachbildung der damaligen Zeit drum herum und stellte ein paar exzellente Schauspieler hinein. Es gleicht einer Gratwanderung, ein solches Thema an eine breite Masse zu adressieren, ohne dass das Ergebnis dann platt wirkt. Ron Howard gelang dies in jeder Hinsicht.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

[imdb]0870111[/imdb]

2 Kommentare zu “Frost/Nixon

  1. Ohne es als Vorwurf zu meinen (ehrlich nicht!): Wenn der Film alle Erwartungen erfüllt hat, alles richtig gemacht wurde und auch Unerfahrene packen kann:

    Warum dann nur 8 Sterne? Warum keine 9 oder gar 10? Folglich muss es ja etwas am Film auszusetzen geben und sei es noch so etwas kleines?!

    Kurz angemerkt: ich stimme dir vollkommen zu, Frost/Nixon ist wirklich ein brillianter Film!

  2. Er hat das Probelem, was alle Filme dieser Art haben. Man weiß vorher ganz genau, wie alle alles ausgeht. Im Prinzip könnte man sich auch die alten Aufnahmen aus dem TV anschauen, die ja sogar auf DVD erhältlich sind.

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