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Zeiten des Aufruhrs

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April und Frank Wheeler sind jung und verliebt. Sie wollen ein Leben ohne Kompromisse abseits der spießigen Konventionen im Amerika der 50er Jahre leben. Doch schnell bleibt der Individualismus auf der Strecke, der Alltag mit dem bisher so verpönten gutbürgerlichen Familienleben mit zwei Kindern im Einfamilienhaus in langweiliger Umgebung zwingt beide in ein Korsett, das beide zu erdrücken droht.

Kritik:

Kate und Leo, das große Schiff, der Eisberg. Beim Gang durch die Kinopaläste im Jahre 2009 könnte sich der Eindruck verfestigen, dass mit Zeiten des Aufruhrs erneut ein großes emotionales Kino-Epos zur Jungfernfahrt aufbricht. Doch das ist ein Irrglaube. Beide schreien durchaus in dem Zwei-Stunden-Drama, aber niemals „Ich bin der König der Welt“ über die Reling eines Luxus-Liners sondern sich gegenseitig an.

Viel mehr handelt es sich bei Zeiten des Aufruhrs um ein von Sam Mendes inszeniertes, anstrengendes Drama über das amerikanische Kleinbürgertum der 50er Jahre. Mendes hatte mit American Beauty vor 10 Jahren mit wunderbarer tragikomischer Leichtigkeit einen Oscar-prämierten Hit mit ähnlicher Thematik gelandet. Zur erneuten Zusammenarbeit zwischen DiCaprio und Winslet kam es durch vehementes Drängen von Kate Winslet. Diese hatte das Drehbuch gelesen und daraufhin zunächst ihren Ehemann Sam Mendes überredet die Regie zu übernehmen. Ihr Wunschpartner für ihren Filmehemann fiel auf Leonardo DiCaprio, den sie seit elf Jahren liebt, wenn man ihrer Dankesrede anlässlich der Golden-Globe-Verleihung glauben darf.

Zentrales Thema des Filmes ist die beide Hauptdarsteller erdrückende Frage, ob man sich selbst neu erfinden kann. Beide haben sich in jungen Jahren kennen gelernt und sich geschworen, nie das langweilige Spießerleben all der anderen Menschen zu leben. Doch wie so oft kommt es auch bei diesem Paar anders. Der kurze Ausflug Aprils in die Schauspielerei floppt kläglich und ehe es die beiden bemerken führen sie in der beschaulichen Revolutionary Road genau das Leben, dass sie eigentlich so abgrundtief ablehnen: Zwei Kinder, langweilige Nachbarn, hübsches Häuschen, sie Hausfrau und er einen Job, den er nicht leiden kann, aber genug abwirft, um dieses langweilige Leben zu finanzieren. Die Rettung aus diesem frustriertem Leben ist Aprils Wunsch, nach Paris zu gehen und neu anzufangen. Doch für Frank ist dieser Schritt zu groß, zumal April erneut schwanger wird.

Schon von der ersten Minute ist klar, was Zeiten des Aufruhrs keineswegs ist: Einfaches Feel-Good-Kino. Von Beginn an sind die Fronten verhärtet und beide leben nur noch von einer blassen Erinnerung an bessere Zeiten. Wenn April sich mit glänzenden Augen an den ersten Geschlechtsverkehr der beiden freudig erinnert, ist dies für ihn die Aufforderung zum Quickie in der Küche. Es wird schnell deutlich wie weit die beiden Welten der beiden schon auseinander liegen. Nur beide sehen diese Problematik nicht, was ungemein schwer macht,das Ganze zwei Stunden lang als Zuschauer zu verfolgen. Tragisch komisch ist dabei die Tatsache, dass der einzige, der all das zu verstehen scheint, der geisteskranke Sohn der Nachbarn ist und seinen Finger in die Wunden der beiden bohrt.

Sowohl Kate Winslet als auch Leonardo DiCaprio zeigen sich von ihrer besten Seite. Kate Winslet hat den Golden Globe und hoffentlich später auch den Oscar mehr als verdient. Sie lebt die Rolle der verzweifelten Hausfrau und Mutter und bringt so viel Schwermut und Leid rüber. DiCaprio zeigt erneut, dass er inzwischen ein exzellenter Schauspieler ist. Die Chemie der beiden stimmt noch immer, beide sind allenfalls reifer seit Titanic geworden. Vermisst habe ich die beiden Kinder im Film. Sie werden oft erwähnt, sind aber fast immer nicht da. Welche Auwirkungen der Konflikt der beiden auf den Nachwuchs hat, bleibt völlig unklar. Dieses Manko macht der bedrückende Schlussakt dieses Kammerspiels wieder wett, der extrem unter die Haut geht. Aber wie schon erwähnt liegt dies zu einem sehr großen Teil an den beiden perfekt harmonierenden Hauptdarstellern. Sie bringen so viel Hilflosigkeit und Schmerz auf die Leinwand, das man über weite Strecken versucht ist, ihnen zur Hilfe zu eilen.

Infos:

Originaltitel: Revolutionary Road
Kinostart: 15. Januar 2008
FSK: ab 12 Jahren
Länge: 119 Minuten
Jahr: 2008
Genre: Drama
Regie: Sam Mendes
Buch: Justin Haythe (Drehbuch), Richard Yates (Buch)
Darsteller: Leonardo DiCaprio, Kate Winslet, Kathy Bates
Rating:

★★★★★★★★☆☆

[imdb]0389860[/imdb]

Ein Kommentar zu “Zeiten des Aufruhrs

  1. Großartiger Film!
    Und es ist echt eine Schande, dass DiCaprio dafür keine Oscar-Nominierung bekommen hat. Verdammt!

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