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Eine Lanze für Dr. Uwe Boll

Eigentlich wollte ich gar nichts über die aktuell tobende Debatte über Uwe Boll schreiben. Im Prinzip ist er mit auch total egal. Ich habe Postal gesehen und danach bin ich überzeugt, dass ich keine weiteren Filme mehr sehen muss. Zumal ich aus der Gaming-Branche kommen und daher zwei Sachen weiß:

  1. Es gibt kaum Spiele, die dramaturgisch gut in Szene gesetzt sind und über eine Story verfügen, die es wert ist, verfilmt zu werden.
  2. Die Lizenzgebühren für derartige Umsetzungen von Spielen zum Film sind nicht billig, es bleibt also weniger Geld für den Film über, der ohnehin nur für eine kleine Zielgruppe gemacht ist.

Halten wir also fest, dass ich Uwe Boll ebenfalls für keinen guten Filmmacher halte. Was unterscheidet ihn jetzt aber so von vielen anderen schlechten Filmemachern, dass man ihn dazu bewegen müsste, seine Arbeit einzustellen? Es weiß doch jeder, dass die Filme von ihm sind, warum also keinen großen Bogen drum machen? Es wird ja niemand dazu gezwungen, sich den Käse anzuschauen. Mal ganz davon abgesehen, dass viele der harten Kritiker vermutlich nicht mal einen Boll-Film gesehen haben.

OK, Unterschiede sind wohl: Er kommt aus Deutschland und hat – zugegeben – eine große Klappe. Mir sind Leute mit einer großen Klappe jedoch deutlich lieber als die ganzen gerade gebügelten Hollywood-Marionetten, die den immer gleichen Sermon runterbeten, der ihnen von ihren zahlreichen PR- und Imageberatern vorgesetzt wurde. Ich versuche daher mal eine Parallel zum Fußball: Leute wie Mario Basler, Matthias Sammer, Stefan Effenberg oder Lothar Matthäus möchte ich sicherlich nicht als Freunde haben. Für den Fußball waren sie aber immer irgendwie das Salz in der Suppe.

Und irgendwie muss ich dann auch lachen, dass gerade die schärfsten Boll-Kritiker dafür sorgen, dass er ständig im Gespräch bleibt. Das muss man auch erstmal schaffen, dass die eigentlichen Gegner so vehement Werbung für einen machen. Also irgendwie doch ein cleveres Kerlchen, dieser Boll. Sein lustiges Englisch macht dann solche Statements zu einem echten Highlight:

YouTubeDirektBoll

3 Kommentare zu “Eine Lanze für Dr. Uwe Boll

  1. Einspruch, Euer Ehren! Nicht jeder Mensch weiß unbedingt, welcher Regisseur für welchen Film verantwortlich zeichnet. Bevor ich in den letzten zwei Jahren meine Nase weit intensiver ins Filmgeschäft einigetaucht habe, sagten mir meist nur die Darsteller etwas. Ich konnte gerade mal mit Spielberg und Eastwood als Regisseuren wirklich was anfangen. Fur uns (Filmfreunde) mag ein neues Werk von Guliermo Del Toro ein Kino-Highlight sein, aber es gibt sicherlich genug Menschen, denen bei dem Namen eher Stierkampf einfällt (oder Benicio Del Toro?!). Beispiel: „Dungeon Siege“, ein Boll-Film wie eine krude Mixtur aus Herr der Ringe und „Diablo“. Zugpferd war immerhin „Crank“-Darsteller Jason Statham. Und wenn dessen Antlitz auf dem Filmplakat prangt, wird kaum einer merken, dass da ein gewisser Uwe Boll auf dem Regiestuhl saß Und wenn doch: „Boll? Wer soll das sein? Muss ich den kennen?“. Wir werden sehen wie viele Zuschauer sich dank Til Schweiger in „Far Cry“ locken lassen, um dann enttäuscht aus dem Kino zu trotten.

    Und die Sache mit dem „Die Kritiker sorgen erst recht für Aufmerksamkeit“: that’s the way it goes. War auch bei Modern Talking, Britney und der Hiltonschen nicht anders…;-)

  2. Dennoch ist er halt einer von vielen schlechten Filmemachern, warum also so viel mehr Aufmerksamkeit? Wer schützt mich vor dummen Komödien a la Deuce Bigalow oder Nobrainern wie Hostel? Das „adelt“ seine Filme doch nur und schiebt sie schon fast in die Kult-Ecke. Mal ganz davon abgesehen, dass die Boll-Streifen überwiegend gar nicht erst im Kino laufen hier, Dungeon Siege vielleicht mal ausgenommen. Postal hatte hier nicht mal 15.000 Zuschauer laut FFA. Ich glaube viele geprellte Zuschauer waren da nicht bei. Zumal es ja offenbar eine Zielgruppe für seine Filme gibt, die diese auch gut findet.

    Im Übrigen sollte man sich bei den heutigen Kinopreisen durchaus mal informieren, was man sich da anschauen möchte. Da gibts genug Möglichkeiten (TV, Internet, Tageszeitung) um solchen Flops rechtzeitig aus dem Weg zu gehen, selbst für absolutes Massenpublikum. Gott sei Dank leben wir in einer Zeit, wo jeder halbwegs machen kann, was er will… egal wie schlecht es auch ist. Und das ist gut so.

  3. Grundsätzlich hast Du ja mit allem Recht. Aber wer sich mal an eine Kinokasse stellt, wenn mal gerade nicht „Lady’s Night“ ist, der wird sich wundern, wie viele Menschen ohne den geringsten Plan auf einmal da aufschlagen und sich von den laufenden Filmen jenen mit dem „interessantesten Titel“ heraussuchen. Klar gibt es genug Möglichkeiten sich zu informieren, selbst die „Brigitte“ oder „Healthy Living“ geben Filmtipps, aber manche scheinen eben doch informationsresistent zu sein. Da sieht man dann eben nur „Jason Statham“ oder demnächst „Til Schweiger“ und denkt sich bei letzterem „Also, Keinohrhasen fand ich ja voll toll. Jetzt macht der also Action…“.

    Klar gibt es noch viele andere Regisseure, die absoluten Mist verzapfen. Mein Unmut über Herrn Boll nährt sich vor allem aus der Tatsache, dass es „gerade so einer mit gerade solchen Filmen“ geschafft hat, im amerikanischen Filmmarkt fußzufassen. Da gäbe es eben verschiedene andere aus unserem Land, denen ich es mehr gönnen würde, wenn sie beim Budget nicht immer nur auf Fördermittel der Länder angewiesen wären…

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