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Dancing King

Es hat etwas gedauert, aber gut Ding will ja bekanntlich Weile haben. Vor drei Jahren bekam ich die Idee, dass ich ja doch eigentlich mal tanzen lernen könnte. Und zwar nicht das Disco-Gehopse, das habe ich auch ohne Unterricht irgendwie hinbekommen, sondern Standard. Nun sind wir Anfang März zu einer Hochzeit eingeladen und da ist die Idee natürlich wieder aus der hinteren Ecke nach vorne gesprungen. Ein Crash-Kurs bot sich an, doch terminlich ließ sich da nichts finden. Also Privatstunden, nur wir zwei. Missy kann richtig gut tanzen, ich dagegen wie eingangs erwähnt überhaupt nicht. Was ich in die erste Tanzstunde eingebracht habe, war mein geballtes Wissen aus Dirty Dancing, Darf ich bitten und Save the last Dance.

Der Vorteil von Privatstunden ist, dass man die volle Aufmerksamkeit des Lehrers hat. Es sind ja nur zwei Leute anwesend, von denen er eine Person komplett ignorieren konnte. Also hatte ich die Augen auf mich gerichtet und ich kann versichern, so eine Stunde kann dann richtig lang werden. Es begann mit dem Walzer. „Mit dem rechten Fuß beginnen“ hatte sich sofort in meinem Kopf fest verankert und ich muss sagen, das war wirklich nicht schwer, machte sogar richtig Spaß. Danach waren Discofox und Foxtrott dran. Hier machte es sich dann negativ bemerkbar, dass sich „beginne mit rechten Fuß“ so tief im Kopf verankert hatte. Die Umstellung fiel schwer und insbesondere die Drehung machte zunächst Schwierigkeiten. Aber gerade diese Schwierigkeiten sorgten dafür, dass wir alle drei sehr viel Spaß hatten und viel lachen konnten.

Ist das in der Theorie mit den Grundschritten noch relativ einfach, wird es mit Musik dann schon schwieriger. Im Kopf konzentriert man sich auf die Schritte, achtet aber auch unweigerlich auf den Takt der Musik. Das zu koordinieren ist zunächst gar nicht so einfach. Aber wie bei allen Sachen macht Übung hier den Meister. Dann gab es nochmal einen Walzer, um zu schauen, ob das vom Anfang noch drin war oder schon wieder verdrängt wurde. So bewegten wir uns zur Musik durch den Saal und ich bemerkte, was am Tanzen so faszinierend ist. Da ich grundsätzlich – von Anfang an – nicht auf den Boden schaute, sah ich in die strahlenden Augen von Missy. Und in solchen Momenten vergisst man Zeit und Raum, quasi alles was um einen rum passiert. Selten habe ich einen glücklicheren Menschen gesehen als in diesem Augenblick. Und selbst wenn ich in diesem Moment vielleicht wie ein Bär auf Rollschuhen durch den Saal geeiert bin, es fühlte sich wie schweben an. Und diese vielleicht drei Minuten hätten Stunden weiter gehen können.

Zum Schluss gab es ehrliches Lob vom Lehrer und eine glückliche Missy. Und ich bin überzeugt, dass das nicht alles vorgespielt war, damit ich weiter mache. Am nächsten Montag geht es in die zweite Runde und ich freue mich schon sehr darauf. Als damals während meiner Schulzeit alle Tanzstunden machten, nervten mich diese doofen Typen, die ihre Grundschritte quasi als Schattenboxen auf den Fluren vormachten. Ich habe damals nicht tanzen gelernt, weil ich so nicht werden wollte. Wer diese Angst teilt, ruhig machen, man wird nicht automatisch so.

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Ein Kommentar zu “Dancing King

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