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Ich heirate eine Familie

Kennt jemand noch diese Serie? Die Serie lief 1983 im ZDF. Thekla Carola Wied spielte eine geschiedene Frau mit drei Kindern (Tanja, Markus und Tom). Sie lernt einen Werbegrafiker namens Werner kennen, der von Peter Weck gespielt wurde. Dieser entschließt sich später dazu, die gesamte Familie zu “heiraten” und in sein großes Haus zu ziehen. Das besondere daran war, dass er quasi eine echte Chaos-Familie geheiratet hat, selbst jedoch eher ein absoluter Ruhepol war und ein entsprechendes Umfeld hatte.

Warum ich das schreibe? Nun, mir geht es gerade irgendwie nicht anders. OK, ich habe nicht geheiratet, der Rest der Geschichte kommt mir aber allzu bekannt vor. Dabei begann alles ganz harmlos und unverfänglich mit einem einfachen “Huhu”. Ich habe nicht mal im Traum daran gedacht, dass so eine harmlose Begrüßung einen derartigen Einfluss auf mein Leben haben könnte. Ich habe schon oft in meinem Leben “Huhu” gesagt, aber nicht eines davon, hatte eine solche Nachwirkung.

Und nun? Nun bin ich nicht mehr allein. Und dies muss ich nun auch mal hier festhalten, damit alle zukünftigen Geschichten hier einen Sinn haben. Ich wurde oft gefragt: “Du Olly sag mal, wie ist das eigentlich so? Ist das nicht unheimlich schwer in eine Beziehung zu gehen, wo es schon ein Kind gibt, das nicht von dir ist?” Und ich muss immer wieder das Gleiche entgegnen. Natürlich ist das nicht leicht. Und das war auch das, was mich im Vorfeld am meisten beschäftigte.

Wenn es bereits ein Kind gibt, dann muss ich mich vorab fragen, ob ich damit umgehen kann. Alles andere wäre nicht fair gewesen. Und wir reden hier nicht von einem Baby, dem man ein anderes Gesicht hinhält und sagt “Guck mal, da ist dein Daddy.” Wir reden hier von einem Kind, das gerade eingeschult wurde. Aber seit der ersten Begegnung war für mich klar: Das ist und wird kein Problem für mich sein. Ich war schon immer jemand, der einen guten Draht zu Kindern hatte und schnell mit ihnen auf einen gemeinsamen Nenner kam. Und so war/ist es auch in diesem Fall.

Kürzlich saß ich mit einer Freundin beim Essen zusammen. Sie hörte mir aufmerksam zu und mir war offenbar gar nicht bewusst, wie viel ich geredet habe. Rückblickend muss ich wohl so ehrlich sein und erkennen, dass die Gesprächsanteile bei 75% – 25% bei mir lagen. Wie diese später diese Früchtchen berichtete, soll ich fürchterlich verliebt geklungen haben. Und da liegt sie auch genau richtig, denn so ist es. Ich habe mal irgendwo gesagt, dass der perfekte Partner an meiner Seite gleichzeitig beste Freundin, Liebhaberin und auch größte Kritikerin sein sollte. Dies ist der Fall.

Und wie ich schon ankündigte, wird sich daher auch hier ein kleiner Richtungswechsel ergeben. Fortan wird es nicht nur um mich gehen, sondern auch um Missy und Junior, wie ich die beiden fortan hier nennen werde. Denn so viel kann ich schon mal verraten. Ihr glaubt gar nicht, was man in so einer neuen Konstellation alles erlebt. So ein kleines Familienleben ist ebenso schön und erlebnisreich wie anstrengend. Aber die vielen schönen Momente lassen jeglichen Stress gänzlich vermissen. Schließlich war es das, was ich mir immer gewünscht habe.

Und wenn alles so weiterläuft und wir ein bisschen Glück haben, dann wird es in vielen Jahren vielleicht mal zu folgender Konversation zwischen mir und Junior kommen:

Junior, ich habe auch nicht Antworten auf alle Fragen. Und um ehrlich zu sein, in meinem Leben habe ich so viel falsch wie richtig gemacht. Aber ich liebe die Frau an meiner Seite. Ich liebe sie. Und ich wünsche dir meine Art des Glücks.

5 Kommentare zu “Ich heirate eine Familie

  1. Oh wie schön !
    Das war ein wirklich schöner text, der mir mal wieder die Tränen in die Augen treibt. Ich wünsch euch beiden alles Liebe das es weiterhin so gut klappt und ihr alle Hürden meistert !

    Dicken Kuß !

  2. Da bin ich aber froh, dass das sich sohin entwickelt hat. LAg dir ja auch einiges dran und dazu auch noch auf dem Gemüt es nciht schreiben zu können… Aber: Alles wird gut…

  3. Wow, ein sehr schöner Beitrag! Das ist Poesie, die das Leben schreibt, für mich. Es freut mich wirklich für dich und ich wünsche euch alles gute!

  4. Es gibt Menschen, die stürzen sich in alles rein, ohne an die Konsequenzen zu denken. Auf beiden Seiten. Da bleiben Kinder auf der Strecke und die Partner wissen über Jahre hinweg nicht, was sie falsch gemacht haben. Und dann gibt es wieder Menschen, bei denen ist es umgekehrt. Die vielen Probleme kommen gleich zu Anfang und die Kinder sind mitten drin. Dafür weiß man später, dass es die Probleme und die Zeiten der Nachdenklichkeit wert waren, weil man dann erst richtig genießt und nichts von dem bereuht, was man entschieden hat. Schön, dass du nachdenkst, bevor du dich in etwas reinstürzt. Respekt und alles, alles Gute für Olly, Missy und Junior (Und glaub dem Olly kein Wort, der erzählt nur Blödsinn!!!) 😉

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