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Zu Gast bei Freunden, so lange man Deutschland gewinnen lässt

Vier Wochen Party, selbst der dritte Platz wird gefeiert wie der WM-Triumph, der so zum Greifen nahe war. Und so sicherten sich gestern die Italiener den WM-Sieg nach einem hart umkämpfen Finale. Und nun? Nun wird gejammert, wie unverdient dieser Sieg doch gewesen ist. Na klar, wenn die Mannschaft, die Deutschland geschlagen hat, Weltmeister wird, dann kann das natürlich nur ungerecht sein. Alles andere geht ja gar nicht. Und einen Stern haben sie nun auch noch mehr auf der Brust als wir.

Da kann man schon mal vergessen, dass Frankreich eine blamable Vorrunde gespielt hat und ein Ausscheiden da auch nicht unwahrscheinlich war. Da kann man auch vergessen, dass Frankreich nur durch einen Elfmeter an Brasilien vorbei kam. Da kann man auch vergessen, dass Italien die mit Abstand beste Defensive und den besten Torwart des Turniers hatte. Da kann man auch vergessen, dass Italien einfach schwer auszurechnen ist, da es nicht den einen Goalgetter gibt, sondern jeder für ein Tor gut ist. Da kann man auch vergessen, dass Italien die klar besseren Torchancen im gestrigen Spiel hatte.

Da wird der unrühmliche Abgang des Zinedine Zidane noch entschuldigt, da er ja vielleicht provoziert wurde. Das mag sein, sehe ich sogar als höchst wahrscheinlich an. Die anderen 21 Spieler wurden das aber auch und benahmen sich eben nicht wie Rambo. Das war auch nicht das erste Mal, dass Zidane so etwas passiert ist. Er ist mehrfacher Wiederholungstäter (14 Platzverweise in seiner Karriere), was solche Ausraster angeht. Er hat das eigene Team im Stich gelassen und vermutlich um den Sieg gebracht. Und hat hinterher nicht mal das Rückgrat zur Siegerehrung zu kommen und sich bei seinem Team zu entschuldigen. Entschuldigung, aber echte Größe ist was anderes, als dieser beschämende Auftritt.

Zugegeben, schön war der italienische Fußball bei diesem Turnier über weite Strecken nicht. Der französische war es aber auch nicht. Insgesamt war es kein attraktives Turnier. Richtig schönen Fußball gab es zuletzt bei der WM 1998 in Frankreich. Insofern sollte man anständig gratulieren und irgendwo ist es auch gerecht. 1990 holten wir in Rom den Pott, sie holen ihn sich jetzt aus Berlin zurück. Die Welt zu Gast bei Freunden, eben auch dann wenn sie Italiener sind. Alles andere hat den unangenehmen Geruch von schlechten Verlierern.

9 Kommentare zu “Zu Gast bei Freunden, so lange man Deutschland gewinnen lässt

  1. Meiner Meinung nach war Frankreich die bessere Mannschaft bis zum Zeitpunkt des Ausscheidens von Zidane. Ein sehr unrühmliche Abgang eines der, wenn nicht des besten europäsischen Kickers dieser Tage. Belohnt wurde er zwar nicht mit dem Weltmeistertitel, aber der französische Spieler mit der Rückennummer 10 wurde zum besten Spieler des Wettbewerbs gewählt. Für mich völlig unverständlich. Er mag der geniale Zauberfussballer Zinédine Zidane sein, aber wenn er seine Sicherungen nicht richtig schaltet und ein wirklich übles Foul begeht wie den Kopfstoss gegen Marco Materazzi, dann darf man ihn nicht auch noch auszeichnen!

    Schade ist an dem Finale lediglich, dass sich hier die wohl besten Defensivmannschaften des Tunieres gegenüber standen und ein neuer Offensivfussball am Ende leider nicht mit dem Finale belohnt wurde. Aber wer weiß, irgendwann kommt die Zeit … hoffentlich, denn besser anzusehen sind viele Tore auf jeden Fall.

    Nun ist, ausgerechnet in der schwersten Krise seiner Fußball-Geschichte, Italien auf den Fußball-Thron zurückgekehrt. Dank ihrer Defensivkünste setzte sich die ‚Squadra Azzurra‘ also im Elfmeterschießen gegen Frankreich durch. Immerhin haben sich die Italiener an ihre „12er-Regel“ gehalten, während das Rechenbeispiel 2006 für Deutschöand nicht hinkam. Aber Fußball wird weiter spannend bleiben, wurden für heute heute erste Urteile im italienischen Fußball-Skandal angekündigt. Ja und auch für Klinsmanns Mannen ist nache dem Spiel schon vor dem Spiel, liegt doch in 38 Tagen schon wieder ein Freundschaftsspiel gegen Achtelfinalgegner Schweden an. Ich glaube aber ohne Klinsmann – wetten…?

  2. Da dieser Post eindeutig auch in meine Richtung geht werd ich mal ein paar allgemeine Worte dazu schreiben !

    Meine Antipathie den Italienern gegenüber bestand schon vor der WM. Ebenso wie zu den Franzosen. Wegen mir hätten sie beide disqualifiziert werden sollen (am besten wegen Dopings) und Germany wäre nachträglich Weltmeister geworden … aber das ist ja nur ein kleines Gedankenspiel …

    Und zum Thema : zu Gast bei Freunden, nur wenn Deutschland gewinnt: Ja, ich bin sehr patriotisch ! SEHR SEHR SEHR ! Allerdings hege ich auch große Sympahthie für Spanien, denen ich es sehr gegönnt hätte, diese WM zu gewinnen, genauso wie den Portugiesen. Oder auch Angola, die ihr Quatier in Celle hatten.

    Und sicher haben die Italiener guten Fußball gespielt, sonst wären sie kaum bei der WM dabei gewesen. Trotzdem wage ich es zu behaupten, das sie im Finale nicht überzeugt haben.
    Und für mich persönlich bleibt meine Meinung das Italiener schmierige Möchtegernlatinos sind die einen auf dicke Hose machen.

  3. ROFL, sorry glückliche Kirsche, aber das klingt so, als wärest du während deines Italienurlaubes von einem italienischen Casanova verführt, entjungfert und danach kalt abgeschoben worden 🙂

    *nichts für ungut*

  4. Ich bin überrascht, wie sehr Du die Italiener in Schutz nimmst. Nicht nur die Franzosen hatten keine tolle Vorrunde, die Italiener waren auch nicht immer überzeugend, wenn ich mich recht entsinne. Mal abgesehen von der schauspielerischen Leistung in der Nachspielzeit gegen die Australier..

    Ich habe mittlerweile völlig abgehakt, dass uns Italien (nicht unverdient) rausgekickt hat. Also ist das simple Argument „schlechte Verlierer“ hinfällig.
    Aber wie oben schon angesprochen, habe ich bei Italien immer die Bilder vor Augen, wie die Spieler noch im Fallen gucken, ob der Schiri auch ja hersieht und dann ein Schauspiel sonder gleichen abziehen.
    Ich fand das Finale nicht nur deshalb so uninteressant, weil Deutschland nicht dabei war, sondern weil sich zwei Defensiv-Mannchaften gegenüberstanden. *gähn*
    Und irgendwie finde ich es nicht so richtig verdient, wenn so etwas Wichtiges im Elfmeterschießen entschieden wird.

  5. @Sharbe: Wir hatten das ja schon ausgiebig im ICQ.

    @Reptile: Wie du siehst ist es doch anders 🙂

    @Haus-Frau: So doof das ist, aber Schauspielerei gehört im Profigeschäft dazu und da kann sich kaum eine Mannschaft ausnehmen. Klinsmann galt zu seiner Spielzeit übrigens auch als „Diver“, der bei jeder Gelegenheit fliegen geht und Deutschland hat dadurch auch mal ein entscheidendes Spiel gewonnen durch einen Elfer, auch wenn heute noch alle beteuern, dass es natürlich ein Elfer war 🙂 Und bezüglich der Vorrunde haben es die Experten wieder auf den Punkt gebracht. Große Mannschaften steigern sich erst im Turnierverlauf auf 100 % Leistung. Deutschland war beim Turnierstart auf 120% und baute nach der Vorrunde etwas ab während die anderen sich kontinuierlich gesteigert haben.

    Und mir gings auch darum, dass eben alle Zidane in Schutz nehmen, da er angeblich so provoziert wurde. Das DARF nicht passieren. Und alles in allem war es dann eben auch hochverdient. Da war ein Abseitstor, das man auch hätte geben können, ein Lattentreffer und noch zahlreiche anderen Chancen nach Standards. Und wenns beide Teams in der regulären Spielzeit nicht hinbekommen, dann müssen die eben ins Elferschießen. Können ja vorher mehr Risiko gehen um das zu vermeiden. Das sollte sich z.B. England mal ins Pflichtenheft schreiben 🙂

  6. Nun bin ich endlich auch wieder in der Heimat und kann mich zu Deinem Posting äußern, da auch ich das Gefühl hatte, dass es ein wenig in meine Richtung ging.

    Dass die Italiener für mich unverdient Weltmeister geworden sind hängt sicherlich nicht daran, dass sie Deutschland rausgekickt haben. Nicht umsonst habe ich geschrieben, dass die Italiener trotz allem „zu Gast bei Freunden“ sind.

    Was mich am meisten gestört hat ist die Tatsache, dass eine so defensiv spielende Mannschaft gewonnen hat. Dass der Kommentator sie sogar dafür gelobt hat, dass sie so tollen Abwehr-Fußball gespielt haben. Und dass das Finale nur durch Elfmeterschießen entschieden werden konnte.

    Meinetwegen ist es so, dass die bessere Defensiv-Mannschaft das Turnier gewinnt, aber dass eine Mannschaft, die nur darauf bedacht ist „hinten dicht“ zu machen nicht gerade meine Sympathie gewinnt ist klar. Ebensowenig wie die Polen im Spiel gegen Deutschland. Ich habe „damals“ den Deutschen den Sieg einzig aus dem Grunde gegönnt, weil sie eben offensiv gespielt haben. Ich bin Zuschauer und will ein interessantes Spiel sehen. Und wenn die Deutschen zwei rein kriegen, dann können sie mit ihrem Offensiv-Fußball selbst vier „rein“ machen und gewinnen (s. Costa-Rica).

    Was mich an den Italiener aber am meisten auf die Palme gemacht hat, war die Tatsache, dass sie sich viele Chancen durch Schauspielerei erschlichen haben (Australien). Und als Rechtfertigung lasse ich da weder gelten, dass andere Mannschaften auch mit Schwalben arbeiten und ebenso wenig, dass Klinsmann in seiner aktiven Zeit auch ein „Umfaller“ war. Das darf keine Rechtfertigung für so einen miesen Stil sein. Tolles Fairplay. Sowas will ich nicht sehen. Will ich auch nicht sehen wenn es mal „für die Deutschen“ wäre.

  7. Könnte ich alles verstehen, wenn Frankreich nun mit erfrischendem Offensiv-Fußball geglänzt hätte, was sie das ganze Turnier durchweg eben nicht getan haben. Kann mich noch an die Experten bei Premiere vor dem Spiel erinnern, die den Franzosen noch schlechter anzusehenden Defensiv-Fußball attestierten als den Italienern. Insofern war schon vor dem Finale klar, dass eine „Mauer-Mannschaft“ gewinnt. Frankreiche spielte durchweg auch nur mit einem Stürmer (Henry) und ließ den glänzenden Trezeguet auf der Bank. Davon ab gab es da heftigste Diskussionen, da Zidane unbedingt offensiver spielen wollte, der Rest der Mannschaft ihn aber überredete, da dies angeblich erfolgreicher wäre.

    Und warum lässt du als Rechtfertigung für grob unsportliches Verhalten eine verbale Provokation gelten und machst aus einem Täter ein Opfer?

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