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Nepper, Schlepper, Bauernfänger

Heute Nachmittag erledigte ich ein paar Einkäufe. Als ich gerade ein paar Getränkekisten in mein Auto einlud, hielt ein Dreier BMW Touring mit einem elegant gekleideten Mann am Steuer. Ob ich ihn verstehen würde, er bräuchte Hilfe. Er sprach mit italienischem Dialekt, war aber deutlich zu verstehen. Als hilfsbereiter Mensch näherte ich mich dieser Person. Er erklärte, dass er gerade auf einem Modekongress gewesen wäre und neue Klamotten seiner italienischen Firma vorgestellt hätte. Er hätte da noch zwei Armani-Jacken, die er gerne verschenken würde. Schon hier war mir klar, was kommen würde, aber aus Hilfsbereitschaft wurde nun Neugier und so erklärte ich, dass ich Geschenken nie abgeneigt bin.

So zeigte er mir die hellbraune Armani-Jacke, die noch in Folie steckte. Auf er Tüte war der Emporio-Schriftzug zu sehen und er schwärmte von der tollen Qualität und dass die Jacke normal 700 Euro kosten würde. Aber er wäre so ein guter Mensch und es wäre ohnehin ein Vorführmodell. Und wie er das so erklärte erinnerte er mich an den schmierigen Wallnussschubser bei RTL damals, der glaube ich Salvatore hieß. Und als er mir die Jacke so hinhielt kam er damit raus, dass er ja auch ein Problem hätte.

Er müsse noch dringend zurück nach Rom und dummerweise würde seine Kreditkarte nicht funktionieren hier. Ob ich nicht ein wenig mit Sprit aushelfen könnte. Der Spaß war hier für mich vorbei. Ich kontrollierte noch kurz, ob meine Brieftasche noch an ihrem Platz war und verständigte vorsichtshalber die Polizei. Denen war die Masche wohl schon bekannt und sie waren froh, dass endlich mal jemand genaue Informationen zu Auto und Person hinterlassen konnte.

Warum ich das alles erzähle? Gute Frage. Es stimmt, die Story ist weder witzig noch unterhaltsam. Sie macht mich krank. Ich kriege das Kotzen, wenn Leute die Gutmütigkeit von anderen ausnutzen. Wir leben in einer zynischen Welt voller Ellenbogendrücker, wo jeder nur an seinen eigenen Vorteil denkt. Niemand achtet auf den anderen. Lieber die Augen zu machen, ja nicht auffallen und in seiner eigenen kleinen Welt leben. Ich kann gar nicht so viel essen um so viel zu kotzen, wie ich eigentlich müsste.

Wenn man einem Bettler in der Stadt 2 Euro in sein Hütchen wirft, dann muss man ja schon Angst haben, dass man sofort danach verprügelt wird. Entweder weil einem einer die 2 Euro klauen will oder weil einem der Bettler vertrimmt, da er Falschgeld vermutet. Ich kann es den Leuten nicht mal verübeln. Menschen kennen nicht mal ihre Nachbarn, neben die sie teilweise seit Jahren wohnen. Man kann nicht mal Pfennigartikel bei eBay verkaufen, ohne dass man übers Ohr gehauen wird. Man kann heute eigentlich Niemandem mehr trauen. So traurig das auch ist.

7 Kommentare zu “Nepper, Schlepper, Bauernfänger

  1. DEN Trick kannte ich noch nicht… Aber ich möchte wirklich wissen, wer böd genug ist, auf so etwas hereinzufallen. Manchmal denke ich, wer auf diese Art hereingelegt wird, hat es einfachnicht besser verident.

  2. Ich verstehe das du echt wütend geworden bist …. ! Geht mir genauso. Ich finds einfach widerlich wie dreist manche Leute nur auf ihren Vorteil bedacht sind und andere ausnutzen und sogar Schaden zufügen. Nur leider werden soche oft noch mit Erfolg belohnt oder bekommen im Hotel Allerblick (JVA Celle) ein nettes Zimmer mit TV, Vollpension und Animationsprogramm. Und dürfen nach ihrem Kurzzeiturlaub dann wieder auf die Straße und weiter machen !
    Liderliche Zustände …

  3. Eine tragische Entwicklung, wenn man hinter jedem und allem gleich eine böse Absicht vermuten muss.
    Ganz schlimm ist es, wenn jemand einen anderen nach der Uhrzeit fragt, und zur Antwort bekommt: Zeit zu Sterben. Und das Gegenüber dann tatsächlich auch noch eine Knarre in der Hand hält. So einem Bekannten in Berlin geschehen. Der konnte sich nur durch schnelles Weglaufen in Sicherheit bringen.
    Eine kranke Gesellschaft.

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