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C.R.A.Z.Y.

C.R.A.Z.Y.

Schon immer gab es große Konflikte zwischen den verschiedenen Generationen. Gerade die 60er und 70er Jahre hatten mit Flower Power, Drogen, sexueller Revolution und letztlich auch in der Musik mit Bands wie den Rolling Stones oder Pink Floyd ihre ganz besonderen Reibungspunkte. Der kanadische Film C.R.A.Z.Y. widmet sich neben einer ganz normalen Familie auch diesen Problemen.

Der kleine Zachary (Émile Vallée) kommt Weihnachten 1960 als Frühegeburt auf die Welt. Die Eltern Laurianne (Danielle Proulx) und Gervais (Michel Côté) sind happy. Der Vater widmet sich dem Kleinen ganz besonders aufmerksam und will ihn zu einem guten Mann formen. Dies gelingt ihm zumindest in den Kindesjahren noch sehr gut, auch wenn Zac hier schon anders ist. Er schiebt lieber den Kinderwagen durch das Dorf und trägt Mamas Klamotten. Für den Vater bricht eine Welt zusammen, als sich andeutet, dass der inzwischen erwachsene Zac (Marc-André Grondin) womöglich homosexuell werden könnte. Zac versucht dies jedoch zunächst zu unterdrücken, was ihm auf Dauer aber nicht gelingt. Der Bruch mit dem Vater ist unweigerlich die Folge. Zac begibt sich auf eine lange Reise um zu sich selbst zu finden.

C.R.A.Z.Y hat so unheimlich viel mehr zu bieten als eine herkömmliche Coming-Out-Story. Natürlich geht es hauptsächlich um den Selbstfindungstrip von Zac, aber die ganzen zwischenmenschlichen Probleme der Familie nehmen einen großen Teil der Story ein. Eigentlich handelt es sich um eine sehr nette Familie, alle mögen sich doch irgendwie untereinander. Das große Problem ist dabei jedoch, dass niemand über die wirklich wichtigen Dinge redet. Alles was Emotionen und Gefühle beinhaltet wird einfach totgeschwiegen. Kein Wunder, dass der älteste Sohn der Familie völlig aus der Bahn gerät.

Enorm wichtig ist jedoch die Beziehung zwischen dem Vater und Zac. Eigentlich versucht der Vater aus Zac nur einen Mann zu formen, der seinen Vorstellungen entspricht. Zac will sich nur die Liebe seines Vaters verdienen und diesen nicht dadurch enttäuschen, anders zu sein. Und das führt zu dieser so schwierigen Beziehung, unter der beide nur leiden. Beide entwickeln mit der Zeit auch total unterschiedliche Interessen. Der Vater hängt immer noch seiner Musikliebe Patsy Cline nach, während Zac mehr eine Beziehung zu den Helden seiner Zeit aufbauen kann wie Pink Floyd und David Bowie.

Den Machern ist es wunderbar gelungen, allen wichtigen Charakteren eine ungeheure Tiefe zu geben. Die Motive und Handlungen sämtlicher Familienmitglieder sind nachvollziehbar und glaubhaft. Und trotz aller Probleme sind sie doch irgendwie eine Familie, die sich immer wieder zusammen rauft und selbst dem schwarzen Schaf der Familie die Treue hält, obwohl er sie eigentlich gar nicht verdient hat. Ein nettes Detail am Rande sind die zahlreichen künstlerischen Anspielungen aufs Christentum. Zacs Mal in den Haaren, seine besondere Gabe und seine abschließende Selbstfindungsreise. Und dann erschließt sich auch der Sinn des Titels der eben nicht aussagt, dass die Familie verrückt ist. Der Soundtrack trägt den Rest zu einem wirklich sehenswerten Film bei. So verwundert es nicht, dass dieser Film bei den Genie-Awards, dem kanadischen Filmpreis so immens abräumte.

Fazit: Anspruchsvoll, witzig und musikalisch perfekt begleitet wird eine eine bittersüße Symphonie über das Erwachsenwerden in den wilden 70ern vorgetragen.

Rating:

★★★★★★★☆☆☆

2 Kommentare zu “C.R.A.Z.Y.

  1. Cooler Freud’scher Fehler…“Zacs MAHL in den Haaren“…hmmmm…lecker…Sonst reite ich sicherlich nicht auf Rechtschreibfehlern herum, weil ich selbst genug mache, aber ein Mahl in den Haaren ist schon was sehr leckeres…;-)

    …ansonsten: wie üblich eine gute, fundierte Kritik.

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