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Das Leben der Anderen

Das Leben der Anderen

Ich ganz persönlich habe kein wirkliches Verhältnis zur DDR. Ich war nie dort, zumindest nicht vor der Wende und wir hatten dort zwar Verwandtschaft, aber eigentlich kamen nur die zu Besuch. Mir war schon klar, dass es dort nicht wirklich so zu ging, wie Sonnenallee, Good Bye Lenin und Kleinruppin Forever es gerne in einer leicht lächelnd, nostalgischen Sicht erzählen. Umso schwerer lag mir dann Das Leben der Anderen im Magen, der einem so direkt nahe bringt, was dort gelaufen ist. Dabei kann man sich nicht rausreden, dass eben alles nur Film ist, denn so oder so ähnlich ist es wirklich gewesen. Nicht auf der anderen Seite der Erde und nicht vor hunderten von Jahren. Sondern hier, gleich nebenan, zu einer Zeit, wo ich schon am Leben war. Beklemmend.

Der Film spielt in den 80er Jahren in Ost-Berlin. Oberstleutnant Grubitz (Ulrich Tukur) will bei einem hohen Tier des ZK der SED Boden Eindruck schinden und setzt daher den umtriebigen Stasi-Hauptmann Wiesler (Ulrich Mühe) auf den Theater-Regisseur Dreyman (Sebastian Koch) und seine schauspielernde Lebensgefährtin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck) an, um kompromittierende Beweise zu sichern. Denn Grubitz glaubt, dass Dreyman politisch nicht das ist, was er vorgibt zu sein. Die Wohnung des Paares wird verwanzt und Wiesler hockt auf dem Dachboden und verfolgt fortan das Leben der beiden. Und genau dies bringt Wiesler zum Umdenken. Denn er muss erkennen, dass es nicht um Loyalität und Solidarität zum Staat geht, sondern um persönliche Interessen, die unter diesem Deckmantel ausgefochten werden.

Es hätte genau so passiert sein können

Das Leben der Anderen erzählt ohne Umschweife, wie ein Regime mit seiner Bevölkerung umgehen kann. Schon der Einstieg des Filmes mit einem elendig langen Verhör bis an die Grenzen menschlicher Belastbarkeit tut beim Zusehen schon weh. Den Verantwortlichen dann noch vor seinen Schülern damit prahlen zu hören aber noch so viel mehr. Wer jetzt aber glaubt, dass hier klassische Schwarz/Weiß-Malerei betrieben wird, der täuscht. Wir sehen glaubhaft eine Wandlung dieser Hauptfigur Wiesler, die überragend von Ulrich Mühe gespielt wird. Und diese Wandlung wird ganz langsam und absolut glaubhaft erzählt. Zunächst hat er Zweifel an der Loyalität Dreymans und geht mit größter Sorgfalt seiner Aufgabe nach. Mit der Zeit erkennt er aber, wie das System ausgenutzt wird, nur um persönliche Interesse von mächtigen Regierungsmitgliedern durchzusetzen. Und da hört für den treuen und pflichtbewussten Wiesler der Spaß auf. Er ist niemand, der groß aufmuckt, er führt seinen eigenen kleinen Kampf, mit dem ihm bestens bekannten Mitteln.

Neben dem glänzenden Ulrich Mühe sehen wir viele sehr gute Schauspieler, was nicht selbstverständlich ist für ein Debüt-Werk. Regisseur und Autor Florian Henckel von Donnersmarck trat bisher hauptsächlich durch Kurzfilme in Erscheinung. Über all dem schwebt aber die herausragende Darstellung von Ulrich Mühe. Immer etwas zurückhaltend mit wenig Mimik ist er das Sinnbild des Stasimannes, wie man es sich wohl im Allgemeinen vorstellt. Ich musste nach dem Film zunächst recherchieren, ob das nun Fiktion oder Wirklichkeit war. Offenbar ist die Geschichte erfunden, was man dem Film nur als Kompliment aussprechen kann. Denn er fühlt sich so verdammt echt an. Es hätte genau so passiert sein können. Erschreckend.

Fazit: Intelligentes Kino über ein Stück deutscher Zeitgeschichte. Glänzende Schauspieler und eine sich langsam entfaltende Story gehen unter die Haut.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

3 Kommentare zu “Das Leben der Anderen

  1. Ich fand den Film auch beklemmend, erdrückend, faszinierend, klasse. Endlich mal keine verklärte „Ostalgie“. Jedoch hätte für mich nach ihrem Tod der Film enden können. Bis zu dem Zeitpunkt war der realitätsnahe Eindruck überwiegend. … Der Schluss aber, dass Dreymann mühelos dahinter kommt, wer ihn bespitzelt hat, ihn sofort beim Prospekteausteilen aufstöbert und ihm abschließend seinen Roman widmet, wohlbemerkt nach der langen Schreibblockade, die er nun Dank der Wahrheit nix-komma-null überwinden konnte. Das war too much für meinen Geschmack. Das war zu sehr „Spielfilm“.

  2. Stimmt schon. Wobei es noch schlimmer gewesen wäre, wenn die beiden sich in die Arme genommen hätten und über alte Zeiten plaudern. Insofern ein halbwegs versöhnliches Ende. Alles davor hatte aber fast schon Doku-Charakter.

    Und Danke für die Rechtschreibkontrolle 🙂

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