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Good Night, And Good Luck.

Good Night and Good Luck

Für George Clooney, der sowohl Autor als auch Regisseur von “Good Night and Good Luck” ist, ist der Film auch gleichzeitig eine Reise in die eigene Vergangenheit. Sein Vater war als TV-Reporter tätig und Clooney hat so einen ganz besonderen Zugang zur Thematik des Films: Aufrichtigen Journalismus.

Die USA in den 50er Jahren. Senator Joseph McCarthy aus Wiconsin macht sich einen Namen als Kommunistenjäger Nummer eins. Er nutzt die Angst der Bevölkerung und jeder, der Kritik an seinen Methoden übt ist entweder Kommunist oder zumindest Sympathisant. Nur wenige trauen sich, ihm die Stirn zu bieten. Einer von ihnen ist der TV-Journalist Edward Roscoe Murrow (David Strathairn). In seiner TV-Show “See It Now” veröffentlicht er einen investigativen Bericht über McCarthy und seine Methoden und stellt die Fragen, die sich niemand zu beantworten traut. Und so kommt eine Lawine ins rollen und der Druck auf Murrow und sein Team steigert sich in ungeahnte Höhen.

Good Night and Good Luck ist ein Plädoyer für den ehrlichen Journalismus, wie es ihn heute viel zu selten gibt vor lauter Sensationen und Entertainment. Wir sehen einen Edward Murrow, der sich den Vorwurf gefallen lassen muss, nicht mehr objektiv zu sein. Das ist er aber sehr wohl. Seine Erklärung dazu ist, dass nur weil man eine andere Meinung hat muss man noch lange nicht seine Objektivität verloren haben. Dabei ist die Geschichte ist schon irgendwie ironisch. Senator McCarthy erlangte damals einen großen Teil seiner Stärke durch das Fernsehen. Er nutzte die Angst der Bürger, was übrigens eine Parallele zur aktuellen politischen Lage in den Staaten ist, um seine Interessen mit jedem Mittel durchzusetzen. Letztlich ist es die Wahrheit und das Rückgrat und die Überzeugung einer Minderheit, die ihm zu Fall bringt. McCarty hat einfach die Wirkung des noch jungen Mediums unterschätzt, die Murrow deutlich besser einzuschätzen und zu nutzen wusste. Senator McCarthy wird nicht als ein böses Monster dargestellt, man beschränkt sich im Film einzig auf die für die Story wichtigen Belange.

ein Plädoyer für den ehrlichen Journalismus

Der Film ist ein exzellentes Stück Ensemble-Kino. Bis in die letzte Nebenrolle ist Good Night and Good Luck exzellent besetzt. David Strathairn sieht Murrow zwar nicht mal sonderlich ähnlich, hat sich aber ähnlich gut für die Rolle vorbereitet wie Philip Seymour Hofman auf seine Darstellung des Capote. Egal ob Strathairn nur dasitzt oder sich bewegt, seine ganze Mimik, Gestik und Körpersprache erinnert sehr an Edward Murrow. An seiner Seite zeigt sich Clooney selbst in der dankbaren Rolle des lieben, schulterklopfenden Produzenten. Stark auch die Rolle des Sendereigentümers, der immer zwischen den Interessen schwankt. Einerseits sich nicht in die Arbeit der Redaktion einzumischen, andererseits aber die eigene Lizenz und die dringend benötigten Sponsorengelder für die CBS nicht zu verlieren. Abseits davon ist der Film clever inszeniert. Die Entscheidung in schwarz-weiß zu drehen ist absolut richtig und verleiht dem Film mehr Authentizität. Die Einspielung von Archivbildern fällt so gar nicht auf und teilweise kommt das Gefühl auf, eine Dokumentation zu schauen. Und durch den minimalistischen Look konzentriert man sich vollends auf die Story.

So ist Good Night And Good Luck ein flammender Appel über Medienverantwortung, die nur allzu oft mit Füßen getreten wird. Trotz aller Nostalgie ist das Thema aktueller denn je, wenn man nur jemals eine Folge der Fox News gesehen hat. Und dann hat man fast eine Träne der Rührung im Auge, wenn man im Film Journalisten über einer Schreibmaschine über einzelne Wörter nachdenken sieht, während heute aktuelle Meldungen eine Minute später auch schon wieder vergessen sind. Es ist bitter im Film zu sehen, wie so ein kompetentes und ehrliches Medium durch Unterhaltung abgesägt wird. Wie sagte es Murrow so passend: “Wir haben eine Allergie gegen unangenehme oder verstörende Nachrichten und unsere Medien reflektieren dies. Fernsehen ist dazu da, um uns abzulenken, irre zu führen, zu amüsieren und zu isolieren.” In diesem Sinne… Good Night And Good Luck.

Fazit: Exzellenter Ensemblefilm über Verantwortung und Kompetenz der Medien im Allgemeinen und der McCarthy-Ära im Besonderen.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

Ein Kommentar zu “Good Night, And Good Luck.

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