Skip to main content

Richtung Leben

Richtung Leben

Vor kurzem gab es in meinem Lieblingsforum den Aufruf, doch bitte für den Film Richtung Leben von Stephan Rick beim Hamburger Nachwuchspreis 2006 zu voten. Ich helfe ja wirklich gerne, aber wenn ich meine Stimme für irgendwas abgebe dann möchte ich auch gerne wissen wofür. Eine Woche später hatte ich die DVD im Briefkasten. Richtung Leben ist für den Nachwuchspreis Hamburg 2006 in der Kategorie Bester Kurzfilm nominiert. Wer sich den Film anschauen möchte, kann dies am 08. April 2006 um 23.30 Uhr im NDR tun oder den Film ganz legal per Bittorrent ziehen (in dem Fall wirklich legal). auf der Webseite des Regisseurs ziehen (BT-Link ist nicht mehr aktiv).

Ich schaue wirklich viele Filme, aber im Bereich Kurzfilme bin ich nicht wirklich bewandert. Insofern sah ich mir den Film völlig vorbehaltlos an und war dann doch sehr überrascht, denn Richtung Leben ist wirklich ein sehr schöner Film. Leider nur 40 Minuten lang erzählt er eine tragisch-komische Geschichte, wie sie wirklich passieren könnte. Überall, sogar in deiner Nachbarschaft.

Der 39jährige Harald (Andreas Windhuis) lebt immer noch bei seiner Mutter und steht ein wenig unter ihrer Fuchtel. Harald tut, was seine Mutter (Beate Abraham) ihm sagt, Geheimnisse gibt es nicht. Na ja, ganz stimmt das nicht, denn Harald hat schon länger geheimen Briefkontakt zu der Thailänderin Somjai (Sutharod Schlegel). Das Geheimnis fliegt auf, als Somjai eines Tages quer durch die Welt fliegt und plötzlich im heimischen Wohnzimmer steht. Harald bricht sein Schweigen für die völlig überforderte und von Verlustängsten geplagten Mutter bricht eine Welt zusammen. Natürlich kann dies Thai-Mädchen nur eine Motivation haben: Ein sicheres Leben in Deutschland mit dem Geld von Harald. Es kommt zu einem Kampf um Liebe, Freiheit und Selbstbestimmung. Zwischen allen Stühlen sitzt Somjai, die mit der ganzen Situation mehr als nur überfordert ist.

Ein wenig erinnerte mich Richtung Leben an In Good Company von Paul Weitz. Es geht darum, sein Leben zu leben. Auszubrechen aus einem Trott, aus der Lethargie eines belanglosen Lebens. Harald hat nie gelernt sein eigenes Leben zu führen und wird quasi von seiner Mutter erdrückt. Erst die gutherzige Somjai hilft ihm, auf die richtige Spur zu kommen und den Antrieb zu bekommen, sein Leben in den Griff zu bekommen und es dann auch zu leben. Und dazu braucht es eben kein großes Happy End, das hätte auch gar nicht zum Film und den Charakteren gepasst. Diese sind wirklich gut besetzt. Die beiden Schauspieler des Harald und seiner Mutter sind auch erprobt aus diversen TV-Serien und Filmen. Für die junge Schauspielerin der Somjai ist es die erste Arbeit, was man jedoch nicht bemerkt. Das kam für mich insgesamt alles sehr glaubhaft rüber und passt einfach. Stephan Rick hat einen wirklich schönen Film abgeliefert, der eine ganz normale Geschichte auf eine sehr ruhige und ansprechende Weise erzählt. Und dafür gebe ich dann auch gerne meine Stimme und drücke ihm auf diesem Wege die Daumen, dass der Preis an ihn geht.

Schaut euch den Film echt mal an, er bietet deutlich mehr Unterhaltung als so mancher Kinofilm. Ich war mehr als nur überrascht.

Rating:

★★★★★★★☆☆☆

Richtung Leben

Kommentar verfassen