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Capote

Capote

Truman Capote (Philip Seymour Hoffman) war in den 50ern das Highlight der New Yorker High Society. Trotz seiner offen ausgelebten Homosexualität, seinen ausladenen Gesten und großen Reden liebten in die Schönen und Reichen. Er hatte gerade “Frühstück bei Tiffany” fertig gestellt und stolperte auf der Suche nach Stoff für eine neue Story über einen brutalen vierfachen Mord in Kansas. Zusammen mit seiner Kollegin Nelle Harper Lee (Catherine Keener) stößt Truman zunächst auf kalte Zurückhaltung in Holcomb. Als er sich jedoch mit dem Sheriff Alvin Dewey (Chris Cooper) anfreundet ist das Eis gebrochen. Die Täter Perry Smith (Clifton Collins Jr) und Richard Hickock (Mark Pellegrino) kommen schnell hinter Gitter. Capote besucht die Häftlinge und beschließt aus der Story ein Buch zu machen. Doch je tiefer Capote bei seinen Nachforschungen gräbt, desto stärker verbindet ihn eine seltsame Freundschaft zum zum Tode verurteilten Perry. Eine Freundschaft, die Trumans Leben veränderten sollte.

Capote ist schwere, bedrückende Kost

Capote ist keine Biographie im eigentlichen Sinne. Der Film beschränkt sich auf die fünf Jahre im Leben des Truman Capote, in denen er seinen Erfolgsroman Kaltblütig (In Cold Blood) schrieb, der gleichzeitig das Genre des Tatsachenromans begründete. Capote ist kein Mainstreamkino, sondern eine Independentproduktion, die komplett am Massenpublikum vorbeigehen wird. Dabei werden viele einen Philip Seymour Hoffman in der Rolle seines Lebens verpassen. Hoffman spielt nicht Truman Capote, er scheint es über weite Strecken des Films zu sein. Seine Gesten, seine Sprache und nicht zuletzt sein Aussehen lassen den in den 80ern an den Folgen einer Alkohol- und Tablettensucht verstorbenen Truman Capote wieder auferstehen. Der Oscar ist somit nicht nur hochverdient, sondern eine Pflichtauszeichnung.

Das ist vielleicht auch das einzige Problem des Filmes, denn der Rest der durchweg hervorragenden Schauspieler kann hier nicht ganz mithalten und wird quasi an die Wand gedrückt. Die Bilder wirken über weite Strecken kalt und verleihen dem Film eine zusätzliche schwermütige Art. Capote macht es dem Zuschauer nicht leicht, da man nie genau weiß, was man eigentlich von ihm halten soll. Ist es wirklich Freundschaft, die Capote mit Perry verbindet oder doch nur bloßes Kalkül um die für ihn so wichtige Story zu bekommen. Die Antwort darauf gibt Trumans späteres Leben. Nie wieder vollendete er einen Roman nach Kaltblütig.

Es ging Capote nicht nur darum, eine Story zu schreiben. Hätte er das getan, wären die beiden Täter nur brutale Monster gewesen. Er wollte die Gründ erfahren und musste so tief in das Geschehene eintauchen. Er fühlte sich zu Perry auf eine gewisse Weise seelenverwandt. Im Film sagt er, dass es ihm vorkäme im gleichen Haus wie Perry aufgewachsen zu sein. Nur wo er das Haus durch den Vordereingang verließ nahm Perry die Hintertür. Capote ist schwere, bedrückende Kost. Aber gute Kost, die einen nicht gleich wieder verlässt. Und obwohl nur fünf Jahre aus dem Leben erzählt werden hat man hinterher das Gefühl, das Wichtigste im Leben des Truman Capotes mitbekommen zu haben.

Fazit: Schwermütige Mischung aus Drama und Biographie mit einem überwältigenden Hauptdarsteller.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

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