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Weg mit den Killerspielen!

Der Kriminologe Christian Pfeiffer hat in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung erneut die Debatte um ein ein Verbot von „Killerspielen“ angestoßen. Für Pfeiffer sind sie eine Erklärung für das schlechte Abschneiden Deutschlands bei der PISA-Studie. Der durchschnittliche männliche Hauptschüler bringe es auf fünf Stunden Medienkonsum am Tag. „Das ist ein krankes Leben“, urteilte Pfeiffer. Wer Ego-Shooter und Kampfspiele spiele, bei dem erhöhe sich die Gewaltbereitschaft enorm. Allerdings lehnte Pfeiffer generelle Verbote der „Killerspiele“ ab. Dafür ist jedoch der niedersächsische Kultusminister Bernd Busemann (CDU). Er „sehe große Gefahren, wenn Kinder und Jugendliche mit diesen Dingen spielen“, sagte Busemann der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung. Die Folgen könnten Traumatisierungen und Verrohungen sein. Er sei für ein Verbot der Herstellung und des Vertriebs solcher Spiele in Deutschland, betonte Busemann. „Wenn die Aufklärung und Beratung in der Schule nicht hilft, dann kann es nur noch ein Verbot geben.“ (via Heise)

Es ist ja fast zum Lachen, wenn es nicht so furchtbar traurig wäre. Vielleicht muss man einfach akzeptieren, dass es Menschen gibt, die schlicht über weniger geistige Kapazitäten als andere verfügen. Ein Gewaltpotenzial gab es ja auch schon vor Einführung von Computern und Spielen dafür. Ich selbst habe mehrere Jahre täglich das finstere „Killerspiel“ Counter-Strike konsumiert. Hat mich das aggressiver gemacht? Nein. Bin ich sozial unter die Räder gekommen und vereinsamt? Nein, im Gegenteil. Kann dies eine solche Wirkung auf andere Menschen haben? Ich bin fest davon überzeugt. Es ist doch so, dass jegliche Übertreibung immer schlecht ist. Das sollte aber nicht Sache des Staates sein, dies zu regulieren. Es gibt Millionen Menschen, die nicht mit Alkohol umgehen können. Fordert dafür jemand ein Verbot? Warum diskutieren wir nicht über ein Verbot von Autos, die werden von Menschen für zu schnelles Fahren missbraucht. Weil sie auch einen Sinn haben? Haben dies „Killerspiele“ nicht auch? Gibt es nicht auch dort eine überaus große Menge, die maßvoll damit umgehen kann und sie als das sieht, was sie eigentlich sind: Entertainment.

Ich frage mich eher, wie es sein kann, dass Schüler stundenlang spielen können, die a) nicht für ihr Alter geeignet sind und b) in der Zeit auch eher was anderes gemacht werden soll. Haben da nicht eher andere versagt? Liegt es nicht eher im Verantwortungsbereich von Eltern, Freund und persönlichem Umfeld dort für Aufklärung zu sorgen? Sollte da nicht jemand mal sagen „Hey, es gibt noch andere Dinge die tu tun kannst!“. Liegt es nicht vielleicht daran, dass Eltern mit der Erziehung eines Kindes überfordert sind und es stattdessen lieber vor die PlayStation abschieben, damit der Quälgeist den Mund hält und beschäftigt ist? Das ist natürlich auch deutlich einfacher, als sich damit auseinander zu setzen. Wenn dem so ist, ändert ein Verbot daran etwas? Ich denke nicht. Verbote machen so etwas erst richtig interessant. Man schaue hier nur mal in die USA. Alkohol unter 21 Jahren ist dort nicht gestattet. Aber wie sieht die Realität aus? Für mich sehen diese ganzen Schreie nach Verboten immer nach purer Verzweiflung aus. Man begegnet etwas, das man nicht versteht.

Aber so kämpft jede Generation für den Erhalt ihres Lieblingsmediums. Rock’n’Roll, Heavy Metal, Killerspiele. Das muss wohl so sein.

14 Kommentare zu “Weg mit den Killerspielen!

  1. Sehe ich genauso. Auch ich habe viel Splatter Shooter konsumiert und komischerweise stehen noch keine Toten auf meiner Liste. Aber man muss ja irgendeinem Medium die Schuld geben.

  2. Ich denke mal sollte das nicht so eng sehen! Viel mehr gehen doch auch Gefahren von gewaltverherlichenden Spielen wie „Need for Speed: Underground 2“ und „Burnout: Revenge“ aus.
    Man stelle sich vor, im erstgenannten kommt es darauf an der Polizei zu entkommen, im zweiten darauf möglichst spektakulär sein Karre zu schrotten und hierbei möglichst viele mitzunehmen … Welch psychologischer Fehlschlag!

    Also bitte, wenn schon indiziert, dann auch sowas!

  3. Selbst sowas zu indizieren, lohnt doch nicht. Ich spiele gerne Killerspiele und Zerstörungsspiele, um mich abzureagieren. Einfach mal richtig die Sau rauslassen und auf Regeln und Folgekosten scheissen.

    Es gibt nix geileres.

  4. @sharbe:
    Richtig! Rennspiele verleiten sicherlich auch viele das ganze dann nach Erlangung des Führerscheins auch mal auf der richtigen Straße zu machen. Wer bei seinen Freunden bei NFS der King ist, der wird nicht 50 im Ort fahren.

    @olli:
    Die Verantwortung der Eltern wird irgendwie nie erwähnt. Letztendlich muss ich als Vater mich doch auch kümmern. Auf Stern-Online gibt es eine Interview-Serie, in der „Promis“ nach ihren Spielgewohnheiten befragt werden. Das Thema Killerspiele wird da auch angeschnitten. Da habe ich gestern auch was zum Verobt gelesen, sinngemäß: „Ich als Mutter entscheide doch auch ob ich meinem Kind Apfelsaft oder Alkohol gebe.“ Das fasst diese elterliche Verantwortung IMHO gut zusammen.

  5. @Andreas

    Dem möchte ich widersprechen. Warum meint man, dass die Menschen nicht zwischen virtueller und realer Realität unterscheiden kann? Ich spiele gerne Autorennspiele, weil ich da rempeln und gegen die Leitplanke brettern kann, soviel ich will. Im echten Auto bin ich einer, der schon bei 52 vorsichtig ausrollen lässt, um wieder auf die 50 zu kommen.

    Dann könnte man laut deiner Aussage auch den Umkehrschluss ziehen, dass Counter Strike zu Waffenbesitz verleitet, denn wer mit ner AK47 gut umgehen kann, wird auch Interesse daran haben, sie in echt mal in der Hand zu halten. Oder dass Fifa die Fußballqualitäten fördert. Oder ein HackTheNet-Gamer jeden PC cracken kann…

  6. Ich vertrete da eine andere Meinung. Der Umgang mit diesen Spielen übt das Hirn gewissermassen im Umgang mit Gewalt. Ob man das nun will oder nicht. Das Hirn lernt es.

    Alle Schuld der Welt auf Ballerspielen abzuladen, ist genauso übertrieben, wie die Verleugnung der menschlichen Biologie. 😉

  7. Da hast du durchaus Recht, Olli. Mich stören an der ganzen Diskussion auch nur die extremen Meinungen. Auf der einen Seite die Forderer des Verbots, auf der anderen Seite die spielenden Verteidiger, die natürlich alles verharmlosen. Ich persönlich bin auch der Meinung, dass ein 12jähriger zum Beispiel kein Counter-Strike spielen sollte. Aber deswegen muss man das Spiel doch nicht verbieten. In Deutschland gibt es ein funktionierendes, rechtlich verbindliches Freigabesystem mit der USK als Prüfgremium. Das ist weltweit einzigartig. Solche Spiele sind nicht für Kinder bestimmt. Dass sie diese trotzdem problemlos und auch in Übermaßen konsumieren ist das eigentliche Dilemma. Daran ändert ein Verbot aber auch nichts.

  8. In dieser Sache muss ich dir wiederum zustimmen. Es gibt nicht ohne Grund diese Prüfstelle und die Eltern sollten sich an diese Richtlinien, wenn auch nur freiwillige Richtlinien, halten.

    Da darf man den Fehler aber nicht wiederum im Spiel suchen. Das Spiel selber ist vorhanden und von der FSK mit 16 oder gar 18 eingestuft worden. Und wer das Spiel erst ab diesem Alter spielt, der kann die Story darin und die Realität (meist) auseinanderhalten.

    Des Weiteren denke ich auch nicht, dass NFS-Spieler, ob gut oder schlecht, nun gleich Raser sind. Es gehört mehr dazu, ein „Raser“ zu sein, als nur NFS zu spielen. Man ist halt ein Raser oder ist ein vorsichtiger Fahrer. Das liegt einem schon im Blut. NFS gibt dem Raser nur die Möglichkeit, die durch Regeln eingeschränkte Realität in der Virtualität ausleben zu können.

  9. @Phil:

    Teils gebe ich Dir Recht, teils nicht. Okay, sicher war es zu pauschal zu sagen, dass „jeder NFS-Spieler ein Raser ist“. Und sicherlich lassen sich auch Disco-Unfälle nicht darauf reduzieren, dass da mal jemand das echte Lenkrad mit dem PC-Lenkrad verwechselt hat. Ich fordere ja auch kein Verbot von NFS & Co., weil „einige“ dadurch zum Rasen verleitet werden könnten.

    Ich würde eher dem Ansatz von Olli mit i zustimmen. Das Gehirn gewöhnt sich an „sowas“. Sei es Gewalt oder Rasen. Das geht ganz subtil vor sich. Klar können die meisten zwischen virtueller und realer Welt unterscheiden, aber „Pappnasen“ gibt es immer, die meine „Wenn ich bei NFS Streckenrekorde aufstelle, dann zeigt das doch was ich für ein tolles Reaktionsvermögen habe. Dann muss ich auch ein toller Fahrer sein.“ Und sobald jemand das „sich vom Alltagsstress entspannen“ vom Monitor auf die Straße verlagert und damit auch MEIN Leben gefährdet finde ich es nicht lustig.

    Dass der „Schul-Mörder von Erfurt“ noch ein paar größere Probleme hatte als einen täglichen stundenlangen CS-Konsum, daüber sind wir uns einig.

  10. Olly, ich kann dir nur zustimmen. Die Unfähigkeit, das Unvermögen oder viel schlimmer, die Gleichgültigkeit vieler Eltern, führen zu diesen Auswüchsen. Kein Verbot wird da helfen. Kinder vor den Computer und den Fernseher abzuschieben, ist bequemer. Sich mit den Kindern/Jungendlichen auseinanderzusetzen ist anstrengend und erfordert viel Energie. Typische Haltung: Lass doch die anderen machen, d.h. die Schule, den Staat,

    Die Folgerung , wer KILLerspiele ist gewaltbereiter, ist mir zu simpel. Wie viele Gewalttäter gibt es, die nie aufgefallen sind, nie Computerspiele gespielt haben, immer freundlich, nett und höflich waren, und trotzdem in ihrem Kämmerlein und nicht nur dort Leute umgebracht haben.

    Und die Computerspiele mit unserem miserablen Bildungssystem und der Pisa-Studie in Verbindung zu bringen, halte ich für absurd. Schuld abwälzen für eine verfehlte Bildungspolitik und das Versagen der Politiker. Armes Deutschland.

  11. @Andreas

    Diese Pappnasen gibt es aber überall. Die kann man nicht ausschließen. Man muss auch eine gewisse Antenne dafür haben (Coolnessbewusstsein, den entsprechenden Freundeskreis der REALE Rundenzeiten bewundert, eingeschränkte Denkfähigkeit, etc). Man kann bei einem Kauf nicht noch nach Schulabschluss und sozialen Umfeld fragen. Das ist ein Risiko, das es gibt, aber keiner ausschließen kann.

    Das ist aber mit allem so, an das der Mensch kommt. Eine kleine Randgruppe fällt immer aus dem Rahmen. Die muss man zwar besonders beobachten, aber in Statistiken fallen sie IMO dank geringster Prozentzahlen heraus.
    In was für einer Welt müssten wir sein, wenn CS -wenn auch nur unterbewusst- gewaltverherrlichend und NFS -subtil- zum Rasen animiert? Schließlich spielen viele Jugendliche CS und NFS. Nur wenige fallen auf. Der Rest hat einfach Spaß dran. Hält alten Frauen die Tür auf und juckelt mit 50 durch die Ortschaft.

  12. @Phil:

    Ich sage ja nicht, dass NFS-Spielen naturgesetzmäßig zum Raser macht oder dass CS-Spieler ein höheres Potenzial an Aggressionen haben und das dann – natürlich – in realer Gewalt auslassen. Was ich einzig sagen will ist, dass es auf einige, wenige einzelne (s. mein voriger Comment) eine solche Wirkung haben kann.

    Klar kann es nicht sein, dass die Schuld für die „Verrohung der Jugend“ auf Computerspiele abgewälzt wird. Aber bei einzelfällen will ich das nicht ausschließen. Mir fällt schon auf, dass sowohl die Gewaltbereitschaft als auch die Härte der tatsächlich ausgeübten Gewalt stark zugenommen hat. Raufereien gab es auch schon zu meiner Schulzeit, aber da wurde weder ins Gesicht geschlagen noch auf den am Boden liegenden Kontrahenten eingetreten. Dafür nur einen Faktor als Auslöser heranzuziehen ist zu einfach. Klar spielt da einiges zusammen: Kids sehen im Fernsehen mehr Gewalt als ich in meiner Jugend, danach sehen sie in ihrem Spiel, dass Gewalt ein probates Mittel ist, um sich Gegner aus dem Weg zu schaffen – Belohnung mit Highscores inklusive.

    Noch mal: der Großteil – selbst der 12jährigen – kann zwischen virtueller Welt und Realität differenzieren. Aber wenn ich mich umsehe, dann sehe ich auch mehr und mehr „Prolls“, die diese Unterscheidung nicht unbedingt beachten.

  13. Was ich einzig sagen will ist, dass es auf einige, wenige einzelne (s. mein voriger Comment) eine solche Wirkung haben kann.

    Ist mir zu kurz gesprungen. Ich glaube (und weiss aus diversen Gesprächen mit Menschen, die Gewaltbereitschaft erforschen), dass das jeden Manipuliert. So ist die Biologie. Niemand wird deswegen zum Massenmörder. Und man entferne sich gedanklich auch mal vom AK47. Es steigert ganz allgemein die Gewaltbereitschaft. Also übt Aktionen, schneller – mit geringerer Hemmschwelle – Gewalt auszuüben. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger.

    Dass der “Schul-Mörder von Erfurt” noch ein paar größere Probleme hatte als einen täglichen stundenlangen CS-Konsum, daüber sind wir uns einig.

    selbst wenn er andere / grössere / kleinere / noch andere Probleme hatte, was ändert das? Nix, die Gewaltbereitschaft wird angehoben. Das ist genauso wie Autofahren. Es übt halt.

  14. Es gibt eine neue Studie, die im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) durchgeführt wurde.
    Laut dieser Studie sind Computerspieler, die Rennspiele spielen, nicht gefährdet, im realen Leben ebenso zu fahren wie im Spiel. Zwar hätte „Vielspieler“ einen leichten Hang, nach absolvierten Computerfahrten auch auf der Straße dichter aufzufahren und rasanter zu sein, doch alles in einem Rahmen der nicht Besorgniserregent ist.
    Genaueres könnt ihr im folgenden Link lesen: zum Artikel der Studie

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