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Syriana

Syriana

Hollywood scheint sein ernstes Jahr einzulegen. Zunächst Der ewige Gärtner, dann Lord of War und nun Syriana und weitere Filme werden folgen. Man könnte es sich leicht machen und sagen, dass Syriana wie Traffic mit einem Erdöl-Thema ist. Das würde im Grunde auch stimmen, aber Syriana ist noch viel mehr. Der Film zeigt deutlich, dass es viel zu wenig Öl auf der Welt gibt, um alle Interessenten zu befriedigen. Und die, die es letztlich haben wollen, werden alles dafür tun. Angesichts der weltpolitischen Lage ein mutiger Schritt, so einen Film in die Kinos zu bringen.

Bob (George Clooney) ist Agent beim CIA und wird gerne damit beauftragt, für die US-Regierung problematische Leute aus der Welt zu schaffen. Ein solches Problem ist Prinz Nasir (Alexander Siddig), der sich mit seinem grenzdebilen Bruder um die Nachfolge eines mächtigen Emirs im Mittleren Osten streitet. Nasir gilt als mutiger Reformer, der auf alternative Energien setzt und gerade ein Geschäft mit den Chinesen abgeschlossen hat. Beraten wird er dabei vom Finanzexperten Woodman (Matt Damon). Klar, dass die USA den anderen Bruder lieber als neuen Emir sehen würden. Parallel dazu soll die Fusion zweier gigantischer Ölkonzerne eingefädelt werden. Anwalt Holiday (Jeffrey Wright) soll die Fusion überprüfen und stößt dabei auf Korruption und Betrug. Unter Verdacht stehen die beiden Firmeninhaber Whiting (Christopher Plummer) und Pope (Chris Cooper). Im Kontrast zu diesen Geschichten steht der Werdegang eines jungen Pakistani (Mazhar Muzir), der von muslimischen Terroristen unbewusst gedrillt wird.

ein hervorragender Film

Zugegeben, das klingt durchaus kompliziert und das ist Syriana auch mit seinen zahlreichen parallel verlaufenden Handlungssträngen, die sich immer wieder überkreuzen. Zeitweise hätte ich mir gewünscht, man würde etwas mehr bei der Hand genommen von der Erzählweise. Es ist nicht leicht, dem Film zu folgen mit seinen vielen verschiedenen Handlungsorten. Im Gegensatz zu Traffic, an den mich Syriana sehr erinnerte, fehlen hier die optischen Hinweise. Aber wie Traffic ist Syriana ein hervorragender Film, der sich diesem aktuellen Thema auf eine intelligente Weise annimmt. Es ist nicht leicht diesen Film zu besprechen, ohne zu viel zu verraten. Am Ende erschließt sich dem aufmerksamen Zuschauer das große und beklemmende Ganze, das einen so schnell nicht loslässt. Und man hat dann das Gefühl einen großen und wichtigen Film gesehen zu haben, ohne zu wissen, was eigentlich genau so gut war.

Syriana strotzt voller guter Schauspieler. George Clooney überrascht als fetter Bartträger, der mehr als nur überzeugend rüberkommt. Überrascht hat mich Alexander Siddig, den ich noch als lustigen Arzt aus Deep Space Nine kannte. Seine Leistung als Prinz Nasir ist ausgezeichnet und das hätte ich ihm nicht zugetraut. Von Christopher Plummer, Chris Cooper und Jeffrey Wright gibt es wie gewohnt sehr gute Leistungen und selbst Matt Damon kommt nicht allzu schlecht weg. Der eigentliche Clou ist jedoch das Drehbuch von Stephen Gaghan, das auf den Erinnerungen eines ehemaligen CIA-Mannes beruht. Und so wirkt Syriana auch oft nicht wie ein Film, sondern wäre man selbst gerade nur stiller Beobachter einer Geschichte, wie sie heute jeden Tag passieren könnte in den Regierungen dieser Welt. Syriana ist ohne Zweifel zunächst anstrengend zu schauen, aber am Ende wird man belohnt.

Fazit: Intelligentes, ernstes Hollywood-Kino über Korruption im Ölgeschäft und den Missbrauch von Geheimdiensten. Brisanter kann Kino kaum sein.

Rating:

★★★★★★★☆☆☆

Ein Kommentar zu “Syriana

  1. Natürlich! Nasir war der Doktor in Deep Space Nine. Und ich habe überlegt, woher ich den Schauspieler kenne…

    Der Film basiert übrigens auf dem Buch „See no evil“ von Robert Baer. Das ist der ehemalige CIA-Mann.

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