Skip to main content

Lord of War

Lord of War

Es gibt mehr als 550 Millionen Schusswaffen auf diesem Planeten. Jeder zwölfte Mensch besitzt eine Waffe. Die Frage lautet: Wie bewaffnet man die anderen elf? Wer mit dieser Art Zynismus nichts anfangen kann, sollte einen großen Bogen um Lord of War machen, einem der ersten Filme des neuen kritischen Hollywoods. Lord of War fühlt sich über weite Strecken an wie ein Michael-Moore-Film, nur mit dem Unterschied, dass der kleine dicke Mann mit Schirmmütze nie auftaucht.

Yuri Orlov (Nicolas Cage) lebt als Sohn einer ukrainischen Auswanderer-Familie in Little Odessa/New York. Als er genug vom Aushilfsjob im Restaurant der Eltern hat, beschließt er mit seinem Bruder Vitaly (Jared Leto) ins Waffengeschäft einzusteigen. Nach mehreren kleinen Deals erkennt Orlov, dass das große Geld nur bei richtigen Kriegen zu verdienen ist, nicht zwischen Banden sondern zwischen Nationen und Völkern. Vitaly zerbricht schnell an den Folgen des moralischen Zwiespaltes und endet im Drogensumpf. Yuris Stern strahlt jedoch heller als je zuvor. Geld, Erfolg und schlussendlich auch die Traumfrau in Form des Ex-Models Ava Fontaine (Bridget Moynahan). Die Behörden werden auf Yuri aufmerksam und besonders Interpol-Agent Jack Valentine (Ethan Hawke) trägt eine persönliche Fehde mit ihm aus, doch Yuri scheint immer den entscheidenden Schritt voraus zu sein. Doch was zählt das letztlich in einer Welt ohne Moral?

Lord of War ist ein mutiger Film

Yuri ist ein begnadeter Verkäufer, der mit einem Handstreich alle moralischen Zweifel beiseite wischt. Denn wenn er sagt, dass halt jemand anders die Waffen verkaufen würde, wenn er es nicht macht ist zwar irgendwie pervers aber auch richtig. Er verkauft Waffen an jede Armee dieser Welt mit Ausnahme der Heilsarmee und Osama Bin Laden. Nicht etwa aus moralischen Gründen, sondern weil dessen Schecks nie gedeckt sind. Und so wird das Thema illegaler Waffenhandel nicht mit dem moralischen Zeigefinger, sondern mit sehr viel Zynismus transportiert. Das Ganze geht etwas in die Richtung von Three Kings.

Dabei fühlt man sich dann doch immer etwas hin und her gerissen, denn man ist es nicht gewöhnt, dass ein so ernstes Thema so unterhaltsam präsentiert wird. Krieg als Entertainment? Wenn nach einem guten Deal einige Kindersoldaten mit den gerade gelieferten Waffen hingerichtet werden, dann kann Yuri das nur mit einem sich selbst beruhigenden “Das ist nicht unser Krieg” quittieren. Wie sehr Orlov in seinem Job aufgeht erkennt man, wenn er in Afrika beinahe erschossen wird und sein Leben einer Ladehemmung verdankt. Anstatt wegzulaufen entschuldigt er sich bei den Tätern und versichert, dass dies sonst nie passiert. Sein Leben ist nicht mehr gestützt von moralischen Vorstellungen sondern nur noch vom schnellen Profit und der möglichst großen Marge. Und selbst als seine Familie und sein ganzes Leben in Trümmern liegt denkt er nur an das nächste Geschäft.

Lord of War ist keine leichte Kost, kein Wunder bei Themen wie illegaler Waffenhandel, Völkermord und Kindersoldaten. Das alles kennt man zu Genüge aus dem täglichen Abendprogramm. Der Film regt letztlich aber auch dazu an, dass Ganze mal zu hinterfragen. Und so kann der Film dann trotz seiner ernsten und schweren Thematik sehr gut unterhalten. Die Besetzung kann man getrost als extrem gelungen bezeichnen. Nicolas Cage ist die Rolle des weltmännischen Waffenhändlers auf den Leib geschrieben und seine zynischen Kommentare aus dem Off sind sehr gut geschrieben. Besonders gut gefiel mit Ian Holm als einflussreicher Konkurrent von Orlov, der schön zurückhaltend spielt. Stark sind auch immer die Szenen, wo Ethan Hawke im Zwiespalt mit Nicolas Cage zu sehen sind.

Lord of War ist ein mutiger Film, der nur dank europäischer Geldgeber realisiert werden konnte. Voller Zynismus widmet er sich einem Tabuthema, dass aktueller nicht sein könnte. Und gerade am Schluss, wenn man glaubt, dass Orlov am Ende ist, dreht Regisseur Niccol noch mal ganz groß auf und stellt genau die richtigen Fragen. Fragen, die vielen nicht gefallen dürften.

Fazit: Ernste Themen in einem zynischen und unterhaltsamen Film verpackt, der zum Nachdenken anregt.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

4 Kommentare zu “Lord of War

  1. Hi,

    ganz schön fand ich die Eingangsszene zum Film. Du hast aber vergessen zu erwähnen, dass laut Film durchschnittlich jeder zwölfte Mensch auf der Erde eine Waffe besitzt. Die Frage ist, wie wir die anderen elf bewaffnen können.

    Dann diese Reise mit der Muni, wow!

    thnx. Omar

  2. Das steht doch gleich im ersten Absatz 🙂 Ich habe halt nur nicht die ganze Szene beschrieben, die zugegeben ebenso cool wie traurig war.

Kommentar verfassen