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The Woodsman

The Woodsman

Leider im Kino verpasst und jetzt auf DVD nachgeholt: The Woodsman. Ich wünschte, ich hätte beim Anschauen des Filmes nicht gewusst, was das zentrale Thema des Filmes ist. Ohne dieses Wissen wäre der Film vermutlich noch eine ganze Klasse besser gewesen.

The Woodsman erzählt die Geschichte von Walter (Kevin Bacon), der als Pädophiler zwölf Jahre hinter Gittern gesessen hat und nun wieder in die Gesellschaft integriert werden soll. Er soll zeigen, dass er dem gesellschaftlichen Standpunkt nach normales Leben führen kann und nicht wieder in sein altes Muster zurückfällt. Einzige Stütze ist ihm dabei seine neue Freundin Vicki (Kyra Sedgwick), die er nur sehr langsam an sich ran lässt.

die Oberhand über den eigenen Dämon zu behalten

The Woodsman versucht nichts zu erklären, er bittet nicht um Verständnis, er zeigt lediglich den Versuch eines Mannes, ein “normales” Leben zu führen. Kleine Mädchen üben eine sexuelle Anziehungskraft auf ihn aus. Gleichzeitig weiß er aber, was er damit anrichtet und dass es gesellschaftlich nicht normal ist. So versucht er immer wieder auszuloten, wie weit er gehen kann, ohne rückfällig zu werden, sich selbst auf die Probe zu stellen. So zieht er in die Nähe einer Schule, wo er täglich Kinder sieht. Den Kampf mit sich selbst immer wieder zu kämpfen ist seine große Herausforderung und die eigentliche Spannung des Filmes. Es geht nicht um das Verhalten seiner Familie oder der Arbeitskollegen, die von seiner Vergangenheit mitbekommen, auch wenn dies am Rande behandelt wird. Und das macht den Film letztlich auch so gut.

Getragen wird The Woodsman von einer herausragenden Leistung des oft unterschätzten Kevin Bacon. Die Hauptfigur Walter ist nach innen gekehrt und sehr zurückhaltend, entsprechend ruhig und ausdrucksstark spielt Bacon diese Rolle, die eigentlich in einer Oscar-Nominierung hätte enden müssen. Allein die Szene im Park, wo Walter die kleine Robin trifft, ist so intensiv, auch dank Bacons Schauspiel, dass es einen fast zerreissen könnte. Man sieht wie schwer er mit sich am kämpfen ist, um die Oberhand über den eigenen Dämon zu behalten. Wie vieles im Film ist das durchaus schwere Kost, die nicht leicht zu verdauen ist. Über dem ganzen Film liegt eine extreme Schwere. Aber mir hat extrem gut gefallen, wie sich Regisseurin Nicole Kassell diesem Stoff genähert hat. Eine mutige Entscheidung. Genau wie die, das Ende offen zu halten, denn für Walter wird sein persönlicher Kampf ein Thema sein, das ihn sein ganzes Leben begleiten wird. Wir waren nur Teil einer kurzen Zeit davon.

Fazit: Mutiger Film über ein Tabuthema, das hier nicht beschönigt wird sondern auf einem völlig neuen Wege behandelt wird. Absolut sehenswert.

Rating:

★★★★★★★☆☆☆

2 Kommentare zu “The Woodsman

  1. Hoi Olly! Klingt ja wirklich interessant. Ich habe schon immer Bacon für mega-unterschätzt gehalten. Hast du ihn in Mystic River gesehen? Grandios! By the way: Ich werfe dir jetzt mal ein „Kino-Stöckchen“ 😛 zu. (Gibt`s so was schon oder habe ich das jetzt erfunden ?) Eine moralisch-intellektuelle Herausforderung namens „Cache“. Würde mich wirklich interessieren, was du von dem Film hältst. Falls du noch nichts darüber gehört hast, kannst du meine Meinung auf meiner Page lesen. Meine Kritik ist spoilerfrei… Bin gespannt auf deine Antwort… Gruss aus meinem Nachtdienst,
    Daniel

  2. Als großer Verehrer von Clint Eastwood (zumindest als Schauspieler und Regisseur) habe ich den natüriich sogar im Schrank stehen und das ganz großes Kino, wenn er auch nicht ganz an Million Dollar Baby heran kommt. Caché stand auf meiner Liste, ist aber inzwischen bei uns schon wieder raus aus dem Kino. Lief leider nur in einem kleinen Programmkino und wie so oft wollte keiner mit in so einen Film. Meist zieht’s die Leute dann eben doch in die Mainstream-Produktionen. Schade drum, aber dann eben auf DVD, bin nun echt neugierig nach deiner Rezension.

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