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Walk the Line

Walk the Line

Die Aufgabe von Walk the Line ist eine etwas undankbare. Wie soll man die Kinozuschauer mit einer Biographie eines Musikers begeistern, wenn es bereits vor einem Jahr den erstklassigen Ray gab. Beide Filme sind sich in ihrer grundsätzlichen Geschichte sogar sehr ähnlich. Schwierige Kindheit, Start einer großen Karriere, schneller und großer Ruhm, Tourneen und Drogenexzesse, tiefer Fall und ein Comeback wie Phoenix aus der Asche. Doch auch mit diesem Bewusstsein ist Walk the Line eine ganz große Nummer im Kinojahr 2006.

Walk the Line erzählt die Geschichte der US-Country-Legende Johnny Cash, der im September 2003 verstarb. Der Film konzentriert sich dabei vornehmlich auf die Drogenprobleme und die Beziehung zu June Carter. Ebenfalls sehr wichtig ist das schwierige Verhältnis zu Cash’ Vater und der früher Unfalltod des Bruders. Abschnitte wie seine Zeit bei der Air Force sowie der Weg zur ersten Ehe werden nur sehr kurz abgehandelt. Andere Aspekte wie Cash’ Leben nach 1968 fallen dabei komplett unter den Tisch, was aber aus dramaturgischer Sicht die richtige Entscheidung war.

Walk the Line hat mich von der ersten bis zur letzten Minute begeistert

Getragen wird Walk the Line durch die herausragende Performance von Joaquin Phoenix in der Rolle des Man in Black. Optisch ist Phoenix nicht mal die erste Wahl, wenn man sich die Rolle des Casting-Chefs versetzt. Cash war deutlich kräftiger und hatte eine imposantere Erscheidung. Abseits davon verkörpert Phoenix Cash aber perfekt, dank seiner besten Leistung in seiner Laufbahn. An seiner Seite überrascht Reese Witherspoon in einer starken Frauenrolle als June Carter, die zunächst Vorbild, dann Kollegin und Freundin und später große Liebe im Leben des Johnny Cash wird. Was noch überraschender ist, beide singen alle Songs im Film selbst und das in einer Qualität, die wirklich alle Achtung verdient und den Soundtrack zu einer Pflicht-CD macht.

Gerade die Abschnitte mit Musik bringen dann auch die für einen Film dieser Art so wichtigen magischen Momente. Wenn im Gefängnis von Felsom die Gefangenen im Takt der Band mit den Füßen stampfen und Cash die Bühne betritt und sein bekanntes “Hello, I’m Johnny Cash” in die Menge schreit, dann ist Gänsehaut angesagt. Ebenso, wenn Cash als schüchterner, junger Mann das erste Mal vorspielt und mit seinen Gospel-Songs so gar nicht ankommt. Dann als Ausweg aus der Misere einen seiner selbstgeschrieben Songs anstimmt und wir dabei sind, wenn einer der wichtigsten Musiker der USA geboren wird.

Ich selbst bin kein großer Freund von Country-Musik, aber Walk the Line hat mich von der ersten bis zur letzten Minute begeistert. Ich war am Ende sogar ein wenig traurig, dass der Film schon zu Ende war. Johnny Cash hat offenbar viele Fehler in seinem Leben gemacht, aber irgendwann dann doch die Kurve bekommen. James Mangold hat mir mit Walk the Line eine Person näher gebracht, von der ich bisher nicht viel wusste. Ich kannte bisher nur seine wichtigsten Songs. Und was wäre für eine Biographie mehr Lob als diese Tatsache?

Fazit: Bewegendes Musiker-Biopic mit überragenden Hauptdarstellern und tollem Soundtrack.

Rating:

★★★★★★★★★☆

Ein Kommentar zu “Walk the Line

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