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Der ewige Gärtner (The Constant Gardener)
Fernando Meirelles lieferte mit City of God 2004 einen Überraschungshit ab und wurde für diese Regiearbeit für den Regie-Oscar nominiert. Sein nächstes Werk wählte er mit Bedacht und so nahm er sich dem Roman Der Ewige Gärtner” von John le Carré an. Der Bestseller erzählt vom Missbrauch an Aidskranken in Afrika durch Pharmakonzerne, die dort auf billigste Weise ihre Medikamententests ohne Rücksicht auf Verluste durchführen.
Tessa (Rachel Weisz) und Justin (Ralph Fiennes) sind total verschieden und lernen sich zufällig kennen. Justin ist Regierungsvertreter und Tessa Aktivistin mit viel Herzblut. Nachdem sie ihn öffentlich attackiert hat gehen beide einen Kaffee trinken, landen im Bett und heiraten schnell. Als beide in Afrika weilen wird die Leiche von Tessa zusammen mit dem toten Fahrer aufgefunden. Zunächst sieht alles nach einem Verbrechen aus Leidenschaft aus, denn Tessa wurde ein Verhältnis zu Dr. Arnold Bluhm (Hubert Koundé) nachgesagt, der auch verschwunden ist. Justin glaubt nicht an diese These und nimmt die Ermittlungen in die eigene Hand. Seine Nachforschungen bringen ihn auf die Spur eines riesigen Skandals, die auch sein eigenes Leben bedroht. Doch sein Wunsch, die endgültige Wahrheit zu erfahren lässt ihn nicht ruhen. Justins Weg ist gefährlich und bringt Justin nicht nur der Lösung näher sondern auch seiner Frau.
Für Fernando Meirelles bedeutet dies den Sprung in die vorderste Reihe der Regisseure
Eher ungewöhnlich beginnt Der Ewige Gärtner mit dem tragischen Tod von Tessa und gliedert sich dann grob in zwei Handlungsstränge. In einem nimmt Ehemann Justin die Ermittlungen auf und forscht im fernen Afrika nach den wahren Begebenheiten von Tessas Tod. Im anderen Strang erleben wir eine romantische Liebesgeschichte, die auch gleichzeitig die Antriebsfeder für Justin ist. Es ist faszinierend zuzusehen, wie Meirelles diese beiden Stränge geschickt mit Überblendungen und Rückblenden verwebt hat. Oft wird etwas nur angerissen, dann kurz unterbrochen und am Ende zu Ende erzählt. Die Liebesgeschichte ist hier nicht schmückendes Beiwerk sondern die Motivation und Erklärung für Justins Handeln. Beide haben sich zwar lieben aber nur bedingt kennen gelernt. Erst mit seinen Ermittlungen erfährt Justin, wer Tessa eigentlich war und warum es in seinem Leben auf einmal so verdammt leer ist.
Der Ewige Gärtner wird als Thriller beworben, was nur bedingt zutrifft. Einen richtigen Thrill gibt es nicht und insgesamt wird die Geschichte eher ruhig und auf eine besondere Weise fast dokumentarisch erzählt. Das liegt zu einem großen Teil auch an der überzeugenden Optik. Teilweise hat man das Gefühl mitten im Geschehen zu sein. Visuell erinnert der Film an City of God. Meirelles setzt auf Unschärfe, wackelnde Handkameraaufnahmen und vielen perspektivischen Spielereien. Das verleiht dem Film einen authentischen und letztlich auch originellen Look. Je nach Handlungsort wird auch viel mit Farbfiltern gespielt, der Vergleich zu Steven Soderberghs Traffic drängt sich ein wenig auf. Die Besetzung trägt ihr übrigens zum sehr guten Gesamtbild bei. Ralph Fiennes spielt ganz groß auf, vor allem in der ersten Hälfte des Filmes. Man achte nur auf sein Gesicht bei der Nachricht vom Tode seiner Frau. Nur durch seine Mimik bringt Fiennes mehr Emotionen rüber als es andere Schauspieler oft in 90 Minuten Film nicht schaffen. Rachel Weisz bildet dazu das passende Gegenstück. Die eigentliche Gegensätzlichkeit beider Figuren kommt gut rüber. Die Nebenrollen sind mit so routinierten Profis wie Bill Nighy oder Danny Huston besetzt, da passt einfach alles zusammen.
Alles in allem ist Der Ewige Gärtner herausragendes Kino. Eine Mischung aus einer überzeugenden Liebesgeschichte und einem durchaus spannendem Politkrimi, der nicht unberührt lässt. Obwohl die zugrunde liegende Geschichte fiktiv ist weckt sie den Zuschauer dennoch auf. Denn wie viele ähnliche Geschichten mag es wohl wirklich geben, über die einfach ein dicker Mantel der Korruption gedeckt wird. Für Fernando Meirelles bedeutet dies den Sprung in die vorderste Reihe der Regisseure, für Ralph Fiennes einmal mehr eine glänzende Performance in einer Charakterrolle.
Fazit: Politkrimi der wütend beginnt, am Ende in bewegende Trauer umschlägt und komplett ohne Pathos und übertriebener Moral auskommt.
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5 Comments to “Der ewige Gärtner (The Constant Gardener)”
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Frisch kommentiert
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- 15 von 24 Kategorien richtig getippt. Ich hab's ja doch nicht verlernt :) 4 days ago
- @probek Japp, werde es mir dieses Jahr wohl wieder bis zum bitteren Ende geben, auch wenn ich einige Filme noch nicht gesehen habe. in reply to probek 5 days ago
- @probek Besten Dank für die "Einladung". Habe meine Tipps gerade abgegeben. Bist du "live" dabei? in reply to probek 6 days ago
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Hoi Olly, ein toller Film, nicht? Ich mag vor allem die Optik und teile deine Meinung in jeglicher Hinsicht und bin gespannt, wie der Film bei den Golden Globe Verleihungen heute und beim Oscar in 2 Monaten abschneiden wird. Regie und Nebendarstellerin hätten`s wirklich verdient. Was tippst du?
Gruss
Daniel
P.S.
Übrigens mag ich deinen Schreibstil wirklich sehr. Was hältst du von asiatischen Filmen bzw. Regisseuren wie Takeshi Kitano oder Kim Ki Duk?
Ui, heute sind die Globes dran? Hätte ich fast verpasst. Denke aber gegen Munick, Brokeback Mountain usw. wird er es schwer haben. Ansonsten Danke für’s Lob, das ist natürlich Ansporn. Mit asiatischem Kino kann ich nicht so viel anfangen.
Von Kitano hörte ich viel Gutes über Hana-Bi, Ki-Duk Kim hat doch Bin jib gemacht, oder?
Naja, wir hatten mal wieder beide recht. Brokeback Mountain war der grosse Gewinner, aber Rachel Weisz hat einen Golden Globe für ihre Rolle in “Constant Gardener” bekommen….
Was Ki Duk betrifft, ja von ihm ist auch Bin-Jip. Hast du den gesehen? Wie hat er dir gefallen? Warum kannst du mit asiatischem Kino nicht so viel anfangen?
Nein, gesehen habe ich Bin-Jip nicht, nur davon gehört. Warum ich mit dem asiatischen Kino nicht so klar komme kann ich nicht mal sagen. Ist wohl wie so vieles einfach Geschmackssache. Aber vielleicht kommt das ja noch. Als Kind mochte ich auch kein asiatisches Essen
[...] Hollywood scheint sein ernstes Jahr einzulegen. Zunächst Der ewige Gärtner, dann Lord of War und nun Syriana und weitere Filme werden folgen. Man könnte es sich leicht machen und sagen, dass Syriana wie Traffic mit einem Erdöl-Thema ist. Das würde im Grunde auch stimmen, aber Syriana ist noch viel mehr. Der Film zeigt deutlich, dass es viel zu wenig Öl auf der Welt gibt, um alle Interessenten zu befriedigen. Und die, die es letztlich haben wollen, werden alles dafür tun. Angesichts der weltpolitischen Lage ein mutiger Schritt, so einen Film in die Kinos zu bringen. [...]