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Match Point

Match Point

Beim Tennis ist ein Netzball oft eine wichtige Entscheidung. Er zeigt an, welchem Spieler eher das Glück beschieden ist. Fällt er auf die richtige Seite hat man Glück, fällt er auf die falsche hat man es eben nicht. Und das ist auch die entscheidende Frage, der sich Woody Allen in Match Point, einer klassischen dramatischen Tragödie widmet. Ungewohnter Schauplatz für einen Film von Woody Allen ist dieses Mal das malerische London. Aber genau dieser Wechsel hat dem beinahe 70jährigen Regisseur ohne Zweifel gut getan.

Chris Wilton (Jonathan Rhys-Meyers) ist einer dieser Menschen, deren Bälle zumindest am Anfang des Filmes auf die richtige Seite fallen. Er hat der Tenniskarriere den Rücken zugewandt und in einem englischen Club als Trainer angeheuert. Dort lernt er den netten Tom Hewett (Matthew Goode) kennen, der ihn in die High Society von London einführt. Toms Schwester Chloe (Emily Mortimer) verliebt sich in Chris und auch die Eltern Alec (Brian Cox) und Eleanor (Penelope Wilton) kommen mit Chris gut klar, allein schon aus Liebe zur eigenen Tochter. Vater Hewett hilft Chris bei der Karriere, für den sich der Traum vom Tellerwäscher zum Millionär zu erfüllen scheint. Die Hochzeit mit Chloe steht unmittelbar bevor, der Nachwuchs ist geplant und alles scheint gut zu sein. Wäre da nicht die mysteriöse und reizvolle Amerikanerin Nola (Scarlett Johansson). Als wäre es nicht schon problematisch genug, dass Chris sich in Nola verliebt, ist sie obendrein auch noch die Verlobte von Tom.

Match Point ist eine faszinierende Tragödie. Normal ist man es in solchen gewöhnt, dass es eine klar Kennzeichnung von Gut auf der einen und Böse auf der anderen Seite gibt. In Match Point sind alle Figuren ziemlich kaputt und jeder versucht eigentlich nur die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen, letztlich scheitern aber alle an den viel zu hohen Hürden. Dabei ist es egal, ob wir dabei über Chloe reden, die vom Wunsch Kinder zu bekommen so besessen ist, dass sie jeglichen Spaß am Leben vergisst oder eben Tom, der sich mit der Zeit immer mehr in ein Netz aus Ausflüchten und Lügen verstrickt. Und so konnte ich Tom irgendwann auch gar nicht so recht böse sein, da sein Handel in großen Zügen nachvollziehbar ist, auch wenn es dafür keine moralische Rechtfertigung gibt.

Game, Set and Match Mr. Allen.

Woody Allen unterlegt diese Geschichte, die eigentlich so neu nicht ist, mit wunderschönen Bildern von London. Ich wollte die Stadt immer schon besuchen, dieser Wunsch hat sich nach dem Film noch verstärkt. Die Musik begleitet das Geschehen wunderbar, schwere Opernarien künden bereits die sich androhende Fortsetzung der Tragödie an. Getragen wird der Film von glänzenden Schauspielern. Jonathan Rhys-Meyers überraschte mich mit seinem vielschichtigen Charakter, dem man schwer ansehen kann, was er als nächstes vor hat und welche Worte eigentlich wahr und welche gelogen sind. In-Girl Scarlett Johansson ist die zarteste Versuchung seit es Milka gibt. In den Szenen zwischen den beiden knistert die Luft aus einer Mischung aus Anziehung und Erotik. Unterstützt werden die beiden von Emily Mortimer und Matthew Goode. Brian Cox darf endlich mal wieder auf der Seite der Guten schauspielern und Penelope Wilton darf sich als Schwiegermutter zum Gruseln versuchen. Da passt wirklich alles.

Match Point ist ein überaus ernster Film, der sich trotz seiner bekannten und oft verfilmten Story wohltuend vom Rest abhebt. Und das kann man Woody Allen nicht hoch genug anrechnen. Entwickelt sich die Story anfangs noch sehr langsam nimmt der Film zum Ende an Tempo zu, um später im Thriller-Genre zu wildern. Am Ende fasziniert dann, wie Tom mit seinem Gewissen hadert und einen Ausweg aus der ganzen Misere sucht. Und dann sehen wir wieder die Schlüsselszene vom Anfang. Ein Ring fliegt in Zeitlupe durchs Bild, um auf einem Geländer zu landen. Auf welche Seite wird er wohl fallen? Für den Regisseur fiel er auf die richtige Seite. Game, Set and Match Mr. Allen.

Fazit: Kreative Tragödie von Woody Allen in der Londoner Upper Class.

Rating:

★★★★★★★☆☆☆

Ein Kommentar zu “Match Point

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