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Jarhead

Jarhead

Während der Irak immer noch an den Nachwehen des zweiten Krieges dort zu leiden hat, nahm sich Sam Mendes dem ersten Einmarsch der US-Truppen unter Bush Senior an. Zugrunde liegt dabei die persönliche Geschichte des Marines Anthony Swofford, die zehn Jahre nach dem Krieg zum Bestseller wurde. Dabei ist Jarhead keine Enthüllungsgeschichte oder gar eine Anklage an die US-Regierung. Stattdessen zeigt uns Jarhead einen tiefen Einblick in die Psyche eines einfachen Soldaten, die den meisten von uns erfreulicherweise erspart bleibt.

Anthony Swofford (Jake Gyllenhaal) absolviert seine Ausbildung bei den Marines. Als er eigentlich schon die Nase voll davon hat, wird er von Staff Sergeant Stykes (Jamie Foxx) zu den Scharfschützen geholt. Seine Moral und Motivation steigen wieder. Kurze Zeit darauf wird seine Einheit in den Irak abkommandiert, nachdem Saddam Hussein das Scheichtum Kuwait überfallen hat. Während das Oberkommando überlegt, was zu tun ist, wird die Truppe vor Ort gedrillt. Die Stimmung sinkt und nimmt explosiven Charakter an. Aus der Heimat kommen frustrierende Brief von Ex-Freundinnen, die Sonne brennt und vom Feind gibt es kein Spur. Alle haben monatelang für den Ernstfall trainiert und nun will er einfach nicht kommen.

Jarhead ist eine intelligentes Psychogramm über einen Mann, der bis in die Haarspitzen trainiert und motiviert ist und mit der Zeit erkennen muss, dass seine Entscheidung für die Marines vielleicht falsch war. In einem Interview mit einem TV-Studio antwortet er auf die Frage, warum es seinem Land dient nach einigen Routineantworten mit dem ehrlichen “weil ich mit 20 so dumm war das Antragsformular zu unterschreiben”. Jarhead kommt dabei fast vollkommen ohne Heldentum, Glorifizierung und Action aus. Und das verleiht dem Film noch deutlich mehr Intensität.

Wir sehen am Anfang eine bunt gemischte Truppe, die unterschiedlicher kaum sein könnte. Vom eher schüchternen Typen bis zum Super-Macho mit ausgewachsener Psychose ist alles dabei, letztlich sind aber alle eben durchschnittliche Amerikaner, die glaubhaft wirken. Diese Truppe unterzieht sich einer langen und extrem harten Ausbildung. Sie werden schikaniert, gedrillt und manipuliert, um schlussendlich den “Irakis in den Arsch zu treten”. Dafür muss sogar Coppolas Antikriegsfilm Apocalypse Now als Propagandafilm herhalten – welche Ironie. Und genau in diesem Dilemma mündet dann eine der ergreifendsten Szenen des Filmes. Als Swofford und sein Partner Troy (Peter Sarsgaard) endlich ein Ziel vor Augen haben nach Monaten des Wartens, wird der Feuerbefehl zugunsten eines Luftangriffs zurückgenommen. Troy rastet daraufhin aus und bittet bzw. fleht darum, diesen einen tödlichen Schuss anbringen zu dürfen. Einfach damit sie all das nicht umsonst gemacht haben.

Sam Mendes packt das schreckliche Szenario in extrem bewegende Bilder.

Sam Mendes packt das schreckliche Szenario in extrem bewegende Bilder. Brennende Ölquellen, die weiten Dünen aber auch schockierende Leichenansammlungen vermitteln gut den Eindruck der Soldaten vor Ort. Schauspielerisch stimmt bei Jarhead einfach alles. Jake Gyllenhaal war seit Donnie Darko nicht mehr so gut, Peter Sarsgaard überzeugt ebenfalls wie auch Jamie Foxx in der Rolle des in seinen Job verliebten Drill-Sergeant. In einer kleineren Rolle kann Chris Cooper sein ganzes Können leider nicht ausspielen. Musikalisch spielt Jarhead ebenfalls in der ersten Liga.

Sam Mendes legt nach American Beauty und Road to Perdition erneut einen exzellenten Film vor. Er erzählt die Geschichte von Anthony Swofford sehr behutsam und so kann man am Ende gut nachvollziehen, warum für viele Soldaten nach dem Krieg nichts mehr so war wie zuvor.

Fazit: Bewegendes Psychogramm eines US-Marines während des ersten Irak-Krieges.

Note: 2+

Ein Kommentar zu “Jarhead

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