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Kein Mensch ist frei von Sünde, aber es ist auch kein Mensch so voller Sünde, dass er nichts mehr wert wäre

Nun wurde wieder jemand in den USA für ein Kapitalverbrechen hingerichtet. Mir ist im Prinzip egal, um wen es sich dabei handelt und was er auch immer getan haben soll oder hat. So etwas darf heute nicht mehr passieren. Die Todesstrafe ist ein barbarisches Instrument, das in die Steinzeit gehört. Dass Gouverneur Schwarzenegger den Verurteilten nicht begnadigt hat, wundert mich nicht einmal. Er ist Politiker und verfolgt dabei natürlich vor allem ein Ziel: Die Wiederwahl. Und wenn man das in Kalifornien möchte, dann hält man sich am besten an das, was die Mehrheit dort will. Und zumindest bei den Wahlmännern ist das zum überwiegenden Teil eben die Todesstrafe, so bitter das auch ist.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass sich so einfach argumentieren lässt, so lange man nicht selbst betroffen ist. Ich kann die Angehörigen der Opfer verstehen, die nach Vergeltung und angemessener Bestrafung verlangen. Ich bin da ganz ehrlich. Als Angehöriger eines Mordopfers zum Beispiel würde bei mir sicher auch der Wunsch entstehen, es dem Täter mit gleicher Münze heim zu zahlen. Ich bin auch davon überzeugt, dass man nicht jeden Täter resozialisieren kann. Aber genau aus diesem Grund entscheiden eben keine Angehörigen über so etwas, sondern Leute, die eigentlich unparteiisch sein sollten. Und über all dem steht die grunsätzliche Frage, ob dies alles einer Gesellschaft das Recht gibt, ein anderes Leben auszulöschen? Ich denke nicht. Wie will man durch einen Mord anderen Menschen erklären, dass ein Mord böse ist und niemals eine Lösung für ein Problem?

I just don’t see the sense of killing people to say that killing people’s wrong.

In einem Artikel las ich, dass man zehn Minuten vergeblich versucht hat, dem Täter einen Zugang für die Todesspritze zu legen. Ich selbst war schon oft bei Blutabnahmen und mich nervte es tierisch, wenn das nicht klappte. Was muss das für ein Gefühl sein, wenn man weiß, dass man eben nach diesem Problem nicht ein paar Tropfen Blut verliert, sondern das eigene Leben. Ich will jetzt kein Mitgefühl oder Mitleid für diesen Mann empfinden oder aufbauen. Er mag vermutlich wirklich mehrere Menschen getötet haben. Dafür hätte er auch gerne bis an sein Lebensende hinter Gittern sitzen können. Ihm sein Leben zu nehmen mag nach Kalifornischem Gesetz vielleicht rechtens sein, ist aber zumindest unmenschlich und moralisch falsch.

Und wenn ich nun lese, dass er für den Friedensnobelpreis nominiert war und sich gegen Bandenkriminalität eingesetzt hat, was heißt das schon? Für den Friedensnobelpreis wurde meines Wissens nach auch George Bush nominiert und engagiert hat er sich vielleicht auch nicht aus Überzeugung sondern vielleicht eher auf Anraten seiner Anwälte. Das maße ich mir auch nicht an beurteilen zu können. Was ich jedoch weiß ist, dass dieser Mann nicht hätte sterben dürfen. Und dass das heute offenbar noch so viele Menschen anders sehen stimmt mich ehrlich gesagt traurig.

What he was involved with was evil. I don’t condone it. I just don’t see the sense of killing people to say that killing people’s wrong. – Sister Helen Prejean in Dead Man Walking

4 Kommentare zu “Kein Mensch ist frei von Sünde, aber es ist auch kein Mensch so voller Sünde, dass er nichts mehr wert wäre

  1. Übrigens: der Film Dead Man Walking ist meiner Meinung nach einer der besten Filme überhaupt. Das unglaublich brutale Verbrechen des Todeskandidaten wird sehr realistisch und genau beschrieben. So bleibt der Film objektiv, man lernt einfach beide Seiten kennen, die des Opfers und des Täters. Mitleid, Abscheu und Unverständnis waren wohl die stärksten Gefühle die der Film bei mir hervorgerufen hat. Doch das wichtigste ist einfach dieser Eindruck: Man darf keinen Menschen töten, welche Tat er auch immer begangen haben mag. Er hat eine harte Strafe verdient, aber Mord als Mittel gegen Mord ist einfach keine Lösung.

    „You cannot kill what you did not create.“

    Auch Slipknot haben das erkannt…

  2. Bis zum Schluss hat er bestritten, die Morde begangen zu haben. Schwarzenegger begründete die Ablehnung der Begnadigung damit, dass er sich nie für seine Morde entschuldigt habe. Er aber sagte, er würde sich nicht für etwas entschuldigen, was er nicht getan habe auch nicht, um sein eigenes Leben zu retten.

    Hätte jemand, der eine solche Wandlung erfahren hat, nicht von selber Bedauern über seine Taten geäussert, wenn er sie denn begangen hätte? Ich weiß es nicht.
    Ich weiß nur, das niemand, außer in Notwehr, das Recht hat, einen anderen Menschen zu töten.
    Egal, ob nun das Gesetz ein solches Vorgehen erlaubt oder nicht.
    Wenn etwas „Recht“ oder „Unrecht“ ist, bedeutet das leider noch lange nicht, dass es auch tatsächlich richtig oder falsch ist.

    Es darf nur ein Maßstab gelten: „So lange es niemandem schadet, tu, was du willst.“

  3. Kein Mensch ist frei von Sünde, aber es ist auch kein Mensch so voller Sünde, dass er nichts mehr wert wäre
    Published by Olly December 15th, 2005 in Weblog.

    dann stellt sich doch die frage, inwiefern „sünde“ in unsere „wertigkeit“ hineinwirkt. Denn sünde ist ein zu schwammiger begriff-für mich zumindest, um wertigkeit festzustellen.. „die größte nutte kann in ihrer weishit wertvoller sein als ein reicher,angesehener mann“
    -die diskussion lasse ich angetastet-mich interessiert es vielmehr, was „sünde“ überhaut ist-sex vor der ehe?mord?

    einfach nur neugierig aus interesse

    das eden

  4. Ein sehr schwieriges Thema für das man auch keine Lösung finden kann. „Mord als Strafe für Mord ist keine Lösung“, aber was ist dann eine Lösung für Mord? Wenn ein Mensch sich das Recht nimmt ein anderes Leben zu vernichten, hat er dann nicht das Recht auf ein Leben in unserer Gesellschaft verwirkt?Die Bibel sagt „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, ein laut Christentum aufgestelltes Gesetzt, persönlich von Gott. Man mag sagen das ist über 2000 Jahre alt und wir Leben nicht im Mittelalter, aber nie war das Leben weniger „wert“ als in unserer Zeit, wo Menschen für 20,-€ getötet werden. Welches ist also eine gerechte Strafe im Sinne von „Gerechtigkeit“?

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