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Die Tupperware-Mafia

Egal wie weit ich zurückdenke, ich kann mich immer an irgendwelche bunten Schüsseln von Tupperware erinnern. Sie waren halt irgendwie immer da, wurden benutzt, hatten aber keine größere Bedeutung als jeder andere Haushaltsgegenstand da. Auch wenn es durchaus Ansätze gegeben hat, wo ich diese Produkte wirklich gehasst habe. Es fing schon damit an, dass ich nie den passenden Deckel für die entsprechende Schale zur Hand hat. Oft liegen nur wenige Millimeter zwischen einer geschlossenen Dose und einem herzhaften Wutanfall. Öffne ich den Küchenschrank, dann finde ich ein buntes Sammelsurium von Schalen und Deckeln. Ich bin es müßig da Ordnung zu halten. Wenn ich den Geschirrspüler ausräume, werfe ich zunächst die Schalen in den Schrank, danach schnell die Deckel und knalle dann noch schneller die Türen zu, bevor mir alles wieder entgegen stürzt – Problem gelöst. Aber irgendwie schafften wir es, dass diese Tuppersachen und ich in friedlicher Koexistenz miteinander leben konnte.

Die Geschichte nahm Anfang des Jahres einen anderen Verlauf, als ich Jasmin kennen lernte. Jasmin war jung und brauchte das Geld und verkaufte somit auf diesen lustigen Parties Tuppersachen. Ich gebe zu, Dessous hätten mein Interesse deutlich mehr gesteigert, aber man kann eben nicht alles haben. Hier wurde ich jedenfalls schon in die tiefen Künste der Tupper-Psychologie und insbesondere der Vorteile der Produkte eingeweiht. Ich wusste auf einmal, was eine Eleganzia-Serie ist und wenn man mir sagte “Reich mir mal den Quick-Chef” dann wusste ich, was zu tun war. Das war OK für mich und wenigstens im Alltag brauchbar. Ich komme mit den Geräten gut klar, verzweifle aber auch nicht, wenn ich mit Alternativgerätschaften wie dem 20 Jahre alten Dosenöffner fertig werden muss. Damals wurde das Interesse meiner Schwester geweckt. Die ist auch jung, hat aber eher das Geld für solche Späße und so stand der erste Tupperabend an. Vor der gigantischen Kulisse von zwei Leuten wurde für das zahlreiche Erscheinen gedankt und die ersten Geschäfte getätigt. La Familia war geboren. Während Jasmin sich aus dem Big Business verabschiedete und fortan nur noch als Kronzeuge auftrat war meine Schwester richtig angefixt.

La Familia ist überall.

Ab diesem lauen Sommertag drehte sich alles mehr und mehr um Tupperware. Der Katalog wurde gewälzt, bis die Heftklammern vor Erschöpfung ihren Biss im Papier lockerten. Selbst in der Badewanne wurde das Produktportfolio aufgesogen. Weitere Abende wurden zelebriert, La Familia eroberte die Nachbar- und Verwandtschaft. Die Geschäfte sind genau geplant. Wenn X eine Party gibt und Y dort für 50 Euro einkauft, dann kann sich Y bei seiner Party wiederum darauf verlassen, dass X ebenfalls für 50 Euro einkauft. Bei La Familia wäscht eine Hand die andere. Niemand kommt zu kurz, alle sind glücklich. Aber wehe jemand hält sich nicht an diesen Ehrenkodex. Dann ist es aus mit Freundschaft und das vermeintlich sichere Erbe rutscht in weite Ferne. Das man den Umsatz bei fremden Personen lässt ist ein Verbrechen und wird aufs schärfste verurteilt. Und so wird stundenlang debattiert, wie man die verursachte Untreue wieder gerade biegen kann. Im Austausch gegen zwei Rührschüsseln kann man sich Liebe und Zuneigung wieder zurückkaufen. So ist das eben bei La Familia.

Selbst mein Vater ist umgefallen und steht vor dem Kauf eines Messerblockes von Tupperware. Das Ding kostet ein Heidengeld. Aber auch hier wurde ein perfider Plan ausgeheckt. Über Wochen wurde ihm das Teil schmackhaft gemacht. Ich glaube insgeheim legte man ihm Tonbandaufnahmen mit einem mystisch gehauchten “Kauf den Messerblock” ins Schlafzimmer über Nacht. Im Sack hatte sie ihn dann als sie ihm sagten, dass es ja ganz selten mal so eine Gelegenheit gäbe, das Ding zum halben Preis abzustauben. Das kam ihm so weit entfernt vor, dass er spontan zusagte. Eine Woche später war dann genau die Gelegenheit da und er 250 Euro ärmer. Ich bin so happy, dass ich inzwischen problemlos NEIN sagen kann. Ich habe aber dennoch Angst, dass ich irgendwann der psychologischen Kriegsführung hier erliege. Als nach dem Abendessen heute das Thema aufkam bin ich glatt freiwillig wieder arbeiten gegangen. La Familia ist überall.

2 Kommentare zu “Die Tupperware-Mafia

  1. Mafia war wirklich ein schönes Spiel, ich glaube das krame ich nochmal raus. Hat nichts mit dem Beitrag zu tun, aber Der Pate wird auch gerade versoftet…

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