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Merry Christmas (Joyeux Noël)

Merry Christmas (Joyeux Noël)

Anfang Dezember darf natürlich ein Weihnachtsfilm im Kinoprogramm nicht fehlen. Ein Elch ist entsprungen richtet sich dabei eher an die Kleinen, die Co-Produtkion Merry Christmas aus Frankreich, Deutschland, England, Belgien und Rumänien eher an reifes, erwachsenes Publikum. Basierend auf einer wahren Begebenheit geben sich eine Vielzahl europäischer Schauspieler die Ehre und versprechen somit ein rührendes Drama für die kalten Wintertage.

Zu Beginn des Ersten Weltkrieges ist die Euphorie bei den jungen Männern aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien noch sehr groß, es melden sich viele freiwillig zum Kampfeinsatz. Am Weihnachtsabend im Jahre 1914 liegen sich die gleichen jungen Männer in den Schützengräben der Westfront gegenüber. Sie sind physisch wie psychisch ausgelaugt und sehnen sich ein Ende des Krieges herbei. Die dänische Sopranistin Anna Sörensen (Diane Krüger) überredet Kronprinz Wilhelm von Preußen (Thomas Schmauser) zu einem Konzert in der Nähe der Front. So kann sie ihren Geliebten Nikolaus Sprink (Benno Fürmann) wiedersehen, der Tenor ist und eingezogen wurde. Nach dem Konzert reisen beide direkt an die Front, um für die verzweifelten Kameraden aufzutreten. Der deutsche Weihnachtsgesang wird spontan von den Schotten per Dudelsack begleitet und auch die Franzosen lassen sich nicht lumpen. Die drei Parteien unter Führung von Lieutenant Audebert (Guillaume Canet), Leutnant Horstmeyer (Daniel Brühl) und Gordon (Alex Ferns) handeln einen inoffiziellen und höchst strafbaren Waffenstillstand aus, feiern gemeinsam Weihnachten, spielen Fußball und beerdigen die Toten. Und so vergessen alle für eine kurze Zeit den grausamen Krieg, bis sie die bittere Realität wieder einholt.

Carions Ziel war es, an diese bewegende Geschichte zu erinnern und das ist ihm ohne Zweifel gelungen.

Schon der Beginn von Merry Christmas stellt gleich klar, was auf einem zukommen wird. Drei Kinder sagen in den jeweiligen Sprache ein Gedicht auf. Sie hören sich unterschiedlich an, haben aber den gleichen Inhalt. Der Feind von Volk und Vaterland ist zu töten und zwar ohne Ausnahme. Und das erklärt auch sehr gut die anfängliche Euphorie der jungen Männer, die nur darauf brennen sich für den Krieg freiwillig zu melden. Und nach all den Gräueltaten wird ihnen dann klar, dass dies alles keinen Sinn hat. Das alles bildet die Grundvoraussetzung dafür, was danach kommt: Die vorsichtige Annäherung der drei Parteien. Und dies ist – bis auf wenige Ausnahmen – glänzend in Szene gesetzt. Die Besetzung ist tadellos, allen voran Gary Lewis als alter Priester auf Seiten der Schotten, Daniel Brühl in einer für ihn ungewohnten Rolle und der ebenfalls glänzende Guillaume Canet. Einzig Diane Krüger und Benno Fürmann als liebendes Ehepaar überzeugten mich nicht. Generell fand ich die von Fürmann zu spielende Rolle für pathetisch überzogen.

Abseits dieses kleinen Mangels hat Regisseur und Drehbuchschreiber Christian Carion wirklich sehr gute Arbeit geleistet. Er driftet nie zu sehr in Kitsch ab und verleiht dem Ganzen eine gewisse Glaubwürdigkeit. Viele kleine und ruhige Szenen sorgen für die nötige Stimmung und dafür, dass die Geschichte einen nicht unberührt lässt. Carion unterlässt es, Schuldzuweisungen zu machen. Allenfalls der Krieg als solches kommt hier nicht gut weg, alle anderen sind letztlich nur Beteiligte, die versuchen das Beste aus ihrer misslichen Lage zu machen. Carions Ziel war es, an diese bewegende Geschichte zu erinnern und das ist ihm ohne Zweifel gelungen. Und das gerade so ein Thema in internationaler Zusammenarbeit abgewickelt wird, spricht ja für sich.

Fazit: Bewegendes Drama über Courage im Krieg ohne übliche Klischees und viel Kitsch.

Rating:

★★★★★★★☆☆☆

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