Skip to main content

Saint Ralph

Saint Ralph

Ich mag Filme, wo ein Underdog etwas Großes erreicht, was eigentlich zunächst undenkbar erscheint. Die tragische Story um das Starpferd Seabiscuit faszinierte mich ebenso wie der kleine Billy Elliot, der ganz zum Leidwesen seines harten Vaters Balletttänzer werden möchte. In eine ähnliche Richtung geht Saint Ralph, der eine gleichfalls faszinierende wie bewegende Geschichte zu erzählen hat.

Der 14jährige Ralph Walker (Adam Butcher) ist das schwarze Schaf an der katholischen Privatschule im Hamilton des Jahres 1954. Ralph lebt ohne Vater und seine Mutter liegt schwerkrank im Hospital. Er hält sich an keine Regeln, raucht auf dem Schulgelände, gibt sich lässlichen Sünden hin und hört auf nichts, was man ihm sagt. Als seine Mutter ins Koma fällt besinnt er sich auf einen harten und steinigen Weg: Ein Wunder muss her, denn nur dies kann seine Mutter retten. Da er ein schlechter Läufer ist, beschließt er in seiner naiven Sicht den Boston-Marathon zu gewinnen. Dies wäre das nötige Wunder und dann müsste seine Mutter ja auch wieder aufstehen, so seine Sicht. Das alles geschieht zum Ärger von Pater Fitzpatrick (Gordon Pinsent), der solch Ideologie nicht in seiner Schule wissen will. Ralphs einzige Hilfe ist Pater Hibbert (Campbell Scott), der früher selbst Marathonläufer war.

Saint Ralph ist die meiste Zeit ein sehr humorvoller Film, der viel Witz und sympathischen Humor versprüht.

Saint Ralph erfindet das Rad sicherlich nicht neu, erzählt die alt bekannte Geschichte des vermeintlichen Davids, der später Goliath aufs Kreuz legt, auf erfrischend charmante Weise. Über weite Strecken lässt uns Regisseur Michael McGowan mit einem Augenzwinkern am Schaffen von Ralph teilnehmen. Schließlich fällt es auch sehr leicht, sich für sein Schicksal zu interessieren. Der Junge ist in der Schule schon genug gebeutelt und muss dann einen so schweren Schlag hinnehmen. Nicht zuletzt die überzeugende Leistung des Jungdarstellers trägt viel dazu bei.

Saint Ralph ist die meiste Zeit ein sehr humorvoller Film, der viel Witz und sympathischen Humor versprüht. Zum Ende hin wird es dann vielleicht ein bisschen kitschig, aber das hatte ich angesichts der Vorzeichen viel schlimmer erwartet. Und so haben auch die letzten Minuten des Filmes diese gewisse Leichtigkeit, die den Film von vielen seiner direkten Konkurrenten abhebt. Überzeugende Darsteller, eine amüsante Geschichte und dazu passend ein ruhiger, bedächtiger Soundtrack. Das sind die Zutaten für einen gelungenen Kinoabend, bei dem man auch etwas lernt. Denn um mal Marathon-Legende Tom Longboat zu zitieren: Gut essen und rückwärts laufen, um die Wadenmuskulatur zu stärken.

Fazit: Sensibles Erzählkino mit viel Charme und Witz.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

Kommentar verfassen