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Harry Potter und der Feuerkelch (Harry Potter and the Goblet of Fire)

Harry Potter und der Feuerkelch (Harry Potter and the Goblet of Fire)

Persönlich mag ich Harry Potter und das Fantasy-Reich, das J.K. Rowling geschaffen hat. Die Bücher habe ich nach zunächst starkem Widerwillen dann doch alle gelesen und auch die Filme konnten eine gewisse Faszination in mir wecken. Harry Potter und der Feuerkelch ist der vierte Teil der beliebten Reihe. Das Buch dazu ist über 600 Seiten dick, strotzt von vielen verschiedenen Handlungssträngen und wichtigen Entwicklungen. Der nunmehr dritte Regisseur entschied sich, einige Elemente des Buches komplett wegzulassen und beschränkte sich mit dem Trimagischen Turnier, der Charakterentwicklung der drei Hauptfiguren und der Wiederauferstehung von Lord Voldemort komplett auf den Hauptteil des Buches. Regisseur Mike Newell sah den vierten Teil vornehmlich als Thriller und unterstreicht das mit seinem Film. Aber mir ist es lieber das Ganze etwas zu straffen als auf zwei Filme aufzuteilen, was das Studio wohl gern gehabt hätte.

Vor seinem vierten Jahr in Hogwarts wird Harry Potter (Daniel Radcliffe) von Albträumen heimgesucht. Als dann beim Ausflug zur Quidditschweltmeisterschaft auch noch Voldemorts Todesser-Freunde für Aufruhr sorgen ist klar, dass es wieder kein einfaches Jahr für Harry und seine beiden treuen Freunde Ron (Rupert Grint) und Hermine (Emma Watson) werden wird. Zudem wird in Hogwarts das Trimagische Turnier abgehalten. Ein Wettkampf der drei renommierten Zauberschulen Hogwarts, Beauxbatons und Durmstrang. Je ein Teilnehmer wird vom Feuerkelch ausgewählt um an diesem ruhmreichen Event teilzunehmen. Als die drei Teilnehmer ausgewählt werden spuckt der Feuerkelch Harry als vierten Teilnehmer aus. Das bedeutet Schwierigkeiten für Potter. Wie konnte das passieren, wo er aufgrund des Mindestalters eigentlich gar nicht teilnehmen dürfte? Als wenn es nicht schon reichen würde, dass der Wettbewerb nicht schon schwierig genug ist, Harry sieht sich auch den Anfeindungen seiner Mitschüler ausgesetzt, die ihm Manipulation unterstellen. Und obendrein steht auch die Wiederkehr des bösen Lord Voldemorts (Ralph Fiennes) bevor.

Zumindest kommerziell eine sichere Bank, Fans werden ob der ausgelassenen Szenen etwas enttäuscht sein.

Während der 157 Minuten von Harry Potter und der Feuerkelch fühlte ich mich immer ein wenig gehetzt. Das liegt einfach daran, dass die Vorlage zu viel Stoff für einen Film bietet und es daher wirklich extrem schwer ist, alles in einem Film unterzubringen. Dabei fielen einzelne Aspekte der Handlung komplett aus dem Film wie z.B. die Befreiung der Hauselfen und die Erlebnisse bei den Dursleys zu Beginn der Geschichte. Zudem sind einige interessante Charaktere wie Professor Snape (Alan Rickman) oder Draco Malfoy (Tom Felton) nur sehr kurz zu sehen. Das Trimagische Turnier gibt jedoch letztlich genug her für einen spannenden Streifen voller Action. Einzig in der Mitte lässt Mike Newell zumindest den drei Hauptcharakteren Zeit, sich mit dem Gefühlsleben und der beginnenden Pubertät auseinander zu setzen. Hier gibt es dann auch die witzigsten Szenen des Filmes und da kann Newell auch seine Stärken ausspielen, die er z.B. mit Vier Hochzeiten und ein Todesfall sammeln konnte.

Viel musste man lesen darüber, dass jeder Potter-Film zusehends düsterer wird. Der Feuerkelch ist hier keine Ausnahme und läuft auch als erster Film der Reihe mit einer Freigabe ab 12 im Kino. Schon zu Beginn fällt einem der düstere Look auf, der nicht nur aufgrund des Settings sondern auch aufgrund eines leichten Blaustichs erreicht wird. Gerade ab der zweiten Hälfte nimmt der Film immer mehr Fahrt auf und spätestens das Finale um Lord Voldemort ist dann auch wirklich nicht mehr Kleinkinder-kompatibel. Prinzipiell gefällt mir dies aber deutlich besser als die vergleichsweise harmlosen ersten beiden Teile. Man merkt der Reihe einfach an, dass sie dabei ist, erwachsen zu werden. Das tut dem Film ebenso gut wie eine gewisse Vetrautheit. Trotz immer neuer Komponenten und wechselnder Regisseure fühlt man sich sofort heimisch in der magischen Welt von Hogwarts.

Auch den Darstellern sieht man die immer größere Erfahrung an, machen doch gerade die Kinderdarsteller eine enorme Entwicklung durch. Aber widmen wir uns den komplett neuen Gesichtern. Das kleine Highlight des Filmes ist der schwer zu durchschauende Mad-Eye Moody der von Brendan Gleeson exzellenet gespielt wird. Seine schroffe und teils auch düster-böse Art gefiel mir von Anfang an hervorragend, ein Charakter zum lieb haben. Der tiefböse Lord Voldemort bekommt mit Ralph Fiennes erstmals eine menschliche Gestalt, die wirklich zum Fürchten ist. Seit Roter Drache durfte Fiennes nicht mehr so böse sein. Es dürfte für die nächsten Filme schwer werden, noch gute englische Schauspieler zu finden, denn alles was Rang und Namen hat war schon in den Filmen zu sehen.

Abseits davon bietet der vierte Teil Action Nonstop, fast wie in einer Nummernrevue hetzt man von Sequenz zu Sequenz, die sich immer wieder gegenseitig übertreffen. Highlights sind dabei sicher Harrys Kampf mit dem ungarischen Hornschwanz, die Unterwasserszenen und das Duell zwischen Harry und Voldemort, das ein wenig Erinnerungen an Laserschwerduelle aus Star Wars weckte. Enttäuschend fand ich, dass das atemberaubende Quidditsch-Stadium nur so kurz und ganz ohne Spielszenen zu sehen ist. Die Effekte sind absolut auf der Höhe der Zeit, was man bei dem gigantischen Budget allerdings auch erwarten darf. Dazu gibt es einen stimmungsvollen Soundtrack mit einem überraschenden Auftritt von Mitgliedern der Bands Pulp und Radiohead sowie die nötigen Emotionen, die Harry Potter und der Feuerkelch zu einem der großen Kinoereignisse 2005 werden lassen. Zumindest kommerziell eine sichere Bank, Fans werden ob der ausgelassenen Szenen etwas enttäuscht sein.

Fazit: Liebevolles Fantasyspektakel, das zuweilen etwas gehetzt wirkt.

Rating:

★★★★★★★☆☆☆

2 Kommentare zu “Harry Potter und der Feuerkelch (Harry Potter and the Goblet of Fire)

  1. Habe den Film gestern auch gesehen und war sehr enttäuscht. Es fehlt einfach zu viel von der Story und die Charaktere haben überhaupt keine richtige Persönlichkeit mehr.

    Der Kampf mit dem Drachen verkommt zum Actionspektakel, bei dem das halbe Schuldach abgedeckt wird und Infos, die für den weiteren Verlauf der Handlung wichtig sind, hat man einfach weggelassen.

    Ich würde höchstens Note 4 vergeben.

  2. Das ist der Nachteil, wenn man so etwas verfilmt. Es war ja zunächst im Gespräch, die Handlung auf zwei Filme aufzuteilen. Die Krux ist ja das Alter der Schauspieler. Es wird ja schon vermutet, dass die in den nächsten Filmen ersetzt werden. Warten wir es mal ab.

    Der Regisseur verstand das Buch eher als Thriller und so versuchte er das umzusetzen. Da fehlt wirklich eine Menge, aber anders geht es vermutlich nicht, wenn man ein Massenpublikum erreichen will, was man ja bei den Produktionskosten ja muss.

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