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Der Exorzismus von Emily Rose (The Exorcism of Emily Rose)

Der Exorzismus von Emily Rose (The Exorcism of Emily Rose)

Der Exorzismus der Emily Rose ist eine Glaubensfrage. Letztlich wird der Film darauf reduziert, an was man glauben mag und dabei wird man in die gleiche Lage versetzt wie die Geschworenen im Film. Der Film schmückt sich mit dem Prädikant “beruht auf einer wahren Begebenheit”, was wohl etwas weniger als die halbe Wahrheit ist. Tatsächlich gibt es den Fall der Anneliese Michel, die in den 70ern im tiefsten Bayern einem Exorzismus unterworfen wurde unter Autorisierung des Würzburger Bischofs. Die junge Frau starb später an den Folgen des mehrmonatigen Kraftaktes und die beiden handelnden Priester wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Im Film steht Priester Moore (Tom Wilkinson) vor Gericht, da er Schuld am Tod von Emily Rose (Jennifer Carpenter) sein soll. Die Staatsanwaltschaft wirft Moore vor, dass er die ärztliche Diagnose “Psychotische Epilepsie” ignoriert und an seiner Besessenheits-Theorie festgehalten hat. Auf Anraten Moores, der von der bibeltreuen Familie beauftragt wurde Emily zu helfen, setzt Emily die Medikamente ab und unterzieht sich einem Exorzismus. Sie stirbt an den Folgen und nun soll jemand dafür büßen. Verteidigt wird Moore von der Agnostikerin Erin Bruner (Laura Linney), die den Fall als Sprungbrett für ihre Karriere sieht, aber dann doch recht schnell vor viele Glaubensfrage gestellt wird. Obendrein möchte die Kirche gerne eine weiße Weste behalten.

Und hier hätte ich mir gewünscht, man wäre etwas mehr unparteiisch mit dem Thema umgegangen.

Der Film erzählt die Geschichte von Emily mit mehreren Flashbacks während des Gerichtsverhandlung. Wir erfahren aus Sicht des Priesters und anderer Beteiligter, was genau abgelaufen ist. Später bekommen wir zwei mögliche Erklärungen dafür geliefert. Eine streng wissenschaftliche, die die Staatsanwaltschaft vorträgt und die Priester Moore als Schuldigen sieht. Auf der anderen Seite erfahren wir die nicht rationell erklärbare Variante der Besessenheit von Priester Moore. Mit den üblichen Tricks wird Letztere dann natürlich als sympathischere vom Regisseur verkauft. Am Ende liegt es dann aber am Zuschauer selbst, welche Version er dann für die Richtige hält, ganz wie zum Beispiel in Contact.

Der Exorzismus der Emily Rose verknüpft sehr geschickt einen geradlinigen Gerichtsthriller mit den klassischen Elementen eines Horrorfilmes und das klappt über weite Strecken sogar richtig gut. Gerade diese Flashbacks haben eine gewisse Intensität, die einem schon eine leichte Gänsehaut verpassen kann. Dazu trägt sicherlich die absolut beängstigende Performance von Jennifer Carpenter bei, der auch körperlich viel abverlangt wurde. Laura Linney überzeugt als zunächst pragmatische Karrierefrau, die mit der Zeit zum Nachdenken kommt. An ihrer Seite liefert Tom Wilkinson als Prieser Moore eine sehr gute Leistung ab.

Was mir ein wenig sauer aufstieß und dann letztlich auch eine bessere Wertung verhinderte, war dann der letzte Erklärungsversuch, bei dem mir die Kirche einfach zu gut weg kam. Sicherlich ein Zugeständnis an das streng gläubige Amerika, bei dem die Kirche ein höheres Ansehen als ein Gericht hat. Und das ist ja letztlich auch eine Frage, mit der der Film spielt. Darf ein weltliches Gericht über Glauben urteilen? Wenn man dem Film am Ende glauben soll, dann ist Nein wohl die Antwort darauf. Und hier hätte ich mir gewünscht, man wäre etwas mehr unparteiisch mit dem Thema umgegangen. Im Film sagt Priester Moore “Dämonen existieren, ob man daran glaubt oder nicht” und genau andersrum passt das Zitat genau so und das wird im Film leider zu oft verdrängt.

Fazit: Stimmgsvolles Genre-Crossover mit zweifelhafter Botschaft.

Rating:

★★★★★★☆☆☆☆

2 Kommentare zu “Der Exorzismus von Emily Rose (The Exorcism of Emily Rose)

  1. Hey Olly! Was siehst du dir auch so einen Film an? Hast du da ernsthaft ein filmisches Highlight erwartet? 😉 Okay, ich will jetzt nicht zu hart sein. Deine Page besuche ich inzwischen regelmässig und sie hat mich inspiriert, meine eigene Page mit Filmkritiken wie bei dir umzubauen. Leider war sie leider nie ganz fertig. Vielleicht schaust du ja auch mal rein? Gruss, Daniel von Spieletipps

  2. Der Film lief bei uns in der Sneak Preview, da weiß man ja meistens nicht, was laufen wird. Ich fand den Film ja nicht mal schlecht, im Gegenteil. Ich war sehr froh, dass das kein billiger Schocker wurde.

    Habe mir gerade deine Seite angesehen. Gefällit mir, nur weiter so.

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