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Hoffnung

Ich weiß gar nicht, ob ich ein Optimist oder ein Pessimist bin. Vermutlich habe ich je nach Tagesform mal die eine oder mal die andere Seite, die mehr zum Vorschein kommt. Daher bezeichne ich mich gerne als pragmatischen Realist. Gerade beruflich bringt mich so schnell nichts aus der Ruhe. Ich behalte normal einen beruhigenden Tonfall, versuche die Lage zu analysieren und dann die richtige Lösung bzw. Entscheidung zu treffen. Vielleicht mit ein Grund, warum man normal gerne mit mir zusammen arbeitet. Wenn ich davon überzeugt bin, dass eine Sache gelingen kann, dann neige ich offenbar ein wenig zum Optimismus. Habe ich berechtigte Zweifel sehe ich gerne schwarz und bin dann eher pessimistisch.

Was ich jedoch nie verloren habe in meinem Leben, selbst wenn die Lage noch so hoffnungslos war, ist die Hoffnung. “Es gibt immer ein Weg” oder “Egal wie das Problem aussieht, es gibt eine Lösung” sind Sätze, die mein Leben und Handeln immer geprägt haben. Man mag dies auch gerne als stur bezeichnen. Ich würde es aber eher positiv formulieren. Was bliebe einem denn schon ohne Hoffnung? Richtig, Verzweiflung, was dann schnell in Depressionen umschlagen kann. Es gab in meinem Leben einmal eine Phase, in der ich meine Hoffnung verloren hatte und da war es dann schön, dass jemand anders da war, der mir die verlorene Hoffnung wieder gab.

Hoffnung zeigt uns eine Zukunft für unser Leben, die vielleicht besser werden kann als die eventuell gerade trostlose Gegenwart.

Für mich ist ein Gegenstand erst dann kaputt und wertlos, wenn man ihn nicht mehr reparieren oder wenigstens zweckentfremdet weiter benutzen kann. Ein Besuch kommt erst dann nicht am Dienstag, wenn der Mittwoch begonnen hat. Und eine Beziehung ist erst dann zu Ende, wenn es keinerlei andere Optionen mehr gibt. Hoffnung ist das wichtigste im Leben, quasi die Triebfeder für das eigene Leben. Hoffnung zeigt uns eine Zukunft für unser Leben, die vielleicht besser werden kann als die eventuell gerade trostlose Gegenwart. Wir leben in einer zynischen Welt, die kurz entschlossen, konsumgeil und oberflächlich ist. Man setzt sich heute zu wenig auseinander mit Problemen. Zu viele Menschen gehen lieber den Weg des geringsten Widerstandes als gemeinsam nach einer Lösung zu suchen.

Ich für meinen Teil gebe nicht auf, egal in welcher Hinsicht. So lange es einen Funken Hoffnung gibt – worum es auch immer geht – ich bemühe mich um eine Lösung. Und um meinem alten Lateinlehrer die Tränen in die Augen zu treiben: Dum spiro, spero. Für alle Nicht-Lateiner: So lange ich atme, hoffe ich.

Wie wäre ein Winter zu ertragen,
ohne Hoffnung auf den Frühling,
wie ein Abschied auszuhalten,
ohne Hoffnung auf ein Wiedersehen?

Nur die Hoffnung,
dass es immer wieder hell wird,
lässt uns die langen, finsteren
Nächte durchstehen.

von Annegret Kronenberg

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