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In den Schuhen meiner Schwester (In her Shoes)

In den Schuhen meiner Schwester (In her Shoes)

In den Schuhen meiner Schwester ist eigentlich eine kleine Mogelpackung. Wenn man in der ersten halben Stunde noch denkt genau zu wissen, was auf einen zukommt, wird man danach um so mehr überrascht. Denn dann entfaltet der Film seinen ganz besonderen Charme, der einen berührt und nahe geht.

Maggie (Cameron Diaz) und Rose Feller (Toni Collette) sind Schwester, die bis auf die Schuhgröße eigentlich nichts gemein haben. Maggie ist die leicht überdrehte, extrem gut aussehende Partymaus, die keine Gelegenheit auslässt ihr Leben zu genießen und Spaß zu haben. Jobs wechselt sie wie ihre Unterwäsche und den Schulabschluss hat sie nicht geschafft und obendrein ist sie Legasthenikerin. Rose ist das strebsame Mauerblümchen mit latentem Übergewicht und somit das krasse Gegenteil. Sie arbeitet in einer Anwaltskanzlei und ihr einziger Trost für ihr langweiliges Leben ist der Kauf von Schuhen, die sie doch nicht anzieht. Als beide sich mal wieder extrem zoffen, zieht Maggie zur bis dato verschollenen Oma Ella (Shirley MacLaine). Und als beide so getrennt voneinander ihr Leben betrachten, wird beiden klar, dass sie ohne die andere gar nicht glücklich werden können und was sie eigentlich aneinander haben.

Und so sind dann am Ende auch alle zufrieden und glücklich. Und das war ich dann auch, da ich den Film trotz Prädikat “Frauenfilm” gesehen habe und somit einen der wundervollsten und charmantesten Filme diesen Jahres erleben durfte.

In den Schuhen meiner Schwester hat mich positiv überrascht. Relativ schnell scheint man durchschaut zu haben, dass es sich doch nur wieder um den üblichen “Sex in the City”-Quatsch handelt, doch dann nimmt mit der Trennung der beiden Schwestern die Geschichte eine positive Wandlung. Beide reflektieren ihr Leben, wenn auch etwas unfreiwillig. Maggie wird durch ihre Oma dezent aber doch gezielt darauf gestoßen, während Rose sich selbst eine Auszeit vom Job nimmt und etwas gänzlich neues versucht. Die sonst so oberflächliche Maggie arbeitet in einem Altenheim. Nicht etwa aus reiner Nächstenliebe, sondern weil ihre Oma versprochen hat, das gleiche an Geld nochmals drauf zu legen, wenn sie den Job durchzieht. Und der Kontakt mit diesen Menschen zeigt Maggie, dass es etwas mehr im Leben gibt, als nur Beauty-Cremes und die nächste Party. Der blinde und liebenswerte Professor zwingt sie freundlich, sich ihrem Legasthenie-Problem zu stellen und lässt sie amerikanische Poesie vortragen.

Überhaupt sind es diese kleine Szenen, die den Film so groß machen, was nicht zuletzt durch exzellente Darsteller möglich wird. Toni Collette und Cameron Diaz überzeugen beide durch die wohl besten Darstellungen ihrer bisherigen Laufbahnen. In dem Moment, wo Cameron Diaz beim MTV-Casting sich verzweifelt am Teleprompter einen abstottert, möchte man sie am liebsten in den Arm nehmen und trösten, so überzeugend bringt sie Enttäuschung und Verzweiflung rüber. An der Seite der beiden spielt Grand Dame Shirley MacLaine, die zuletzt eher verschenkt wurde, zu großer Form auf. Die Rolle der liebenswerten Oma absolviert sie ohne diese sonst übliche Alters-Härte und Sturheit. Sie weiß genau, was sie erreichen will und wie sie die Leute dazu bringt, mit bestechendem Charme. Ansonsten gibt es reichlich liebenswerte Charaktere zu sehen, quasi das ganze Altenheim ist ein Haufen netter Menschen, die man gerne zum Grillen einladen möchte.

Entscheidend bei all dem ist letztlich aber, dass die Wandlung der beiden absolut nachvollziehbar und logisch ist. Maggie wird klar, dass Schönheit vergänglich ist und dass sie selbst clever und kompetent genug ist, um ihre Frau zu stehen und dass sie all die Oberflächlichkeiten gar nicht nötig hat. Und bei all der Hilfestellung von Oma Ella wird dann auch klar, was ihre Motivation eigentlich ist. Sie will die Fehler wieder gut machen, der zu all dem führte. Und so sind dann am Ende auch alle zufrieden und glücklich. Und das war ich dann auch, da ich den Film trotz Prädikat “Frauenfilm” gesehen habe und somit einen der wundervollsten und charmantesten Filme diesen Jahres erleben durfte. Danke Curtis Hanson.

Fazit: Warmherziger Streifen, der zeigt, dass man sich im Leben ändern kann, wenn man es denn wirklich will. Dazu absolut frei von Kitsch und daher uneingeschränkt empfehlenswert.

Rating:

★★★★★★★★★☆

3 Kommentare zu “In den Schuhen meiner Schwester (In her Shoes)

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