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Elizabethtown

Elizabethtown

Regisseur Cameron Crowe ist für mich ein Ausnahmetalent. Sein Jerry Maguire zählt auch heute noch zu meinen absoluten Favoriten. Almost Famous ist sowieso über jeden Zweifel erhaben und auch Vanilla Sky gefiel mir – im Gegensatz zu vielen Kritikern – ausgesprochen gut. Und auch wenn ich eigentlich kein großer Fan von Orlando Bloom und Kirsten Dunst bin, freute ich mich sehr auf Elizabethtown. Dabei war mir die Story schon fast egal. Cameron Crowe hat einfach ein exzellentes Talent dafür, liebevolle Charaktere zu schaffen, die man im Laufe des Filmes einfach lieb haben muss und später am liebsten mit nach Hause nehmen möchte.

Mit Elizabethtown erzählt Crowe eigentlich zwei Geschichten, die beide ihren Ursprung in einem absoluten Fiasko haben. Drew Baylor (Orlando Bloom) lebt für den Erfolg. Er hat einen gut bezahlten Job als Schuhdesigner, eine wunderhübsche Freundin und lebt auf der Überholspur des Lebens. All dies ändert sich von jetzt auf gleich, als sein lange geplantes neues Sportschuhkonzept extrem floppt. Die Firma erleidet einen Schaden von fast einer Milliarde Dollar und sein Boss wirft ihn mit dem Zitat “eine ganze Generation wurde durch das neue Schuhmodell inspiriert wieder barfuß zu laufen”. Als seine Freundin mit ihm dann auch noch Schluss macht sieht Drew als einzigen Ausweg den Selbstmord. Kur vor dem Suizid erreicht ihn ein Anruf seiner Schwester, die vom plötzlichen Tod des Vaters berichtet. Als Drew nach Kentucky aufbricht, um die Formalitäten der Beerdigung für seine Mutter (Susan Sarandon) zu erledigen, lernt er die bezaubernd aufdringliche Stewardess Claire (Kirsten Dunst) kennen. Ist sie der Weg zurück ins Leben?

Ich glaube, dass Elizabethtown diese tragische Ausgangsposition braucht, um seinen späten Zauber entfalten zu können. Als Drew in Kentucky ankommt, erkennt er, wer sein Vater eigentlich gewesen ist und wie liebevoll ihn die Leute dort vermissen und an ihm hingen. Seiner Mutter haben sie immer noch nicht verziehen, dass sie “ihren Mitch” ins entfernte Oregon entführt hat. Drew als Stadtmensch kann unheimlich viel von diesen gradlinigen Landeiern lernen. Sie erzählen ihm, wie sein Vater wirklich war, den er die ganzen Jahre wegen seines Jobs nicht gesehen hatte und was ihn auszeichnete und so besonders machte.

Und wie Crowe es schafft, diese Romanze dann weiter zu erzählen, eigentlich völlig ohne Kitsch, das muss man einfach gesehen haben.

Die Begegnung mit Claire ist wohl das, was man gemeinhin als Schicksal bezeichnet. Eigentlich ist es Claire, die Drew ein ums andere Mal anquatscht. Kein Wunder, dass Drew sehr zurückhaltend ist, schließlich will er nach der Beerdigung des Vaters seinem Leben ein Ende setzen. Er hat jahrelang für dieses Projekt gearbeitet, es ist das einzige, von dem er etwas versteht und trotzdem endete sein Baby als Desaster. Er sieht keinen Grund mehr, sein Leben mit einem derartigen Versagen weiter zu führen. Als er abends allein im Hotel sitzt und niemand ihn zurückruft, wendet er sich an Claire und eine der wundervollsten Szenen der Filmgeschichte beginnt. Die beiden telefonieren und telefonieren. Sie reden über die belanglosesten Themen der Welt und vergessen alles um sich rum. Und als eigentlich beide total übermüdet am nächsten Morgen schlafen wollten, treffen sie sich spontan und beobachten gemeinsam den Sonnenaufgang.

Claire ist eine dieser wundervollen Personen, die es im echten Leben leider nicht gibt. Sie tut Drew so gut und ohne es zu merken bringt sie ihn zum Umdenken. Und sie gibt auch nicht auf, als er eigentlich ziemlich abweisend ist. Sie zeigt ihm, dass er sein Versagen einsehen und in Relation setzen soll. Fünf Minuten traurig sein, das Thema beenden und dann wieder nach vorne schauen. Sie zeigt ihm, wie man mit Schmerz, Trauer, Versagen und Leid umgeht ohne unterzugehen. Und wie Crowe es schafft, diese Romanze dann weiter zu erzählen, eigentlich völlig ohne Kitsch, das muss man einfach gesehen haben.

Wie bei den meisten Filmen von Cameron Crowe ist die Besetzung durchweg gelungen. Einzig Orlando Bloom konnte mich mit seinem immer gleichen Gesichtsausdruck wenig überzeugen. Ob er gerade Trauer, Freude oder etwas anderes rüberbringen will, verrät mir der Kontext aber sicher nicht seine Mimik. Kirsten Dunst macht ihre Sache bezaubernd gut, Susan Sarandon als frisch gebackene Witwe kann man getrost als Idealbesetzung bezeichnen. In den sonstigen Nebenrollen sieht man durchweg liebenswerte Personen, mit denen man sich privat vermutlich gut und gerne unterhalten könnte. Ansonsten zeigt Crowe liebevolle Bilder, allein den Roadtrip am Ende könnte man getrost abfotografieren und einen bildhübschen Bildband davon machen.

Erwähnenswert ist dann ohne Zweifel noch der grandiose Soundtrack. Das ist sicherlich auch ein Markenzeichen von Cameron Crowe, der einfach ein Händchen für gute Zusammenstellungen hat. Von Nancy Wilson über Tom Petty und Elton Johns bis hin zu The Hombres und The Hollies ist das wirklich eine perfekte Zusammenstellung für einen gemütlichen Roadtrip. Also insgesamt eine wirklich gelungene melancholische Mischung, die auch zum Nachdenken anregt und die einen mit einem guten Gefühl im Bauch nach Hause gehen lässt.

Fazit: Bezaubernde Romantik-Komödie mit fabelhalften Bildern und exzellenter Musik. Einige Längen und Orlando Bloom sind die einzigen Schwächen.

Rating:

★★★★★★★★☆☆

4 Kommentare zu “Elizabethtown

  1. Eigentlich wollte ich Elizabethtown schon lange gesehen haben, aber unglückliche Umstände haben mich bis jetzt von meinem Date mit Kirsten abgehalten.

    Das werde ich aber, insbesondere nach diesem sexy Review, schnellstens nachzuholen versuchen.

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