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Gedanken am Meer

SternschnuppeDie letzten Wochen waren stressig und geprägt von vielen Veränderungen. Ich habe meinen Job gewechselt, mein Freundeskreis hat sich teilweise verändert und auch sonst bewegt sich alles so rasant, dass es mir teilweise schwer fällt, da überhaupt noch mitzukommen. Mir fehlen oft die ruhigen Momente, wo ich einiges selbst reflektieren und durchdenken kann. Normal gehe ich dann Spazieren, irgendwo wo es schön und ruhig ist. Da mein eigentlich geplanter Kurztrip ans Meer leider ausfallen muss und das schlussendlich auch zur aktuellen Ratlosigkeit beiträgt blieb das Steinhuder Meer, tagsüber nur total von Touris überlaufen. Wenn es sein muss, fahre ich dort nachts mal hin, dann ist dort nämlich wirklich niemand anzutreffen und man kann in Ruhe da lang spazieren, wo sich tagsüber Menschenmengen drängen.

Heute war glaube ich eine der klarsten Nächte, die ich dieses Jahr erlebt habe. Der Mond war zwar nicht zu sehen, dafür aber so viele Sterne und absolut keine Wolke, die sich vor die Sterne schob. Wunderbar. Wo sich Alex letztens so darüber ausgelassen hat, wie schlimm doch die Nacht bzw. die Dunkelheit ist, so sehr muss ich das loben. Die kleinen Laternen am Wegesrand hellen den Weg etwas auf, sodass man alles schemenhaft erkennen kann. Wenn man weniger sieht, konzentriert man sich automatisch mehr auf die Geräusche. Das Wasser schwappt ans Ufer, Enten quaken vor sich herum und ab und ab hört man leise eine der Schiffsglocken. Weit entfernt sieht man die Lichter der Häuser an der gegenüberliegenden Uferseite. Und an einer der kleinen Holzbänke am Rand des Weges setzte ich mich dann, schob die IPod-Kopfhörer in die Gehörgänge, lauschte meinen Lieblings-Scores und schaute aufs Meer und in den Himmel im Wechsel. Genau das richtige, um in Ruhe nachzudenken. Ich glaube das letzte Mal habe ich das vor ein paar Jahren gemacht.

Vielen Menschen ist offenbar gar nicht klar, wie viel Glück sie im Leben haben…

Ich war früher ein Mensch, der um Zuneigung gebettelt hat. Ich habe mich gefreut, wie ein frisch gebackener Lotto-Millionär, wenn jemand nett zu mir war oder Zeit mit mir verbracht hat. Einfach weil ich der irrigen Annahme war, dass das etwas Außergewöhnliches war. Hat sicherlich mit einem angekratzten bzw. nicht sehr ausgeprägten Ego zu tun. Wenn jemand mir den Rücken zugedreht hat, warum auch immer, dann bin ich hinterher gelaufen und habe versucht zu klären, was zu klären geht. Inzwischen habe ich in diesem Punkt umgedacht. Freundschaften sind wie Saloon-Türen, sie gehen zu beiden Seiten auf. Ich spiele einfach nicht mehr mit, wenn diese Saloon-Tür gegen eine Einbahnstraße ausgetauscht wird und ich das Gefühl habe, nur ein Spielball zu sein oder eben der nette Kerl, der immer gute Laune hat und für die meisten Probleme eine Lösung. Das bin und will ich nicht, denn auch ich bin nur begrenzt leidensfähig.

Vielen Menschen ist offenbar gar nicht klar, wie viel Glück sie im Leben haben und ich wundere mich immer, wenn sie es dann so mit Füßen treten, wie ich es gerade so oft in meinem Umfeld höre. Eigentlich habe ich für diese Leute sogar die richtige Lösung parat, aber damit ist das so eine Sache. Auch wenn etwas objektiv richtig ist und auch eigentlich die einzig gangbare Lösung ist… ich kann (leider) niemanden Entscheidungen abnehmen. Aber dennoch leide ich mit und mir tut so etwas in der Seele weh. Warum laufen Menschen lieber ins Verderben als den eigentlich richtigen Schlussstrich zu ziehen? Warum erniedrigen sich Menschen bis in den Untergrund, nur um nicht allein zu sein? Warum ignoriert man andere anstatt einfach mal zu sagen „Du, es tut mir Leid“? Ich weiß es nicht.

So habe ich lange über so viele Sachen nachgedacht und bin letztlich nicht viel schlauer als vorher auch, aber gut getan hat es dennoch. Nur eines hat nicht geklappt. Ich sollte an etwas denken, wenn ich den Mond sehe. Der Mond war ja leider nicht da, dafür habe ich drei Sternschnuppen gesehen. Bei jeder habe ich mir etwas gewünscht, um nicht zu sagen, es war jedes Mal der gleiche Wunsch. Vielleicht ist das eine Entschädigung?

Lonely Beach

3 Kommentare zu “Gedanken am Meer

  1. Den Kopf frei machen kann man gut mit einen solchen Spazier gang. Man verdrängt das unwesentliche und kan sich besser auf was wichtiges konzentrieren… Leider löst man damit meist nichts. Aber man kann sich klarer werden über solche Dinge

    Die Sache mit den Menschen kann die aber auch Flasch ausgelegt werden. Wenn du dann nämlich irgendwann zu allem sagst „Scheiß drauf das tut mir nicht gut“ dann bist du auch irgendwann jemand der die Einbahnstraße baut.
    Sicher sollte man sich nicht alles gefallen lassen aber jeder verdient eine zweite Chance und manchmal auch eine dritte.

    Ich glaube leider nicht das es eien Lösung für solche probleme gibt….den Glücklich wird man nur schwer. Egal wie man das Handhabt.

    Ich könnte jetzt sehr viel dazu schreiben aber ich lasse es den es passt nicht hierher.

    Deshalb. Immer mal wieder sowas machen…tut wirklich gut.

  2. Es kann manchmal ganz schön schwer sein, etwas „loszulassen“ und sich davon zu trennen. Selbst, oder vielleicht gerade dann, wenn es etwas ist, was einem nicht gut tut.

    Manchmal denkt man, man hätte die Verpflichtung, an dieser Sache festzuhalten oder man denkt, wenn man den Schlußstrich nicht zieht (egal, ob unter eine Beziehung, eine Freundschaft oder vielleicht sogar ein Familienmitglied) würde es einem selber noch schlechter gehen.

    Tatsache ist, dass das Leben eigentlich zu kurz ist, sich mit Dingen aufzuhalten, die einen belasten. Zumindest, wenn man es vermeiden kann. Aber das zu erkennen ist oft schwierig.

    In diesem Sinne drücke ich Dir die Daumen für Deine Wünsche.

  3. @Annika: Wir haben ja schon via ICQ ein wenig geredet. Du hast natürlich Recht, dass beinahe jeder eine zweite Chance verdient hat. Ich war auch nie jemand, der anderen so etwas versagt. Nur muss man das auch wirklich wollen.

    @Yvonne: Vorab, meld dich mal via ICQ, hab deine Nummer nach dem Umzug auf den Mac irgendwie verlegt. Ansonsten triffst du ziemlich genau den Nagel auf den Kopf. Man eträgt glaube ich vieles einfach unter dem Gesichtspunkt, dass es ja noch schlimmer kommen könnte. Dazu kommen dann Sachen wie Gewohnheit, Verpflichtungen, Schuldbewusstsein. Und sicherlich sollte man so etwas vielleicht auch vermeiden, aber wenn man Leute sehr gern hat, dann macht man sich um sie einfach einen Kopf, hilft ja alles nichts.

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