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Sin City

Sin City

Sin City ist einer der Filme dieses Jahr, an den ich geradezu astronomisch hohe Erwartungen gestellt hatte. Wirklich alles sprach dafür, dass Sin City einer der Filme des Jahres werden würde. Mit Robert Rodriguez und Quentin Tarantino saßen zwei kreative Köpfe am Ruder, von denen man dies auch erwarten kann. Die Comicvorlage, wobei das Wort Comic hier fast schon eine Beleidigung ist, bietet einen eigenwilligen Look und galt lange als unverfilmbar, zumal Autor Frank Miller lange Zeit mit Hollywood auf dem Kriegsfuß stand. Dazu kam eine Besetzungsliste, die jedem Filmfan erwartungsvoll mit der Zunge schnalzen ließ, sah die Liste doch wie ein Who-is-who aus Hollywood aus.

Für den Film wurden gleich drei Comics umgesetzt, was mit unterschiedlichen Handlungssträngen bewerkstelligt wurde, die sich jedoch sowohl inhaltlich als auch zeitlich überschneiden. Dazu kommen Pro- und Epilog, die alles mit einem kleinen Augenzwinkern zusammen halten. Sin City ist keine schöne, schillernde Stadt. Sie ist ein Sündenpfuhl, in der Gewalt und Brutalität regieren. Es gibt keine strahlenden Helden wie bei Marvel. In Sin City sind selbst die Helden gebrochene Wracks. Wo sonst könnte ein brutaler, hirnloser Schläger unter Medikamenteneinfluss wie Marv zu einer sympathischen Hauptfigur werden, wenn nicht in Sin City?

Sin City ist aber nicht nur der optisch ansprechenste Film des Jahres, sondern auch mit Abstand einer der brutalsten.

Der besondere Reiz des Films ist aber zweifelsohne der Look. Sin City wirkt nicht wie ein Film, sondern wie ein lebendig gewordener Comic. Wenn man es nicht besser wüsste könnte man meinen, der Film wäre mit einem scharfen Bleistift gezeichnet, schwarz und weiß dominieren das Bild. Farbe wird nur sehr spärlich eingesetzt und dann auch nur, um wichtige Details zu unterstreichen. Filme wie Sky Captain and the World of Tomorrow oder Immortel versuchten sich ebenfalls mit komplett digitalen Kulissen, ohne es aber auch nur halb so überzeugend wie Sin City rüber zu bringen. Über Inhalt kann man sicher streiten, das Aussehen von Sin City ist über jeden Zweifel erhaben. Noch nie sah eine Comicumsetzung der Vorlage so extrem ähnlich, einige Szenen und Dialoge sind 1:1 vorhanden.

Sin City ist aber nicht nur der optisch ansprechenste Film des Jahres, sondern auch mit Abstand einer der brutalsten. In Sin City wird nicht lange diskutiert, hier werden Knochen gebrochen, Gliedmaßen abgetrennt und Leben eiskalt beendet. Zarten Naturen kommt hier der Look des Films zu Gute. Die Brutalität spricht ebenfalls für eine genaue Umsetzung, denn die Comics richten sich ausschließlich an Erwachsene. Lustig ist in dem Zusammenhang sicherlich, dass trotz der ziemlich genauen Umsetzung die Szenen mit Nancy vergleichsweise züchtig sind.

Wenn man Sin City etwas vorwerfen will, dann vielleicht die ziemlich platte Story, die für eine Laufzeit von knapp zwei Stunden einfach nicht genug hergibt. Aber abseits davon hat mich Sin City vollends überzeugt. Die Messlatte in Sachen Comicverfilmung wurde deutlich angehoben, zukünftig wird sich alles an Sin City messen lassen müssen. Gute Aussichten auf Erfolg räume ich da am ehesten Sin City 2 oder vielleicht Sin City 3 ein.

Fazit: Kompromisslose, werkgetreue Umsetzung des Kultcomics, die gleichzeitig auch einer der Pflichtfilme des Jahres ist.

Rating:

★★★★★★★★★☆

Ein Kommentar zu “Sin City

  1. Coole Kritik, bin selbst auf den Film gespannt und werd ihn mir Dienstag 20 Uhr mal ansehen!

    Schöne Grüße an Olly, bis Mittwoch in der Sneak!

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