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L.A. Crash (Crash)

L.A. Crash (Crash)

Paul Haggis, der Regisseur von L.A. Crash ist für mich ein Phänomen. Lange Jahre schrieb er Drehbücher für TV-Sendungen wie Ausgerechnet Alaska, Love Boot und L.A. Law, um dann mit einer ruhigen Story über einen Boxmanager groß raus zu kommen, die von Clint Eastwood unter dem Namen Million Dollar Baby zu Oscar-Segen kam. L.A. Crash ist sein Regie-Erstling und auch das Drehbuch stammt wieder aus seiner inzwischen heiß begehrten Feder. Kurioses Detail am Rande ist, dass eine Sequenz im Film ihm selbst widerfahren ist und er somit ein Stück Vergangenheitsbewältigung betreibt.

L.A. Crash erzählt von 36 Stunden im Leben einer Handvoll Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber doch einiges gemeinsam haben. Sie treffen sich nicht nur, sie kollidieren förmlich miteinander. In ihnen allen steckt, wie auch in uns allen, eine latente Angst vor allem, was auf irgendeine Weise fremd ist. Hier geht es um die besondere Ausprägung der Rassendiskriminierung. Niemand im Film ist von Grund auf böse und das ist der besondere Reiz des Filmes. Paul Haggis versteht es gekonnt, die vielen verschiedenen Handlungsstränge kurz und ausdrucksstark zu erzählen, sie miteinander zu kombinieren und am Ende ein stimmiges Ganzes zu zeigen. Selten habe ich so viele kleine Geschichten in einem mit nicht mal zwei Stunden vergleichsweise kurzem Film gesehen, der dabei so viel Tiefgang hat.

Bis in die kleinste Nebenrolle stimmt hier einfach alles.

Im Film heißt es so treffend, dass sich die Menschen normalerweise in Städten berühren. In Los Angeles leben die Menschen hinter Stahl und Beton. Daher krachen sie ineinander, nur um etwas zu fühlen. Das trifft auch ziemlich genau den Kern des Filmes. Die Frau des Staatsanwaltes, die gerade noch bei einem Überfall durch Schwarze in den Lauf einer Waffe sehen musste, ist hochgradig paranoid und einen Schritt davor durchzudrehen. Sie regt sich über die rassistisch motivierte Tat auf, während parallel der Schlüsseldienst sämtliche Schlösser austauschen lässt. Nur weil der Mann vom Schlüsseldienst offenbar lateinamerikanischer Abstammung ist und obendrein tätowiert, geht sie davon aus, dass er später in die Wohnung einbrechen wird. Lautstark beschwert sie sich darüber bei ihrem Mann und wird so selbst vom Opfer zum Täter, denn wie wir später sehen war diese Anschuldigung absolut grundlos.

Da ein solcher Film ohne überzeugende Darsteller nicht machbar ist, weißt L.A. Crash eine beeindruckende Besetzungsliste auf. Bis in die kleinste Nebenrolle stimmt hier einfach alles. Dazu die überaus stimmige Optik unterlegt mit leisen, melancholischen Tönen und wir haben eine Stimmung auf der Leinwand, die einfach für diese Art Film als perfekt bezeichnet werden darf.

In L.A. Crash glaubt man so oft ein Bild von einer Person zu haben und genauso funktioniert das auch mit dem Rassismus: Vorurteile, Unterstellungen, Schubladendenken. Letztlich ist es egal, ob man schwarz oder weiß, Araber oder Asiate ist. Entscheidend ist, was man tut. Schön zu sehen, dass man diese Botschaft auch rüberbringen kann, ohne moralisch mit dem Zeigefinger zu wedeln. L.A. Crash schafft dies bravourös, subtil und dennoch emotional. Für mich schon jetzt einer der Überraschungen des Jahres und ein sicherer Anwärter auf meine persönliche Top 5 des Jahres.

Fazit: Sehr gut besetztes Episodenkino, dass sich dem Thema Rassismus auf eine erfrischend neue Art widmet. Für mich schon jetzt die Überraschung 2005.

Rating:

★★★★★★★★★☆

Ein Kommentar zu “L.A. Crash (Crash)

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