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Kinsey

Kinsey

Alfred Kinsey (Liam Neeson) war ein Mann, der in Amerika für viel Aufsehen mit seinen Büchern sorgte. In einem Land und einer Zeit, in der man davon ausging, dass Masturbation blind und Oralverkehr unfruchtbar macht sowie Homosexualität der Anfang allen Übels ist, widmete er sich exzessiv und fast schon manisch der Erforschung der menschlichen Sexualität. Himmel, wenn das damals alles wirklich so gestimmt hätte, ich wäre sicher schon drei Mal gestorben in meinem noch recht jungen Leben. Dabei stolperte Kinsey eigentlich mehr zufällig in diesen Bereich der Wissenschaft. In einem strengen Elternhaus erzogen, erforschte er 20 Jahre lang das Verhalten der Gall-Wespe. Erst als er einem jungen Studentenpaar in Sachen Aufklärung hilft, bemerkt er, wie groß das Wissens-Defizit der jungen Amerikaner wirklich ist.

Weitere Antriebskraft ist dabei seine Frau (Laura Linney), die ihn in allen Belangen unterstützt. Für sein erstes Buch, Das sexuelle Verhalten des Mannes, interviewt er unzählige Amerikaner. Gesponsert von der Rockefeller Organisation wird das Buch ein Besteller. Fünf Jahre später veröffentlichte Kinsey ein weiteres Buch über das sexuelle Verhalten der Frau. Spätestens da verspielte Kinsey jeglichen Kredit in der Bevölkerung, da die Zeit einfach nicht reif war für die Wahrheit: Viele Frauen waren in Sachen Sexualität viel freizügiger als es die Gesellschaft im Allgemeinen dachte. Man strich Kinsey die Gelder, der sich zusehends in seine Forschung verrannte und dabei völlig vergaß, dass Liebe keine Wissenschaft ist, die man vermessen und katalogisieren kann.

Denn irgendwie fehlt Kinsey dann einfach eine gewisse Leidenschaft, da es zu wissenschaftlich trocken weiter geht.

Kinsey ist zunächst ein recht unterhaltsamer Film. Es ist interessant zu sehen, wie er mehr durch Zufall auf sein späteres Betätigungsfeld stößt und vor allem, wie prüde und verklemmt die meisten Menschen mit dem Thema Sex umgegangen sind. Das wirkt zunächst witzig, da man es selbst gottlob gänzlich anders kennt. Doch mit der Zeit wendet sich das Blatt. Zunächst sieht Kinsey wie der glänzende Held aus, der ein verklemmtes Land aus den Fesseln der Vorurteile zu befreien scheint. Dann verzettelt er sich mehr und mehr und verfällt in eine Art Wahn. Er vergisst sein Umfeld, vernachlässigt seine Frau und macht die gleichen Fehler, die er seinem Vater immer vorgeworfen hat. Eine der stärksten Szenen ist sicherlich, wie ihm vorgeworfen wird, bei allem Sex-Gerede nie etwas über die Liebe zu sagen.

Und ab diesem Punkt gefiel mir der zunächst wirklich sehr gute Film immer weniger. Denn irgendwie fehlt Kinsey dann einfach eine gewisse Leidenschaft, da es zu wissenschaftlich trocken weiter geht. Zumal am Ende noch so viele Fragen unbeantwortet blieben. Gerade verglichen mit dem sehr guten A Beautiful Mind wird hier im letzten Drittel doch einiges verschenkt. Stark ist die Leistung von Liam Neeson, der endlich wieder in einer richtig großen Rolle zu sehen ist. Insgesamt eine zufrieden stellende Biografie, die aus dem heutigen Blickwinkel einiges an Unverständnis und Komik aufwirft.

Fazit: Sachliche Biografie über die Persona non grata Amerikas.

Rating:

★★★★★★☆☆☆☆

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