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Boudu

Boudu

Eine laue Frühlingsnacht in Aix-en-Provence. Als der hoch verschuldete Galerist Christian Lespinglet (Gérard Jugnot) gerade im geparkten Auto bei seiner Praktikantin (Constance Dollé) zudringlich wird, dringen Hilfeschreie eines Ertrinkenden ins Auto. Christian rettet den obdachlosen Selbstmörder namens Boudu (Gérard Depardieu) und nimmt ihn widerwillig mit nach Hause. Was eigentlich eine nette Geste für ein paar Stunden sein sollte, entpuppt sich für Christian als bitterer Albtraum, denn Boudu hat das Benehmen einer ausgehängten Saustalltür und das Ego und Mundwerk mindestens so groß wie der Pariser Eifelturm.

Die Geschichte von Boudu ist eine sehr alte. Der Film ist das Remake des gleichnamigen französischen Filmes Boudu aus dem Jahre 1932, welches in den 80ern unter dem Namen Zoff in Beverly Hills schon ein US-Remake bekam. Als Regisseur und Hauptdarsteller in Personalunion fungiert Gerard Jugnot, der seit Die Kinder des Monsieur Mathieu einen Stein bei mir im Brett hat. Seine Darstellung des Galeristen ist überzeugend und zeigt viele Ecken und Kanten. Gerard Depardieu gehört nicht unbedingt zu den von mir favorisierten Schauspielern, als Boudu gefiel er mir jedoch richtig gut. Seine abschätzige Gestik zum prollhaften Gossenverhalten ist nie übertrieben und einfach witzig. Die anderen Rollen, wie die neurotische Ehefrau oder die junge Praktikantin sind ebenfalls passend besetzt worden.

Das ausgerechnet der Held des Films eine beleidigende, egoistische, brutale und auch irgendwie naive Wildsau ist, ist die eigentliche Komik des Films.

Ansonsten bietet Boudu trotz der allseits bekannten Story viel Witz und Charme. Was sich zunächst für das Galeristenpaar als Albtraum und Chaos abzeichnet ist eigentlich der nötige Windstoß, den ihre Beziehung gebrauchen konnte, denn beide stecken in eingefahrenen Bahnen fest. Ehefrau Yseult stopft sich mit Antidepressiva voll während ihr Ehemann sich anderweitig versucht zu vergnügen. Auf seine ihm eigene Weise bringt Boudu wie ein Engel auf Erden alles wieder ins Lot, was sich erst sehr spät im Film abzeichnet.

Das ausgerechnet der Held des Films eine beleidigende, egoistische, brutale und auch irgendwie naive Wildsau ist, ist die eigentliche Komik des Films. Und da sind eben auch keine Fäkalwitze wie in den US-Teeniekomödien nötig, um ein Lächeln hevorzurufen. Ein weniger mehr Zug im Film hätte vielleicht die eine oder andere Länge genommen.

Fazit: Solides Remake mit dem gewissen französischen Charme.

Rating:

★★★★★★☆☆☆☆

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