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An deiner Schulter (The upside of anger)

An deiner Schulter (The upside of anger)

Dümmer hätte man den Titel gar nicht übersetzen können. An deiner Schulter klingt nach einer kitschigen Schnulze, die es hier aber gar nicht zu sehen gibt. Statt dessen erwartet einen hier eine Tragikkomödie mit glänzend aufgelegten Schauspielern, die immer den schweren Spagat zwischen Witz und Dramatik schafft.

Terry Wolfmeyer (Joan Allen) lebt mit ihren vier Töchtern (Erika Christensen, Evan Rachel Wood, Keri Russell und Alicia Witt) in einem sehenswerten Haus. Der Ehemann hat sich mit seiner Sekretärin nach Schweden aus dem Staub gemacht und die Familie im Stich gelassen. Terry ist wütend. Diese unbeschreibliche Wut kann sie nur mit Alkohol betäuben. Die Töchter kommen erstaunlich gut mit der Situation klar und ertragen die Launen der Mutter mit Bravour. Die einzige Person, die noch Zugang zu Terry bekommt ist Nachbar Denny (Kevin Costner). Denny trinkt selbst gernen einen über den Durst. Seine Baseballkarriere liegt schon etwas zurück und er verdient sein Geld mit vergangenem Ruhm und einer billigen Radio-Talkshow. Mit seiner liebevollen, schusseligen Art schafft er es, immer wieder etwas Licht in Terrys Alltag zu bringen. Zunächst nur Trinkpartner entwickelt sich zwischen beiden eine wunderbare Freunschaft, die immer wieder auf eine schwere Probe gestellt wird.

Er hält stets die Balance zwischen den tragischen und den humorvollen Momenten.

Wer sich vom arg kitschigen Titel nicht abschrecken lässt, bekommt einen besonderen Film geboten, der vor allem von seinen beiden Hauptdarstellern lebt. Joan Allen ist eine Wucht. Sie geht völlig in der egozentrischen, selbstgerechten und launischen Terry auf. Ihre Art in totaler Verzweifelung noch so viel Sarkasmus und Zynismus zu streuen ist einmalig. Mimik und Gestik sind zudem überragend. An ihrer Seite glänzt nach langer Zeit wieder mal Kevin Costner. Den abgehalfterten Baseballstar hat er schon öfters gespielt und auch hier wieder mit einer großen Portion Mut. Immer leicht angetrunken, leicht verwahrlost und ständig mit einem Nuscheln sabbelnd. Er ist dieser nette Nachbar, den man einfach braucht, wenn es einem schlecht geht. Und er erträgt alle Launen von Terry mit stoischer Ruhe. Beide Charaktere sind einfach liebenswert auch wenn sie eigentlich völlig fertig sind.

Die vier Töchter, wie Terry so schön sagt „eine hasst mich und die anderen drei geben sich große Mühe dabei“, haben ihre eigenen Probleme, an denen Terry immer Teil hat. Denn trotz ihrer eigenen Probleme ist sie dennoch fürsorglich. Ob es dabei um komische Partner, frühe Hochzeit und Schwangerschaft oder falsche Berufswahl geht, Terry ist mit ihrer unnachahmlichen Art stets vor Ort. Allein wie sie diese Szenen meistert ist das Eintrittsgeld schon wert. Nachdem sie die Schwiegereltern ihrer Tochter kennen lernt und mit einigen Bloody Maries die Rede hält, resümiert sie zu Denny, sie habe sich verhalten wie eine Anzeige für eine Anti-Säufer-Kampagne.

Regisseur Mike Binder, der selbst auch eine witzige Rolle übernommen hat, macht seine Arbeit vorbildlich. Er hält stets die Balance zwischen den tragischen und den humorvollen Momenten. Einzig die moralische Stimme der jüngsten Tochter aus dem Off wirkt zuweilen ein wenig altklug. Es wurde viel über das Ende des Filmes gestritten, das vielleicht wirklich so nicht nötig gewesen wäre. Aber dieses Ende gibt dem Film mehr Tiefe. Es hat einen kleinen Nachsatz, der einem zuflüstern möchte, dass das Leben zuweilen einen merkwürdigen Sinn für Humor hat.

Fazit: Beeindruckende Tragikkomödie, die meine persönliche Überraschung des Sommers ist.

Rating:

★★★★★★★☆☆☆

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